Tag Archives: Kolumbien

Dritte Veranstaltung zum »extraktivistischen
Entwicklungsmodell« in Kolumbien

Als dritte Ver­anstal­tung im Rah­men unser­er Rei­he zum »kolumbian­is­chen Frieden­sprozess im Kon­text eines extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsmod­ells« wird am

Mittwoch, den 17.03.21, 19:30 Uhr – 21:30 Uhr

eine weit­ere Online-Diskus­sionsver­anstal­tung in Koop­er­a­tion mit der kolumbian­is­chen Stiftung »Fun­dación Capac­i­tar« stattfinden.

»Indigene Gemeinschaften, Menschenrechte und das Entwicklungsmodell
im aktuellen Friedensprozess in Kolumbien«

Mit unseren Gästen

  • Fany Kuiru Cas­tro: Pueblo Uito­to. Recht­san­wältin, Koor­di­na­torin für Frauen, Jugend, Kind­heit und Fam­i­lie bei OPIAC (Orga­ni­zación Nacional de los Pueb­los Indí­ge­nas de la Ama­zo­nia Colom­biana). Delegierte der Nationalen Kom­mis­sion indi­gen­er Frauen im Komi­tee für die Evaluierung von Risiken und Maß­nah­men für geschützte Per­so­n­en – CERREM. Mit­glied der Nationalen Kom­mis­sion für indi­gene Frauen – CNMI.
  • Mama Rosario Chi­cunque: Pueblo Kamentsá, Koor­di­na­torin der indi­ge­nen Frauenor­gan­i­sa­tion für tra­di­tionelle Medi­zin, ASOMI (Aso­ciación de Mujeres Indí­ge­nas de la Med­i­c­i­na Tradi­cional “Cha­gra de la Vida”) aus der Region Putumayo.
  • Tai­ta Juan Fran­cis­co Mue­las: Pueblo Mis­ak-Guam­bia. Indi­gen­er Rat der Guam­bianos aus der Region Cau­ca mit langjähriger Erfahrung in der Vertei­di­gung der Men­schen­rechte und der indi­ge­nen Lokalverwaltung.

Mod­er­a­tion:

  • Daniel Tor­res: Mit­glied von COLPAZ.

Die ver­schiede­nen Regio­nen in Kolumbi­en haben ihre eige­nen Charak­ter­is­ti­ka in Bezug auf die Kul­tur, die Geschichte der indi­ge­nen Völk­er und ihre Ter­ri­to­rien mit ein­er hohen Bio­di­ver­sität und natür­lichen Ressourcen. Gle­ichzeit­ig sind sie geprägt von bewaffneten und ökol­o­gis­chen Kon­flik­ten, bedro­ht durch ein vom Extrak­tivis­mus geprägtes Wirtschaftsmod­ell. Anhand konkreter Beispiele wer­den die Referent*innen aktuelle Ein­blicke in die Sit­u­a­tion im Ama­zonas­ge­bi­et, in Putu­mayo in der Gren­zre­gion zu Ecuador und in Cau­ca in der süd­west­liche Anden­re­gion geben.

Mit dieser Ver­anstal­tung wollen wir die Sit­u­a­tion dieser drei Regio­nen inmit­ten des neu kon­fig­uri­erten gewaltvollen Kon­flik­ts mit ein­er prekären Men­schen­rechtssi­t­u­a­tion und der anhal­tenden Pan­demie von COVID 19 sicht­bar machen. Dabei wer­den wir auch die ver­schiede­nen Strate­gien, die zur Vertei­di­gung der gemein­schaftlichen Ter­ri­to­rien und der Bevölkerung unter­nom­men wer­den und die alter­na­tiv­en Vorschläge für ein men­schen­würdi­ges Leben und Frieden kennenlernen.

Die Ver­anstal­tung find­et auf Spanisch und Deutsch statt. Die Beiträge wer­den simul­tan übersetzt.
Um Anmel­dung wird bis zum 16.3.2021 gebeten unter: colpaz@riseup.net
Die Zugangs­dat­en erhal­ten Sie per Mail am 17.03.21

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.«, der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« und die kolumbian­is­che Stiftung »Fun­dación Capac­i­tar« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn«.

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Zweite Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe zum
»extraktivistischen Entwicklungsmodell« in Kolumbien

Als zweite Ver­anstal­tung im Rah­men unser­er Rei­he zum »kolumbian­is­chen Frieden­sprozess im Kon­text eines extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsmod­ells« ver­anstal­ten WISSENSKULTUREN und COLPAZ eine Diskus­sionsver­anstal­tung zum The­ma »Organ­i­sa­tions- und Wider­stand­sprozesse der afrokolumbian­is­chen Gemein­den«. Anhand konkreter Fälle wer­den die Ref­er­enten einen aktuellen Überblick über die Sit­u­a­tion geben sowie sich zu ver­schiede­nen Strate­gien der Vertei­di­gung der afrokolumbian­is­chen Bevölkerung und ihrer gemein­schaftlichen Ter­ri­to­rien äußern. Außer­dem wer­den die von den afrokolumbian­is­chen Gemein­den entwick­el­ten alter­na­tiv­en Vorschläge für ein men­schen­würdi­ges Leben und einen dauer­haften Frieden vorgestellt.

Datum: 2. März 2021, von 18:15 bis 20:15 Uhr

Coro­n­abe­d­ingt han­delt es sich um eine Online-Ver­anstal­tung in Form eines Pan­els, zu der Expert*innen afrokolumbian­is­ch­er Gemein­den aus Kolumbi­en zugeschal­tet sein werden. 

Referent*innen

  • Fran­cia Márquez Mina: Anwältin und Anführerin im Bere­ich Soziales und Umwelt. Gold­man-Umwelt­preis 2018, Nationale Ausze­ich­nung als Men­schen­rechtsvertei­di­gerin 2018, Präsi­dentin des »Comité del Con­se­jo Nacional de Paz, Rec­on­cil­iación, Con­viven­cia y No Estigma­ti­zación« (Kom­mi­tee des Nationalen Rates für Frieden, Ver­söh­nung, Koex­is­tenz und Nicht-Stigmatisierung).
  • Alfon­so Cas­siani Her­rera: Palen­quero, His­torik­er und Dozent der Sozial­wis­senschaften. Mas­ter-Abschluss in Geschichte, Rek­tor des »Eth­noin­sti­tuts Anto­nia San­tos« und Mit­glied des »Pro­ce­so de Comu­nidades Negras«.

Mod­er­a­tion:

  • Johana Cate­ri­na Man­til­la Oliv­eros: MA in Anthro­polo­gie und Pro­mo­tion in Geschichte an der Uni­ver­sität Köln 

Die Ver­anstal­tung find­et auf Spanisch und Deutsch statt. Die Beiträge wer­den simul­tan übersetzt.
Um Anmel­dung wird bis zum 1.3.2021 gebeten unter: colpaz@riseup.net
Die Zugangs­dat­en erhal­ten Sie per Mail am 02.03.21

Die dritte Ver­anstal­tung im Rah­men unser­er Rei­he zum Extrak­tivis­mus in Kolumbi­en wird am 17. März 2021 (19:20 bis 21:20 h) stat­tfind­en. Dann wird es um die Frage der indi­ge­nen Gemein­schaften gehen. Über ihre Sit­u­a­tion und ihre Alter­na­tivvorstel­lun­gen zu dem gegen­wär­tig dominieren­den extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsweg Kolumbi­ens wer­den wir mit drei aus Kolumbi­en zugeschal­teten Vertretern ver­schieden­er indi­gen­er Völk­er aus unter­schiedlichen Regio­nen sprechen. Details wer­den wir in Kürze hier bekan­nt­geben. Auch diese Ver­anstal­tung wird Spanisch-Deutsch simul­tan übersetzt.

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn«. 

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Trauer über den Mord an Fredman Arturo Herazo Padilla

Mit Entset­zen und Trauer haben wir von der Ermor­dung von Fred­man Arturo Her­a­zo Padil­la, Führungsper­sön­lichkeit und Kul­tur­man­ag­er der Gemeinde San Basilio de Palenque, Boli­var, erfahren. Die Tat ereignete sich am 15. Jan­u­ar im Dorf Puente San Jorge in der Gemeinde La Aparta­da, im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Cor­do­ba. Fred­man Her­a­zo Padil­la, His­torik­er und Jurist von Beruf, war seit mehreren Jahren Berater in eth­nisch-rechtlichen Prozessen sowie bei der Bil­dung von Gemein­schaft­sräten in Gemein­den afrikanis­ch­er Abstam­mung, sowohl in der Region Montes de Maria ein­er Region im Gren­zge­bi­et der bei­den kolumbian­is­chen Depar­ta­men­tos Boli­var und Sucre, sowie im angren­zen­den Depar­ta­men­to Cor­do­ba. All dies geschah im Rah­men der Anwend­barkeit und Durch­set­zung der gel­tenden Geset­ze für schwarze Gemein­den, wie sie in der kolumbian­is­chen Nation­alver­fas­sung vorge­se­hen sind. 

Der abscheuliche Mord an Fred­man Her­a­zo ist lei­der Teil ein­er lan­gen Kette von Gewalt­tat­en und wiederkehren­den Men­schen­rechtsver­let­zun­gen auf dem kolumbian­is­chen Staats­ge­bi­et. Nach Angaben des Insti­tu­to de Estu­dios para el Desar­rol­lo y la Paz (INDEPAZ) wur­den seit der Unterze­ich­nung des Friedens­abkom­mens im Jahr 2016 bis Ende 2020 in ver­schiede­nen Depar­ta­men­tos des Lan­des 1000 (ein­tausend) Führungsper­sön­lichkeit­en zivilge­sellschaftlich­er Grup­pen, Umweltschützer, Men­schen­rechtsvertei­di­ger und Per­so­n­en, die dabei waren, sich nach dem Friedensver­trag des Jahres 2016 in das soziale Leben zu rein­te­gri­eren, ermordet. Bere­its in diesem noch sehr kurzen Jahr (2021) wur­den fünf Mas­sak­er (d.h. an min­desten drei oder mehr Per­so­n­en) verübt sowie durch­schnit­tlich ein Mord täglich. Laut der »Comisión Inter­amer­i­cana de Dere­chos Humanos (CIDH)« han­delt es sich bei dem größten Teil der bish­er berichteten Fälle vor allem um Men­schen, die “[…] irgen­deine kom­mu­nale Führungsrolle ausüben, wie z.B. die Mit­glied­schaft in der »Jun­ta de Acción Comu­nal (JAC ihrer Gemeinde oder um Repräsen­tan­ten indi­gen­er oder afrokolumbian­is­ch­er Grup­pen.” ( Comu­ni­ca­do de Pren­sa No.174/20. Comisión Inter­amer­i­cana de Dere­chos Humanos, CIDH.)

Laut dem im Dezem­ber 2020 von INDEPAZ vorgelegten Bericht waren 86,8 % der ermorde­ten sozialen Führungsper­sön­lichkeit­en und Men­schen­rechtsvertei­di­ger Män­ner und 13,2 % Frauen. 29,1 % der Tötungs­de­lik­te ereigneten sich in städtis­chen Bere­ichen, während 70,9 % der Tötungs­de­lik­te in ländlichen Sek­toren des Lan­des stat­tfan­den. Diese erschreck­enden Zahlen zeigen die direk­ten Auswirkun­gen der bewaffneten und gewalt­samen Aktio­nen gegen die Zivil­bevölkerung und gegen die volle Ausübung ihrer poli­tis­chen, sozialen und kul­turellen Rechte, ins­beson­dere im ländlichen Kolumbi­en. Eine genauere Betra­ch­tung zeigt, dass 37,6 % dieser Morde gegen die indi­gene Bevölkerung, 10,1 % gegen die Bevölkerung afrikanis­ch­er Abstam­mung und 52,1 % gegen die Land­bevölkerung im All­ge­meinen began­gen wurden.

Dieses drama­tis­che Bild zeigt, dass der Kampf für einen gerecht­en Zugang zu Land — der ja im Wesentlichen nichts anderes ist als die Vertei­di­gung anges­tammter Ter­ri­to­rien indi­gen­er, afro-deszen­den­ter und bäuer­lich­er Gemein­schaften gegen einen aggres­siv­en Lan­draub — nach wie vor eines der wesentlichen Fak­toren der poli­tis­chen Auseinan­der­set­zung in Kolumbi­en ist. Große Land­striche wur­den in den let­zten Jahrzehn­ten gewalt­sam durch die Vertrei­bung von Bauern­fam­i­lien in agroin­dus­trielle Pro­jek­te, Viehzucht, Berg­bau oder pri­vate Brach­flächen von Gruß­grundbe­sitzern über­führt [Vgl. Gonzáles Pos­so, Cami­lo (2017): El fomen­to del Macro­fun­dio como mod­e­lo rur­al]. Unter diesen Bedin­gun­gen ist die Ein­forderung der ver­fas­sungsmäßi­gen Rechte, wie z.B. die Schaf­fung von Gemein­deräten und klein­bäuer­lichen Bio-Reser­vat­szo­nen [Reser­vas Campesinas y Bio­di­ver­si­dad], die Umset­zung des Geset­zes »1448« aus dem Jahr 2011 zur Rück­gabe ger­aubten Lan­des (»Ley 1448: Vic­ti­mas y Resti­tu­ción de Tier­ras«), sowie die Umset­zung der im Friedensver­trag von 2016 vere­in­barten Lan­dreform, zu ein­er äußerst schwieri­gen Auf­gabe gewor­den, die alle diejeni­gen, die sich dafür ein­set­zen, in unmit­tel­bare Lebens­ge­fahr bringt. 

In einem gemein­samen Aufruf von COLPAZ, Wis­senskul­turen und mehreren zivilge­sellschaftlichen Grup­pen, die sich in Deutsch­land für die Men­schen­rechte in Kolumbi­en ein­set­zen, wer­den die zuständi­gen Behör­den der nationalen Regierung Kolumbi­ens vehe­ment zur Aufk­lärung der Fak­ten aufge­fordert, sowohl im Fall der Ermor­dung von Fred­man Her­a­zo Padil­la, als auch im Fall der anderen Führungsper­sön­lichkeit­en zivilge­sellschaftlich­er Grup­pen, die zum Schweigen gebracht wur­den. Wir wieder­holen die Auf­forderung an den kolumbian­is­chen Staat, sein­er völk­er­rechtlichen und im »Acuer­do de Paz« von 2016 anerkan­nten Verpflich­tung nachzukom­men, die notwendi­gen Maß­nah­men zu ergreifen, um das Leben, die Unversehrtheit und die Sicher­heit der­jeni­gen zu garantieren, die täglich sich für die Bürg­er des Lan­des vor Ort ein­set­zen und den Schutz der kolumbian­is­chen Ver­fas­sung genießen. 

Kolumbien: Verhaftungsaktionen gegen
Menschenrechtsvertreter

Am sel­ben Tag, an dem die UN-Hochkom­mis­sarin für Men­schen­rechte in ein­er Pressemit­teilung die kolumbian­is­che Regierung mit Nach­druck dazu aufge­fordert hat, endlich konkrete Maß­nah­men gegen die mas­siv­en Men­schen­rechtsver­let­zun­gen gegenüber Bauern, Indi­ge­nen und Ange­höri­gen der afrokolumbian­is­chen Min­der­heit zu ergreifen, zeigt der Staat eine Reak­tion, die weltweit Befrem­den und Entset­zen aus­gelöst hat. 

Anstatt die Aktivist*innen der sozialen Bewe­gun­gen, gegen die Über­griffe von paramil­itärischen Kräften und bezahlten Killerkom­man­dos bess­er zu schützen, wurde gestern mit ein­er koor­dinierten Aktion zur Ver­haf­tung einiger ihrer Anführer begonnen. Besorgt fra­gen sich inter­na­tionale Men­schen­rechts­beobachter, ob dies nun der Auf­takt zu ein­er staatlichen Ver­fol­gungskam­pagne gegenüber oppo­si­tionellen Kräften ist, die von der rechts-kon­ser­v­a­tiv­en Regierung Duque krim­i­nal­isiert wer­den, in dem ihnen “Rebel­lion gegen den Staat” zur Last gelegt wird. ( El Espec­ta­dor, 16.12.2020; Colom­bia Infor­ma, 15.12.2020.)

Das Net­zw­erk »Red de Her­man­dad y Sol­i­dari­dad con Colom­bia (REDHER)« informierte gestern über die Ver­haf­tun­gen von zwei ihrer Mit­glieder, TEOÓFILO ACUÑA und ADELSO GALLO, Sprech­er des Bünd­niss­es »Cum­bre Agraria Campesina Étni­ca y Pop­u­lar«, am 15. Dezem­ber 2020. Zudem wurde ROBERT DAZA, ein Bauern­führer der CNA (Coor­di­nador Nacional Agrario) im Departe­ment Nar­iño, eben­falls in den frühen Mor­gen­stun­den des 16. Dezem­ber verhaftet.

Alle drei sind namhafte soziale Führungsper­sön­lichkeit­en, die in den let­zten zwanzig Jahren für die Men­schen­rechte in Kolumbi­en einge­treten sind. Adel­so Gal­lo hat­te bere­its vor eini­gen Jahren das Vorge­hen der transna­tionalen Konz­erne scharf kri­tis­ert, die unter­stützt von der Regierung dazu beitra­gen, »… die Ressourcen zu plün­dern, die Arten­vielfalt zu zer­stören und die Bevölkerung mit Bombe­nan­schlä­gen und Mas­sak­ern zu ter­ror­isieren. Die geisti­gen Urhe­ber wur­den nicht vor Gericht gestellt, geschweige denn von der kolumbian­is­chen Jus­tiz verurteilt. Diese Ver­brechen bleiben in völ­liger Straflosigkeit. Ein sozialer Aktivist, Gew­erkschafter oder Bauern­führer zu sein, ist gle­ichbe­deu­tend damit, eine Rebel­lion zu bege­hen und ein Ver­brech­er zu sein, und dies wird mit dem Leben bezahlt, wobei die mil­itärischen Kräfte einge­set­zt wer­den und not­falls auf Jus­tiz und Polizei zurück­ge­grif­f­en wird.” (Vgl. https://www.arcoiris.com.co/2014/08/multitudinario-homenaje-a-las-victimas-de-la-masacre-de-cano-seco/)

REDHER befürchtet, dass es sich bei der Ver­haf­tung um eine poli­tisch kon­stru­ierte Anklage han­delt, wie sie bere­its 2007 und 2011 gegenüber TEOÓFILO ACUÑA wegen sein­er prononcierten Rolle als soziale Führungsper­sön­lichkeit prak­tiziert wurde, dann aber von der Gen­er­al­staat­san­waltschaft jew­eils wieder zurückgenom­men wer­den musste. Deshalb fordert REDHER auch eine unab­hängige Unter­suchung darüber, inwieweit eine poli­tis­che Instru­men­tal­isierung der Ermit­tlungs- und Jus­tizbe­hör­den vor­liegt. Ins­beson­dere angesichts der Tat­sache, dass die vie­len Morde an Führungsper­sön­lichkeit­en sozialer Bewe­gun­gen in den let­zten Jahren eine so geringe Aufk­lärungsquote vorzuweisen haben.

In ein­er in spanis­ch­er, englis­ch­er und franzö­sis­ch­er Sprache ver­fassten Peti­tion bit­tet REDHER um rasche inter­na­tionale Unterstützung.

Neue Veranstaltungsreihe: Der kolumbianische Friedensprozess
im Kontext eines extraktivistischen Entwicklungsmodells

Am 17. Novem­ber starten COLPAZ und WISSENSKULTUREN eine vierteilige Ver­anstal­tungsrei­he, in der wir uns mit der Frage auseinan­der­set­zen wollen, welche Möglichkeit­en sich mit der von der gegen­wär­ti­gen Regierung betriebe­nen extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsstrate­gie für die Real­isierung des 2016 vere­in­barten Frieden­sprozess­es ergeben bzw. welche Gren­zen durch sie geset­zt werden.

Seit Abschluss des Friedensver­trages Ende 2016 wer­den weit­er­hin Men­schen von ihren Län­dereien ver­trieben und Vertreter*innen indi­gen­er und afrokolumbian­is­ch­er Gemein­schaften sowie soziale und Umweltaktivist*innen gezielt getötet. Die Gewalt gegen Gemein­de­vorste­her, soziale und Umweltaktivist*innen hat sich sog­ar ver­schärft. Die Gründe der erneuten Gewal­teskala­tion sind sehr vielfältig. Ein­er kön­nte in der von der Regierung betriebe­nen Pri­or­isierung eines extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsmod­ells liegen.

Während der Friedensver­hand­lun­gen in Havan­na wurde eine Debat­te zum Entwick­lungsmod­ell aus
nachvol­lziehbaren Grün­den aus­geklam­mert, was von vie­len zivilge­sellschaftlichen Grup­pen allerd­ings kri­tisiert wurde. Wir wollen in unser­er Ver­anstal­tungsrei­he dieses The­ma auf­greifen und dabei die These vom Extrak­tivis­mus als ange­blich zen­tralen Motor für gesellschaftliche Entwick­lung« (San­tos) in den Mit­telpunkt stellen. Im Aus­tausch zwis­chen Men­schen in und aus Kolumbi­en sowie Bon­ner Bürger*innen wollen wir dies erörtern. Zwei Kern­fra­gen ste­hen dabei im Mittelpunkt:

  1. Inwieweit unter­miniert das derzeit­ige Entwick­lungsmod­ell die Umset­zung des Friedens­abkom­mens und die Erre­ichung eines nach­halti­gen pos­i­tiv­en Friedens?
  2. Welche Poten­tiale und Ressourcen gibt es im Land und in der Bevölkerung für alter­na­tive soziale und wirtschaftliche Prozesse, die ein friedlich­es Zusam­men­leben ermöglichen?

Coro­n­abe­d­ingt wer­den alle vier Ver­anstal­tun­gen als Online-Ver­anstal­tun­gen stat­tfind­en. Wir beginnen

  • Dien­stag, den 17. Novem­ber 2020 (18:30 — 20:30 h) 
  • Ref­er­entin: Alexan­dra Bernal Par­do , Ökonomin und Poli­tik­wis­senschaft­lerin aus Bogotá, Fel­low am deutsch-kolumbian­is­chen Friedensin­sti­tut CAPAZ und Mit­glied der »Red Rodeemos el Diálogo«.
  • »Extrak­tivis­mus der natür­lichen Ressourcen und Kon­flikt. Das Beispiel Fer­ronick­el im Departe­ment Cór­do­ba (Kolumbi­en)«

Alexan­dra Bernal Par­do wird über die Sit­u­a­tion in der Gemeinde Mon­telíbano (Depar­ta­men­to Cór­do­ba) bericht­en, um zu zeigen, wie trotz des Friedens­abkom­mens der bewaffnete Kon­flikt in Kolumbi­en fortbeste­ht. Das Auftreten bewaffneter Grup­pen ste­ht hier im Zusam­men­hang mit dem lukra­tiv­en Abbau von Nick­el. Gewalt gegen die Zivil­bevölkerung ste­ht auf der Tage­sor­d­nung und anstatt, dass die Lizen­zge­bühren für die Schür­frechte an den kolumbian­is­chen Staat abge­führt wer­den, ver­schwinden diese durch tatkräftige Mitwirkung paramil­itärisch­er Kräfte in dubiosen Kanälen. Das Refer­at stützt sich auf die Studie „Dif­fer­ent Resources, Dif­fer­ent Con­flicts“ (Bogotá, Uni­ver­si­dad de Los Andes, 2019).

Die Ver­anstal­tung find­et auf Spanisch und Deutsch statt. Die Beiträge wer­den über­set­zt. Die weit­eren Ver­anstal­tun­gen find­en im Novem­ber, Dezem­ber und Jan­u­ar statt. Über die genauen Dat­en wer­den wir Sie informieren.

Um Anmel­dung wird gebeten unter: colpaz@riseup.net oder oeku-buero.de: Anmeldung

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, in Zusam­me­nar­beit mit dem »Öku­menis­chen Büro für Frieden und Gerechtigkeit« und mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn« und »Engage­ment Glob­al« mit Mit­teln des BMZ.

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»Hilando Altares de la memoria y la verdad« —
Ein Workshop zur Erinnerungskultur

Die »Unter­stützungs­gruppe der kolumbian­is­chen Wahrheit­skom­mis­sion in Deutsch­land« (»Nodo de Apoyo Ale­ma­nia a la Comi­sion de la Ver­dad Colom­bia«) und »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« laden zu einem Work­shop ein, der sich der Erin­nerungskul­tur wid­met. In diesem Work­shop geht es um die Aufar­beitung von Ereignis­sen während des Gewaltkon­flik­tes in Kolumbi­en. Bei den Teilnehmer*innen han­delt es sich um direkt oder auch indi­rekt Betrof­fene, die gegen­wär­tig in Deutsch­land leben, die in ein­er gemein­samen Aktion ihre Erfahrun­gen mit den Ereignis­sen in Kolumbi­en reflek­tieren. Konkret geht es um die tex­tilkün­st­lerische Erstel­lung eines »Altars der Erin­nerun­gen«, in dem Schmerz, Trauer, die Abwe­sen­heit aber auch die Vertei­di­gung des Lebens, die Zuver­sicht, Zärtlichkeit und Freude sym­bol­isiert wer­den kann. Das End­pro­dukt wird nach Kolumbi­en an die Wahrheit­skom­mis­sion geschickt.

Der Work­shop find­et in spanis­ch­er Sprache statt und wird geleit­et von Alexan­dra Bis­bi­cus (Sozialpäd­a­gogin und Tex­tilkün­stelerin mit kun­st­ther­a­peutis­ch­er Aus­bil­dung). Der Work­shop wird finanziell unter­stützt vom deutsch-kolumbian­is­chen Friedensin­sti­tut CAPAZ.

El taller es un encuen­tro de reflex­ión que se basa en bor­dar, tejer como prop­ues­ta de arte trans­for­mador y sanador, que reivin­dique y recon­struya la memo­ria colec­ti­va y la ver­dad sobre el con­flic­to colom­biano y cómo lo percibi­mos fuera de Colom­bia. Bor­dar, unir, zur­cir las his­to­rias de vida. Es otra for­ma de nar­rar y cam­i­nar la pal­abra resistien­do ante la vio­len­cia, el silen­cio y el olvi­do. Tejer colec­ti­va­mente es un ejer­ci­cio que gen­era diál­o­gos para com­pren­der qué nos ha pasa­do como sociedad y como país. Se bor­darán altares del dolor, del due­lo, de las ausen­cias que el con­flic­to nos ha deja­do, pero tam­bién sim­bolizan la ter­nu­ra, la ale­gría y la defen­sa de la vida. La pieza que resulte del taller será envi­a­da a la Comisión de la Ver­dad en Colombia.

Inscrip­ciones y may­or infor­ma­ción: colpaz@riseup.net

Programa

  • Viernes 23.10.20 de 18.30 a 21:00
    Con­ver­sación sobre tra­ba­jo de memo­ria y el teji­do como ele­men­to de narración.
    Lugar: Cen­tro Inter­na­cional de Mujeres en Bonn (ifz), Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn
    (direc­ta­mente detrás de la estación central) 
  • Sába­do 24.10.20 de 09:30 a 18:00
    Dinámi­ca de con­fi­an­za grupal.
    Intro­duc­ción a difer­entes téc­ni­cas para elab­o­rar los altares
    Reflex­ión sobre el tema per­son­al del altar.
    Ini­cio del tra­ba­jo per­son­al y grupal.
    Lugar: Migrapo­lis — Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111
    Bonn,Tercer Piso 
  • Domin­go 25.10.20 de 09.30 a 12:30
    Final­ización de los altares
    Retroal­i­mentación del proceso.
    Aclaración de los pasos siguientes
    Lugar: Cen­tro Inter­na­cional de Mujeres en Bonn (ifz), Quan­tiusstraße 8, 53115

El taller será dirigi­do por Alexan­dra Bis­bi­cus, ped­a­goga social y artista tex­til con for­ma­ción en arte ter­apia. Los mate­ri­ales serán facil­i­ta­dos, pero les ped­i­mos de ser posi­ble que cada per­sona lleve peda­zos de telas (reci­cladas) que ten­gan un val­or afec­ti­vo, que les guste para dis­eñar los altares.

Basta Ya! Schluss mit dem Töten in Kolumbien!

Kolumbi­en wird seit eini­gen Wochen von ein­er ganzen Serie von Mas­sak­ern erschüt­tert, die vor allem an jugendlichen Kolumbian­ern verübt wer­den. Wer die Täter sind, wer ihre Hin­ter­män­ner und welche Motive sie ver­fol­gen, ist noch nicht gek­lärt. Nicht nur Kolumbi­en son­dern auch die Weltöf­fentlichkeit ist schock­iert und alarmiert ist. Zusam­men mit den in diesem Jahr ermorde­ten Men­schen­rechts- und Umwelt-Aktivis­ten hat das Land bere­its über 200 Opfer zu beklagen.

Am Fre­itag bzw. Sam­stag let­zter Woche fan­den in mehreren deutschen Städten Aktio­nen statt, welche die Trauer, die Empörung und den Protest gegen die Untätigkeit der kolumbian­is­chen Regierung zum Aus­druck bracht­en. In Berlin und in Frank­furt vor der kolumbian­is­chen Botschaft bzw. dem Kon­sulat, in Bonn auf dem Platz der Vere­in­ten Natio­nen vor dem UN-Gebäude. Die Ver­anstal­tun­gen soll­ten auch der kolumbian­is­chen Regierung demon­stri­eren, dass die inter­na­tionale Zivilge­sellschaft die Vorkomm­nisse in Kolumbi­en sehr sorgfältig und mit großer Sorge beobachtet. COLPAZ hat die Aktion unter­stützt und auch mit einem beträchtlichen Teil sein­er Mit­glieder daran teilgenommen.

Im Zen­trum der Aktion in Bonn stand eine Per­for­mance der kolumbian­is­chen Kün­st­lerin Ana Bole­na Müller, die die Trauer Kolumbi­ens über die neu aufge­flammte Gewalt im Land zum Aus­druck brachte. Mit 200 auf dem »Platz der Vere­in­ten Natio­nen« niedergel­gten Holzkreuzen und ein­er namentlichen Aufzäh­lung wurde den Opfern gedacht. Anschließend artikulierten die Teil­nehmer der Aktion ihren Protest und die Forderung an die Regierung Duque, endlich ihrer ver­fas­sungsmäßi­gen Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den, für die Sicher­heit ihrer Bürg­er zu sor­gen und die Umset­zung des Friedens­abkom­mens von 2016 nicht länger zu blockieren.

Dank zweier Berichte der DEUTSCHEN WELLE in spanis­ch­er Sprache ist erre­icht wor­den, dass die Aktio­nen vom Woch­enende auch in Kolumbi­en zur Ken­nt­nis genom­men wur­den und nun hier wie dort in den sozialen Net­zw­erken präsent sind. Die Berichte sind hier verfügbar: 

COLPAZ startet Briefaktion an die kolumbianische Botschaft

Der erschüt­ternde Bericht von Ursu­la Holz­pafel und Ulrich Koll­witz aus Quib­dó, der Haupt­stadt des kolumbian­is­chen Depar­ta­men­tos Chocó, hat uns ver­an­lasst, nicht nur diesen Bericht zu ver­bre­it­en, son­dern auch der kolumbian­is­chen Botschaft in Berlin deut­lich zu machen, dass die Weltöffnetlichkeit sehr genau hin­schaut, was gegen­wär­tig in Kolumbi­en geschieht.

In einem gemein­samen Aufruf von afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Organ­i­sa­tio­nen, des »Con­se­jo Comu­ni­tario May­or de la Aso­ciación Campesina Inte­gral del Atra­to – COCOMACIA«, dem »Mesa Indí­ge­na del Chocó«, dem »Foro Interét­ni­co Sol­i­dari­dad Chocó«, dem »Red Depar­ta­men­tal de Mujeres Chocoanas« und dem »Mesa Ter­ri­to­r­i­al de Garan­tías Chocó« wird auf die alarmierende Zunahme der Ver­let­zung der indi­vidu­ellen und kollek­tiv­en Rechte der afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Völk­er des Chocó durch die Ver­schär­fung des bewaffneten Kon­flik­ts im Departe­ment aufmerk­sam gemacht.

Schon seit langem wird das Ein­sick­ern paramil­itärisch­er Ver­bände (ins­beson­der der Autode­fen­sas Gai­tanistas de Colom­bia, AGC) und Grup­pen der ELN-Gueril­la in den Choco beklagt. Ursu­la und Uli hat­ten auf den Ver­anstal­tun­gen, die wir mit Ihnen in den let­zten bei­den Jahren gemacht hat­ten, immer wieder darauf hingewiesen. In den beset­zten Gebi­eten wer­den eigene »Geset­ze« zur Gel­tung gebracht und sie über die ver­fas­sungsmäßig garantierten Rechte der betroff­nen Gemein­den und Grup­pen gestellt. Diese Missstände sind seit langem bekan­nt, wer­den aber von der kolumbian­is­chen Regierung ignori­ert. Zu befürcht­en ist, dass es wieder ein­mal ein klammheim­lich­es Ein­ver­ständ­nis der Regierung mit den paramil­itärischen Kräften, die mit enor­men finanziellen und logis­tis­chen Ressourcen aus­ges­tat­tet sind, gibt. Ihr vorgegebenes Ziel ist es, die verbliebe­nen Gueril­la­grup­pen zu eli­m­inieren. Aber nicht nur darum scheint es zu gehen (vgl. Jus­ti­cia y Paz, Colom­bia, 30.12.2019). Vertrei­bun­gen der Bevölkerung von ihrem Land sind in einem bish­er nicht bekan­ntem Aus­maß an der Tage­sor­d­nung. Ille­gale Berg­bauan­la­gen enste­hen, Regen­wald wird gerodet um Platz für große Plan­ta­gen oder für Gold­mi­nen zu machen. Die Umweltver­schmutzung schre­it­et voran, ins­beson­dere der Flüsse, die die Leben­sad­er dieser Region darstellen. Queck­sil­ber­verseuchung des Wassers bedro­ht die Gesund­heit und das Leben der indi­ge­nen und afrokolumbian­is­chen Bevölkerung, die an den Ufern dieser Flüsse siedeln. 

Ursu­la und Uli schreiben, dass selb­st in der Stadt Quib­do, die Haupt­stadt des Depar­ta­men­tos Choco, die Gewalt­grup­pen immer mehr die Kon­trolle über die Wohn­vier­tel aus­dehnen. »Sie sind die Einzi­gen, die kein­er­lei Aus­gangs­beschränkun­gen unter­liegen. Per­so­n­en, die sich dieser Herrschaft wider­set­zen wollen, wer­den eingeschüchtert und bedro­ht. Allein hier in Quib­dó haben wir dieses Jahr bere­its 87 Mord­fälle reg­istri­eren müssen. Es fall­en nach wie vor weit mehr Men­schen den Gewaltver­brechen zum Opfer als dem Coro­n­avirus, der bish­er im gesamten Chocó 70 Ster­be­fälle ver­sur­sacht hat.« (Rund­brief von Ursu­la Holzapfel & Ulrich Koll­witz, Comisión Vida, Jus­ti­cia y Paz, v. 7.7.2020)

Und dies find­et alles in einem Gebi­et statt, welch­es im Friedensver­trag als eines der 16 Ter­ri­to­rien erk­lärt wurde, die beson­ders unter dem Gewaltkon­flikt gelit­ten hat­ten und deshalb ein­er beson­deren Unter­stützung des Staates bedür­fen. Aber diese Art von “Unter­stützung” war sich­er nicht gemeint vgl. Jus­ti­cia y Paz, Colom­bia, 30.12.2019.

In dem Aufruf der oben genan­nten Ver­bände wird auch beklagt, dass in ein­er Zeit, in der die Coro­na-Pan­demie, den tage­spoli­tis­chen Diskurs bes­timmt, ihre Hil­fer­ufe unge­hört bleiben. Es wird auf den katas­trophalen Zus­tand des Gesund­heitssys­tems (Kranken­haus­in­fra­struk­tur, Aus­rüs­tung, Per­son­al, Leis­tungser­bringung) im gesamten Departe­ment Chocó aufmerk­sam gemacht, welch­er die gesamte Bevölkerung, jen­seits der Coro­n­avirus-Pan­demie, in eine Lage ver­set­zt, in der sie ständig der Gefahr von Krankheit­en oder Unfällen schut­z­los aus­geliefert ist. Alle ländlichen Gemein­den, vor allem die indi­ge­nen, sind nach wie vor ständig endemis­chen und epi­demis­chen Krankheit­en (Tuberku­lose, Lun­genentzün­dung, Dengue-Fieber, Malar­ia) aus­ge­set­zt, begleit­et von chro­nis­ch­er Unter­ernährung und einem schwachen Immunsystem.

Wenn die Regierung Wirk­samkeit und Glaub­würdigkeit bei den Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Coro­na-Pan­demie der Pan­demie und zum Schutz des Lebens der Bevölkerung erre­ichen will, kann sie sich nicht auf Quar­an­täneer­lasse beschränken und das Panora­ma des bewaffneten Kon­flik­ts, der ille­galen Wirtschaft, des Elends, der Kor­rup­tion und der man­gel­nden Gesund­heitsver­sorgung ver­nach­läs­si­gen, die im Departe­ment Chocó unzäh­lige Men­schen­leben fordern.

Die genan­nten Organ­is­tio­nen fordern die Regierung dazu auf, wirk­same Maß­nah­men zu ergreifen, die darauf abzie­len, der Bevölkerung von Chocó ein ganzheitlich­es men­schen­würdi­ges Leben zu garantieren. In den Gebi­eten muss die Anerken­nung der indi­ge­nen und afrokolumbian­is­chen Selb­stver­wal­tung unverzüglich wieder­hergestellt wer­den. Gefordert wird die voll­ständi­ge Umset­zung des Friedens­abkom­mens zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und den FARC vom Novem­ber 2016, welch­es auch grund­sät­zliche Fra­gen der Indi­ge­nen und Afrokolumbianer*innen umfasst. 

Der voll­ständi­ge Wort­laut des Aufrufs (in spanis­ch­er Sprache) ist hier zum Down­load verfügbar. 

Wis­senskul­turen und COLPAZ haben eine Brief-Aktion zur Unter­stützung des im Aufruf genan­nten Anliegens ges­tartet. In einem Brief an den kolumbian­is­chen Botschafter in Berlin wird auf den gemein­samen Bericht, der »Diözese Quib­dó«, dem «Großen Gemein­der­at der Inte­gralen Bauern­vere­ini­gung des Atra­to — COCOMACIA«, dem »Indi­ge­nen Kom­mit­tee«, dem »Intereth­nis­chen Sol­i­dar­itäts­fo­rum« , dem »Net­zw­erk der Frauen« und dem »Ter­ri­to­ri­alen Garantiekom­mit­tee des Chocó« ver­wiesen und die kolumbian­is­che Regierung aufge­fordert, endlich ihrer völk­er­rechtlichen Ver­ant­wor­tung zum Schutz der Bevölkerung des Chocó gerecht zu wer­den. Die Aktion wurde von mehreren Grup­pen und Organ­i­sa­tio­nen, die sich in Deutsch­land für Men­schen­rechte in Lateinameri­ka ein­set­zen, unter­stützt, u.a.

Über den oben berichteten Sachver­halt gibt es weit­ere Beiträge:

COVID-19 und die Lage im Choco: Ein Hilferuf.

Der Chocó gehört nicht nur zu den Regio­nen Kolumbi­ens, in denen große Armut und bewaffnete Kon­flik­te den All­t­ag bes­tim­men, son­dern er gehört auch zu den Gebi­eten, die am wenig­sten auf COVID-19 vor­bere­it­et sind. CASA HOGAR ist ein Part­ner­pro­jekt unser­er Arbeits­gruppe COLPAZ und zielt auf die Verbesserung der Leben­sum­stände für die – meist schwarze oder indi­gene – benachteiligte Bevölkerung im kolumbian­is­chen Chocó. Im Mit­telpunkt der Arbeit von CASA HOGAR ste­ht die Öff­nung des Weges zu Bil­dung von jun­gen Frauen und Mäd­chen. Bil­dung wird dabei neben dem Zugang zu Schul­bil­dung auch und ins­beson­dere als eine ganzheitliche Bil­dung zur Per­sön­lichkeit­sen­twick­lung und zum Schaf­fen von Per­spek­tiv­en betra­chtet. CASA HOGAR sieht sich dabei in der Rolle ein­er Begleitung, welche die Ideen und Bedürfnisse der Men­schen vor Ort ver­ste­hen und sie ermuti­gen will, diese zu for­mulieren und in eigene Pro­jek­tvorschläge zu entwickeln.

Wis­senskul­turen, COLPAZ und CASA HOGAR verbindet die nun schon viele Jahre andauernde Sol­i­dar­ität­sar­beit mit dem CHOCO. Und selb­stver­ständlich erfordert die gegen­wär­tige COVID-19-Krise beson­dere Anstren­gun­gen von all denen, die sich mit Kolumbi­en und im Beson­deren mit dem CHOCO ver­bun­den fühlen. CASA HOGAR ste­ht den „Chocoanos“ in dieser schwieri­gen mit einem beson­deren Sol­i­dar­ität­spro­jekt zur Seite: Ein­er­seits verteilt CASA HOGAR Essenspakete für Fam­i­lien, die auf­grund der lan­desweit­en Aus­gangssperre ihrer Arbeit nicht nachge­hen dür­fen und deswe­gen hungern. Ein Nahrungspaket kostet für eine Fam­i­lie für eine Woche 90.000 Pesos, das sind 25 Euro, und bein­hal­tet Grund­nahrungsmit­tel wie Reis, Lin­sen, Mehl und Öl. Ander­er­seits unter­stützt CASA HOGAR die Bevölkerung bei der medi­zinis­chen Ver­sorgung. Dazu gehört nicht nur die Anschaf­fung von drin­gend nötigem medi­zinis­chen Mate­r­i­al, son­dern ins­beson­dere auch eine per­son­elle Begleitung sowie eine Weit­er­bil­dung des lokalen medi­zinis­chen Per­son­als. Die Gesamtkosten des Pro­gramms betra­gen knapp 50.000 Euro. Um diese Kosten tra­gen zu kön­nen, hat CASA HOGAR einen Spende­naufruf ins Netz gestellt.

»Wis­senskul­turen e.V.« und »COLPAZ – Frieden für Kolumbi­en« unter­stützen den Spende­naufruf von Casa Hog­ar. Über eine weit­ere Ver­bre­itung und Unter­stützung freuen wir uns sehr! Weit­ere Infos über die Arbeit von CASA HOGAR

Internationale Konferenz
»Fragiler Frieden in Kolumbien«
Bonn, 30. November 2019

[ DE ] / [ ES ]

»Wis­senskul­turen« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« ver­anstal­ten in Koop­er­a­tion mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, Pax Christi und dem Zen­trum für Entwick­lungs­fos­chung der Uni­ver­sität Bonn am 30. Novem­ber 2019 eine ganztägige inter­na­tionale Kon­ferenz zur gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion in Kolumbien.

»Frag­iler Frieden in Kolumbi­en — Zum Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbien« 
Datum: Sam­stag, den 30. Novem­ber 2019, 09:30 — 17:00 Uhr
Ort: Migrapo­lis – Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111 Bonn 

Der 2016 hoff­nungsvoll ges­tartete Frieden­sprozess in Kolumbi­en befind­et sich in ein­er schwieri­gen Phase. Nicht nur, dass eine ganze Rei­he der von der Regierung im Friedensver­trag zuge­sagten Verpflich­tun­gen bis­lang (noch) nicht oder nur unzulänglich erfüllt wur­den, son­dern auch die Tat­sache, dass in die von der FARC-Gueril­la geräumten Gebi­ete andere bewaffnete Grup­pen ein­gesick­ert sind, haben viele Hoff­nun­gen des ver­gan­genen Jahres in Frage gestellt. Gewaltvolle Land­nahme und damit ver­bun­dene Vertrei­bungen gehen trotz des Friedensver­trages weit­er. Mit über 300 ermorde­ten Menschen­rechts­aktivist*innen seit Unter­zeichnung des Friedens­abkom­mens von 2016 ist Kolumbi­en gegen­wär­tig mit Abstand das Land mit den meis­ten Tötungs­de­lik­ten gegenüber Menschenrechtsvertreter*innen weltweit. Und auch die Tat­sache, dass Ende August ein klein­er Teil von bere­its demo­bil­isierten FARC-Kom­bat­tan­ten wieder zu den Waf­fen gegrif­f­en hat, kom­pliziert den Prozess sehr.

Ander­er­seits sind aber auch – trotz aller Block­ierungsver­suche der Geg­n­er des Friedens­abkom­mens — bere­its umfan­gre­iche Aktiv­itäten des vere­in­barten Prozess­es ange­laufen. Aber aus allen ange­laufe­nen Pro­jek­ten wird sig­nal­isiert, wie wichtig die inter­na­tionale Beobach­tung und Unter­stützung ist, wen­ngle­ich noch nicht immer ganz klar ist, wie eine solche Unter­stützung ausse­hen könnte.

Die Kon­ferenz will über den gegen­wär­ti­gen Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbi­en informieren, dabei auch die Ver­strick­ung Deutsch­lands in den Kon­flikt erörtern sowie mit den Teilnehmer*innen darüber berat­en, inwieweit und ggf. in welch­er Form wir hier in Deutsch­land einen Beitrag zum Gelin­gen des Frieden­sprozess­es leis­ten kön­nen. Geplant sind Vorträge und zwei Werk­stattge­spräche über zwei Themenbereiche:

  1. »Memo­ria His­tor­i­ca«: Der Kampf um die Wahrheit und seine Bedeu­tung für den Friedensprozess 
  2. Ungle­iche Land­verteilung und Umweltzer­störung: Was ändert der Friedensvertrag? 

Referent*innen:

  • Ale­jan­dro Reyes Posa­da (Berater bei den Friedensver­hand­lun­gen zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la): »Angestrebte Lan­drefor­men im Friedens­abkom­men und die Schwierigkeit­en ihrer Umsetzung«
  • Gina Maria Chin­chilla Sal­cedo (Zen­trum für Entwick­lungs­forschung der Uni­ver­sität Bonn): »Die Kon­struk­tion des his­torischen Gedächt­niss­es nach dem Friedensvertrag«
  • Ale­jan­dro Mora Mot­ta (Zen­trum für Entwick­lungs­forschung der Uni­ver­sität Bonn): »Rohstof­faus­beu­tung, Umweltzer­störung und Frieden: Das Beispiel Kohle«.

Die Kon­feren­zsprache ist Deutsch. Die in spanis­ch­er Sprache vor­ge­tra­ge­nen Refer­ate wer­den simul­tan über­set­zt. Um Anmel­dung wird gebeten: colpaz@riseup.net

Down­load des Kon­ferenz-Fly­ers in Deutsch . Infor­ma­ciones en Castel­lano.


Das Mah­n­mal für den Frieden »Frag­men­tos« im Zen­trum von Bogotá von Doris Sal­cedo (Foto: M. Paetau)

 

Logo der Stadt Bonn

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn« und in Koop­er­a­tion mit der »Friedrich-Ebert-Stiftung«, »Pax-Christi — Kom­mis­sion Sol­i­dar­ität Eine Welt« und dem »Zen­trum für Entwick­lungs­forschung« der Uni­ver­sität Bonn.


Kolumbien: Der Friedensprozess ist nicht tot!

Einige Medi­en in Deutsch­land — aber auch in Kolumbi­en — ver­mit­teln den Ein­druck, dass die FARC den bewaffneten Kampf wieder aufgenom­men hat und das Friedens­abkom­men damit prak­tisch tot sei. (so z.B. ND vom 29.8.2019 oder Amer­i­ca-21 vom 30.8.2019. Diesem Ein­druck muss ganz klar wider­sprochen wer­den. Es ist eine kleine Gruppe von Dis­si­den­ten, die den bewaffneten Kampf wieder aufgenom­men hat, aber die FARC als poli­tis­che Partei und mit ihr die über­wiegen­den Mehrheit aller Ex-Guerilleros ste­hen zum Friedensprozess.

Allerd­ings, und das ist das Trau­rige, sind unter den Dis­si­den­ten drei hochrangige ehe­ma­lige Kom­man­dan­ten der FARC-EP. Unter ihnen sog­ar der Ver­hand­lungs­führer bei den Friedens­ge­sprächen von Havan­na Iván Márquez. Das macht die Sache außeror­dentlich kom­pliziert. Und natür­lich — kurz vor den Wahlen zu den Region­al­par­la­menten im Okto­ber — macht diese Nachricht allewelt völ­lig kon­fus. Ich würde mich nicht wun­dern, wenn das Wass­er auf die Mühlen der Gegen­er des Friedens­abkom­mens ist. Und tat­saäch­lich hat Alvaro Uribe sich auch schon zu Wort gemeldet und die kom­plette Annulierung des Friedens­abkom­mens gefordert. Präsi­dent Duque sprach in ein­er Fernse­hbotschaft von ein­er “eine Bande von Dro­gen­händlern und Ter­ror­is­ten, die den Schutz und die Unter­stützung der Dik­tatur von (dem vene­zolanis­chen Präsi­den­ten) Nicolás Maduro genießt”. Der Vertei­di­gungsmin­is­ter Venezue­las sah darin einen Vor­wand, einen möglichen Krieg gegen Venezuela zu legitimieren.

Die Wieder­be­waffnung eines Teils der Farc-EP wird in der öffentlichen Diskus­sion in Kolumbi­en von recht­en Kreisen hochge­spielt, um gle­ichzeit­ig die unheil­volle Wirkung der rechts­gerichteten Paramil­itärs herun­terzus­pie­len. In Wirk­lichkeit hal­ten 90 Prozent der Ex-Guerilleros weit­er­hin am Frieden­sprozess fest, wie nicht nur die poli­tis­che Partei FARC (»Fuerza Alter­na­ti­va Rev­olu­cionar­ia del Común«) son­dern auch kolumbian­is­che Regierungsvertreter hervorheben.

Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen macht­en indes die Regierung Duque und vor allem das rechgerichtete »Cen­tro Demo­c­ra­ti­co« von Ex-Präsi­dent Alvaro Uribe für die Wieder­be­waffnung der FARC-Dis­si­den­ten ver­ant­wortlich. Sie hät­ten durch Verzögerung und Nichter­fül­lung der Vere­in­barun­gen von Havan­na eine große Ver­ant­wor­tung für die jet­zige Sit­u­a­tion zu tragen.

In ein­er Pressekon­ferenz der poli­tis­chen Partei FARC (»Fuerza Alter­na­ti­va Rev­olu­cionar­ia del Común«) wurde die Entschei­dung von Iván Márquez und anderen Ex-Kom­man­dan­ten scharf kri­tisiert. Es wurde bekräftigte, die Vere­in­barun­gen von Havan­na nach wie vor einzuhal­ten und mit Nach­druck und Entschlossen­heit für die Umset­zung des Frieden­sprozess­es einzutreten. Gle­ichzeit­ig wurde die Regierung aufge­fordert, ihre Block­ade­hal­tung aufzugeben und endlich den poli­tis­chen Willen für eine zügige Umset­zung der Vere­in­barun­gen von Havan­na zu beweisen. Gegen Márquez, Santrich u.a. wird ein Parteiauss­chlussver­fahren beantragt. 

In der kolumbian­is­chen Öffentlichkeit hat der Schritt der Exkom­man­dan­ten enorme Irri­ta­tio­nen aber auch eine neue Diskus­sion­swelle über den Frieden­sprozess aus­gelöst. Die Argu­mente reichen von »das war doch zu erwarten« bis zu dem Vor­wurf an den Uribis­mo, einen Teil der FARC sys­tem­a­tisch und vorsät­zlich in den Krieg gedrängt zu haben.

Quellen:

Veranstaltung im Rahmen der Bonner Friedenstage:
»Zur Bedeutung sozialer Netzwerke bei der
Konfliktbefriedung in Kolumbien« (18.9.2019)

Im Rah­men der Bon­ner Frieden­stage, die vom 30.8. bis zum 28.9.2019 stat­tfind­en, laden COLPAZ und WISSENSKULTUREN zu ein­er Vor­tragsver­anstal­tung ein, die sich mit der Frage der Wiedere­ingliederung von ehe­ma­li­gen Kom­bat­an­ten der FARC-Gueril­la befasst. 

Ref­er­ent: Andreas Glück­er, Bonn 
Datum: Mittwoch, den 18. Sep­tem­ber 2019, 18:30 — 20:30 Uhr
Ort: IFZ-Bonn, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn 

Mit dieser Ver­anstal­tung wollen wir über die schwierige Sit­u­a­tion in Kolumbi­en informieren und damit einen Beitrag leis­ten, in der deutschen Öffentlichkeit das Ver­ständ­nis des kom­plizierten Frieden­sprozess­es in dem Land zu fördern und das Engage­ment bon­ner Bürg­er für die Frieden­sar­beit im glob­alen Süden zu unterstützen.

Der Vor­trag basiert auf ein­er Befra­gung von ehe­ma­li­gen Kom­bat­an­ten der FARC-Gueril­la, die während ihres Aufen­thaltes in einem der Rein­te­gra­tionszen­tren zu ihren Hoff­nun­gen, Bedürfnis­sen, Äng­sten sowie zur sozialen Unter­stützung befragt wur­den. Die Ergeb­nisse illus­tri­eren die Her­aus­forderun­gen, die sich dabei stellen, nach jahre­langem Kampf gegen den Staat wieder ein akzep­tiertes Mit­glied der Gesellschaft zu wer­den. Im Kon­text der schlep­pen­den Umset­zung des Ver­trags und des gerin­gen Rück­halts in Teilen der Gesellschaft, zeigt der Vor­trag die Bedeu­tung der sozialen Net­zw­erke der ehe­ma­li­gen FARC-Kämpfer für eine erfol­gre­iche Wiedereingliederung.

Angesichts der jüng­sten Entwick­lun­gen, ins­beson­dere der Wieder­auf­nahme des bewaffneten Kampfes durch eine kleine aber dur­chaus ein­flussre­iche Gruppe der bere­its demo­bil­isierten FARC-Gueril­la Ende August, macht der Vor­trag die Fragilität des Frieden­sprozess­es deut­lich. Und er zeigt auch, wie riskant die Verzögerungstak­tik der gegen­wär­ti­gen kolumbian­is­chen Regierung unter Präsi­dent Duque für den Frieden im Lande ist.

bmz-logo Die Ver­anstal­tung wird gefördert durch Engage­ment Glob­al mit finanzieller Unter­stützung des Bun­desmin­is­teri­ums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. 

 

Das voll­ständi­ge Pro­gramm der Bon­ner Frieden­stage find­en Sie auf der Web­site des Net­zw­erkes Frieden­sko­op­er­a­tive . Der Pro­gramm­fly­er ist hier auch zum Down­load erhältlich.

Veranstaltungsreihe Kolumbien (VIII):
»Zur Situation der afrokolumbianischen Gemeinden im Chocó« (3.7.2019)

Vor­trags- und Diskus­sionsver­anstal­tung der Kolumbi­en­gruppe COLPAZ in Koop­er­a­tion mit »Wis­senskul­turen e.V.«. Ref­er­enten: Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz, Quib­do, Kolumbien.

Datum: Mittwoch, den 3. Juli 2019, 19:00 — 21:00 Uhr
Ort: IFZ-Bonn, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn

Die achte Ver­anstal­tung unser­er Rei­he zum Frieden­sprozess in Kolumbi­en hat­te zwei Schw­er­punk­te: Neben der Berichter­stat­tung über die aktuelle Sit­u­a­tion befassten wir uns mit der Frage, wie, d.h. mit welchen Organ­i­sa­tions- und Aktions­for­men die Afrokolumbian­er im Choco sich gegen die erneut zunehmende Bedro­hung durch bewaffnete Grup­pen in ihrem Gebi­et zu wehren ver­suchen. Der Friedensver­trag von Havan­na hat­te u.a. expliz­it den Anspruch der Zivilge­sellschaft und der eth­nis­chen Min­der­heit­en auf poli­tis­che Par­tizipa­tion sowie das Recht auf poli­tis­che Oppo­si­tion gestärkt. Und es lässt sich beobacht­en, dass dieses Recht auch mehr und mehr wahrgenom­men wird. Mal mehr, mal weniger mil­i­tant. So haben beispiel­sweise im Früh­jahr d.J. indi­gene Grup­pen erst nach ein­er wochen­lan­gen Block­ade der wichti­gen Nord-Süd-Verbindung im Cau­ca-Tal (»Pan Amer­i­cana«) die Regierung ver­an­lassen kön­nen, sich mit ihrer präk­eren Lage mehr als nur rhetorisch zu befassen. Die indi­ge­nen Grup­pen in Kolumbi­en kön­nen allerd­ings auf eine z.T. jahrhun­dertealte Tra­di­tion und gut einge­spielte Organ­i­sa­tions­for­men zurückschauen. Die Teil­nehmer unser­er Ver­anstal­tung woll­ten wis­sen, inwieweit es ver­gle­ich­sweise Organ­i­sa­tions­for­men auch bei den afrokolumbian­is­chen Gemein­schaften gibt. Auf welche Tra­di­tion sie sich beziehen, welche prak­tis­chen Prozesse sich in den let­zten Jahren vol­l­zo­gen haben und wie sta­bil existierende Net­zw­erke sind, um einen wirk­samen Schutz gegen paramil­itärische Über­griffe zu bieten. Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz arbeit­en seit mehr als 30 Jahren mit den afrokolumbian­is­chen Grup­pen im Choco und kon­nten aus einem reich­halti­gen Erfahrungss­chatz berichten. 

Vortrag bei Friedrich-Spee-Akademie, Bonn:
»Kolumbiens fragiler Frieden« (9.5.2019)

Nach dem Vor­trag von Michael Pae­tau am 20. April 2017 zum The­ma »Kon­flikt und Frieden­sprozess in Kolumbi­en« , war es bere­its die zweite Ver­anstal­tung, die die Friedrich-Spee-Akademie, Bonn« zum The­ma des Frieden­sprozess­es in Kolumbi­en durch­führte. Während es vor zwei Jahren vor allem um die Grund­la­gen des in Havan­na aus­ge­han­del­ten Friedensver­trages zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la ging, stand dies­mal die verän­derte poli­tis­che Sit­u­a­tion nach den Par­la­ments- und Präsi­dentschaftswahlen 2018 und die damit ver­bun­de­nen neuen Schwierigkeit­en bei der Umset­zung der Vere­in­barun­gen von Havan­na im Mit­telpunkt. Die bish­er ohne­hin schlep­pende Umset­zung des Friedens­abkom­mens zwis­chen der FARC-Gueril­la und der Regierung unter Präsi­dent Juan Manuel San­tos läuft Gefahr zu scheit­ern, da der neue Präsi­dent Iván Duque, der am 8. August 2918 sein Amt antritt, als Geg­n­er des Friedens­abkom­mens gilt. Ein weit­eres The­ma war die Men­schen­rechtssi­t­u­a­tion in dem >Land, die sich im Jahre 2018 drama­tisch ver­schärft hat.

Ref­er­ent: Dr. Michael Pae­tau (»Wis­senskul­turen e.V.« und »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, Bonn 
Datum: Don­ner­stag, den 9. Mai 2019, 19 Uhr
Ort: Kul­turs­tiftung Pfen­nigs­dorf, Pop­pels­dor­fer Allee 108, 53115 Bonn 

Einzel­heit­en ent­nehmen Sie bitte dem Pro­gramm der »Friedrich-Spee-Akademie« für das Som­merse­mes­ter 2019:
FSA-BONN-SoSe-2019

Vortrag bei ABK-Bonn:
»Der Friedensprozess in Kolumbien« (4.12.2018)

Auf Ein­ladung der »Arbeits­ge­mein­schaft für Bil­dung und Kul­tur Bonn und Umge­bung e.V« ABK-Bonn hielt Michael Pae­tau einen Vor­trag zum gegen­wär­ti­gen Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbi­en. Neben ein­er grundle­gen­den Ein­führung in die Inhalte des Friedens­abkom­mens von Havan­na und ein­er Betra­ch­tung der Ursachen des Gewaltkon­flik­tes, wurde die verän­derte poli­tis­che Sit­u­a­tion nach den Par­la­ments- und Präsi­dentschaftswahlen 2018 the­ma­tisiert. Des Weit­eren wurde auf die Men­schen­rechtssi­t­u­a­tion in dem Land einge­gan­gen, die sich im Jahre 2018 drama­tisch ver­schärft hat. 

Ref­er­ent: Dr. Michael Pae­tau (»Wis­senskul­turen e.V.« und »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, Bonn 
Datum: Dien­stag, den 4. Dezem­ber 2018, 19 Uhr
Ort: Vor­tragssaal der ABK, Am Kur­park 7, 53175 Bonn 

Einzel­heit­en ent­nehmen Sie bitte dem Pro­gramm der ABK für Novem­ber und Dezem­ber 2018:
ABK-Aktuell‑3–2018

»Das Flüstern des Jaguars«

Ab 4. Okto­ber 2018 kommt der deutsch-kolumbian­isch-brasil­ian­is­che Film »Das Flüstern des Jaguars« (Orig­i­nal-Titel: »O Sus­sur­ro do Jaguar«) in die deutschen Kinos. Der Film hat­te seine Wel­tur­auf­führung  2017  bei der Doc­u­men­ta 14 in Kas­sel und wurde bei den Film­fest­spie­len in Carta­ge­na de Indias  (FICCI 58)  2018 als Film mit der besten Regie aus­geze­ich­net. Seine Pro­duk­tion hat­te WISSENSKULTUREN mit eige­nen Pro­jek­t­för­der­mit­teln unter­stützt. Wir grat­ulieren dem brasil­ian­is­chen und deutsch-kolumbian­is­chen Regisseur*innen-Duo Thais Guisas­o­la und Simon(e) Jaikir­i­u­ma Pae­tau zu dem Erfolg des Films und freuen uns über seinen Kinos­tart in Deutschland.

In Bonn wird der Film am 7. Okto­ber 2018 gezeigt  (WOKI)  und in Köln vom 03.- 08. Novem­ber  (Film­palette)  im Rah­men von KINO LATINO.  (Sämtliche Ter­mine sind weit­er unten aufge­lis­tet) Ein Trail­er kann hier ange­se­hen werden.

Das Flüstern des Jaguars ist ein Queer-Punk-Road­movie, das ent­lang des Ama­zonas spielt und sich mit indi­gen­em Wis­sen und der Erfahrung von Trancezustän­den durch medi­zinis­che Pflanzen beschäftigt. Queer­ness wird hier­bei nicht nur als The­ma ver­standen, son­dern als eine Methodik,als ein spez­i­fis­ch­er kine­matographis­ch­er Blick, als eine Per­spek­tive, die einen Bruch vol­lzieht mit dem dominieren­den het­ero­nor­ma­tiv­en Nar­ra­tiv und den lin­earen Prozessen, wie sie im Kino von heute üblich sind. Durch diesen queeren Blick geht der Film nicht nur The­men wie Gen­der und sexu-elle Iden­tität an, son­dern konzen­tri­ert sich darüber hin­aus auf den Zugang zu einem Ur- Wis­sen durch indi­gene Heilpflanzen, Tot, Jugend und Poli­tik. Der Film etabliert einen Dia­log zwis­chen Geschicht­en der Kolo­nial­isierung, Mod­ernisie- rung, Umweltzer­störung und Jaguaren inner­halb aktueller brasil­ian­is­ch­er und lateinameri- kanis­ch­er poli­tis­ch­er Landschaft.

Die kolumbian­is­che Zeitschrift ARCADIA schreibt in ein­er Rezen­sion: »Dieses Road­movie, das im Ama­zonas spielt, ist eben­so sen­si­bel für Queer­ness, wie auch für Punk und erzählt die Geschichte eines jun­gen Mäd­chens, Ana, die die Asche ihres Brud­ers, eines Aktivis­ten, bei sich trägt. Auf dem Weg wird sie kon­fron­tiert mit ihrem eige­nen Ego, Tod, der poli­tis­chen und ökol­o­gis­chen Land­schaft, dem Hybri­den, dem Indi­ge­nen, dem Postkolo­nialen, dem Ver­lust und natür­lich mit den Jaguaren.« (Arca­dia, 05. 03. 2018)

Ter­mine in Anwe­sen­heit der Regisseur*in und Darsteller*in Simon(e) Jaikir­i­u­ma Pae­tau (alle Filme OmU):

  • 04. Okto­ber (Kinos­tart) // Wolf Kino // Berlin 
  • 07. Okto­ber // Woki // Bonn 
  • 08. Okto­ber // Orfeos Erben // Frank­furt am Main 
  • 09. Okto­ber // Union Filmthe­ater // Berlin 
  • 10. Okto­ber // Baby­lon // Berlin 
  • 15. Okto­ber // Lod­der­bast // Hannover 
  • 29. Okto­ber // Casablan­ca Filmkun­stthe­ater // Nürnberg 
  • 03.- 08. Novem­ber // Film­palette // Köln (im Rah­men von KINO LATINO
  • TBA // Aba­ton // Hamburg 

Weit­ere Start­ter­mine ohne Anwe­sen­heit der Regisseur*in

  • ab 04.Oktober // Luru Kino in der Spin­nerei // Leipzig 
  • ab 18. Okto­ber // Werk­stat­tki­no // Münche 

Presse­matier­i­al kann hier herun­terge­laden werden.

Veranstaltungsreihe Kolumbien (VII):
»Kolumbien nach dem Rechtsruck« (22.08.2018)

Vor­trags- und Diskus­sionsver­anstal­tung der Kolumbi­en­gruppe COLPAZ in Koop­er­a­tion mit »Wis­senskul­turen e.V.« und dem  »Inter­na­tionalen Frauen­zen­trum Bonn (IFZ)«. Ref­er­ent: Ulrich Koll­witz, Quib­do, Kolumbien.

Datum: Mittwoch, den 22. August 2018, 19:00 — 21:00 Uhr
Ort: IFZ-Bonn, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn

Anderthalb Jahre nach Abschluss des his­torischen Friedensver­trages zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la zieht nun mit Iván Duque ein erk­lärter Geg­n­er des Abkom­mens in den Präsi­den­ten­palast der Haupt­stadt Bogotá ein. Was bedeutet dies für die Men­schen dieses Lan­des, die seit Jahrzehn­ten de fac­to in ein­er Kriegssi­t­u­a­tion gelebt und gelit­ten haben? Zu dieser Frage und zur aktuellen poli­tis­chen Sit­u­a­tion Kolumbi­ens wird die Gruppe “COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en” zusam­men mit dem Vere­in Wis­senskul­turen und dem IFZ-Bonn am Mittwoch, 22. August um 19.00 im Inter­na­tionalen Frauen­zen­trum (IFZ) Quan­tiusstr. 8 53115 Bonn, eine Ver­anstal­tung durch­führen. Als Ref­er­enten haben wir auch in diesem Jahr Ulrich Koll­witz gewin­nen kön­nen. Ulrich arbeit­et als katholis­ch­er Priester seit über 30 Jahren in der kolumbian­is­chen Men­schen­rechts­be­we­gung und hat für sein Engage­ment das Bun­desver­di­en­stkreuz erhal­ten. Er ist in der Region Chocó aktiv, in der nach wie vor Paramiltärs, Reste der Gueril­l­abe­we­gung und andere ille­gale bewaffnete Grup­pen die Bevölkerung ver­suchen, unter Kon­trolle zu hal­ten und einzuschüchtern. Ulrich wird über die aktuelle Sit­u­a­tion und den Kampf für den Frieden berichten.

 

Wer sich im Voraus unser­er Ver­anstal­tung etwas näher über die im Friedensver­trag zwis­chen der Regierung und der Guereil­la aus­ge­han­del­ten Inhalte informieren möchte, kann einen Blick in das bei uns erscheinende “Kolumbian­is­che Tage­buch” werfen.

»Dass der Friede uns nicht das Leben koste!«

Mah­nwache für das Leben und den Frieden in Kolumbien.

Datum: Dien­stag, den 7. August 2018, 18:00 — 21:00 Uhr
Ort: Dom­plat­te Köln

Die Zahl der Morde an Aktivist*innen seit der Unterze­ich­nung des Friedens­abkom­mens Ende 2016 in Kolumbi­en ist alarmierend und steigt weit­er an. Allein zwis­chen Dezem­ber 2016 und August 2018 wur­den mehr als 300 Bäuer*innen, Ange­hörige indi­gen­er Völk­er, Studierende, Lehrer*innen, Afro- Nach­fahren, sowie Politiker*innen ermordet, weil sie ihre Ter­ri­to­rien, die Umwelt und ihre Rechte vertei­digten, anders dacht­en und sich für den Frieden engagierten. Die bish­er ohne­hin schlep­pende Umset­zung des Friedens­abkom­mens zwis­chen der FARC-Gueril­la und der schei­den­den Regierung unter Präsi­dent Juan Manuel San­tos läuft Gefahr zu scheit­ern, da der neue Präsi­dent Iván Duque, der am 8. August 2918 sein Amt antritt, als Geg­n­er des Friedens­abkom­mens gilt. Menschenrechtsaktivist*innen befürcht­en, dass die bish­er erziel­ten Fortschritte im Friedens- und Ver­söh­nung­sprozess weit­er gefährdet wer­den. Dies hätte ver­heerende Fol­gen, vor allem für die sozialen Bewe­gun­gen, die zunehmende Krim­i­nal­isierung befürchtet, und für die Land­bevölkerung, die weit­er­hin in vie­len Gegen­den von ihrem Land ver­trieben wird.

Am Dien­stag, den 7. August haben in mehreren Städten Deutsch­lands und der Welt Mah­nwachen stattge­fun­den, in denen die Inter­na­tionale Gemein­schaft, Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen, NGOs, poli­tis­che Parteien und andere Organ­i­sa­tio­nen aufge­fordert wur­den, von der neuen kolumbian­is­chen Regierung unter Präsi­dent Iván Duque die voll­ständi­ge Umset­zung des Friedens­abkom­mens zu ver­lan­gen. Das bedeutet vor allem, die Straflosigkeit zu been­den und anzuerken­nen, dass die Aktivist*innen gezielt bedro­ht sowie ermordet wer­den, und geeignete Maß­nah­men zu ergreifen, die ihre Sicher­heit garantieren. Die von COLPAZ in Koop­er­a­tion mit anderen Kolumbi­en­grup­pen im Rhein­land durchge­führte Aktion fand auf der Köl­ner Dom­plat­te statt.

Abendveranstaltung des Kolumbien Arbeitskreises Bonn (»COLPAZ«)

Gemein­sam mit dem inter­na­tionalen Frauen­zen­trum Bonn e.V. (ifz) ver­anstal­tet der
Kolumbi­en Arbeit­skreis Bonn eine Abend­ver­anstal­tung zum Thema:

Der kolumbianische Friedensprozess unter
veränderten politischen Randbedingungen

Ref­er­entin: San­dra Lopez, „Red Fem­i­nista y Anti­mil­i­tarista“, Medellin, Kolumbien

Mittwoch, 6. Juni 2018, 18 bis 21 Uhr
Ort: Inter­na­tionales Frauen­zen­trum (IFZ), Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn

Mit dem Ver­trag zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la vom Novem­ber 2016 wurde ein großer Schritt zur Beendi­gung der Gewalt in diesem Land getan. Aber die Berichte über den bish­eri­gen Ver­lauf haben gezeigt, wie zer­brech­lich der Prozess des Frieden­sauf­baus noch ist.  Trotz der starken Wider­stände gegen die Umset­zung des Friedensver­trages lassen sich an vie­len Stellen sehr erfol­gre­iche Pro­jek­te nach­weisen. Eines davon ist die Arbeit des Net­zw­erkes in Medellin, welch­es sich zum Ziel geset­zt hat, mit kün­st­lerischen Mit­teln (v.a. Hip Hop, The­ater) zur Etablierung und zur Fes­ti­gung ein­er Frieden­skul­tur beizu­tra­gen und vor allem dabei das Selb­st­wert­ge­fühl von Frauen und jun­gen Mäd­chen zu stärken. Die Ref­er­entin wird die Aktiv­itäten des Net­zw­erkes vorstellen und über dessen Arbeit in den sozialen Bren­npunk­ten Medellins, in denen immer noch paramil­itärische Kräfte aktiv sind, berichten.

Down­load des Programm-Flyers

Wir bit­ten um Anmel­dung an:
vorstand|ät|wissenskulturen|punkt|de
oder
ifzbonn|ät|t‑online|punkt|de

Die Ver­anstal­tung wird gefördert mit Mit­teln des evan­ge­lis­chen Kirch­lichen Entwicklungsdienstes

Arbeitskreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbien«

Am 13. Novem­ber 2017 wurde unser neuer Arbeit­skreis zum Frieden­sprozess in Kolumbi­en gegrün­det. Er wird von Wis­senskul­turen e.V. und dem inter­na­tionalen Frauen­zen­trum Bonn e.V. (ifz) gemein­sam getragen.

Der zen­trale Fokus des Arbeit­skreis­es ist der gegen­wär­tig in Kolumbi­en stat­tfind­ende Frieden­sprozess. In den bei­den Ver­anstal­tun­gen mit Ulrich Koll­witz und San­dra Isaza Giral­do vom Okto­ber 2017 war deut­lich gewor­den, wie zer­brech­lich der Frieden­sprozess in Kolumbi­en ist. Dieses Ein­schätzung wird durch neuere Berichte aus Kolumbi­en bestärkt (Vgl.:Kolumbian­is­ches Tage­buch). Damit der Frieden­sprozess nicht scheit­ert, braucht Kolumbi­en unter anderem inter­na­tionale Unter­stützung, und zwar nicht allein durch staatliche und/oder supra-staatliche Insti­tu­tio­nen, wie sie von der UN, den Sig­natar­mächt­en Kuba und Nor­we­gen und anderen Staat­en, wie beispiel­sweise Deutsch­land durch einen Son­der­beauf­tragten und dem Auf­bau eines Friedensin­sti­tutes, geleis­tet wird, son­dern auch durch die Zivilge­sellschaft. In Kolumbi­en selb­st sind die Aktiv­itäten der ver­schiede­nen zivilge­sellschaftlichen Grup­pen und sozialen Bewe­gun­gen ein ganz wichtiger Fak­tor für die Frage, in welche Rich­tung sich die Debat­te um die Gestal­tung des Friedens in Kolumbi­en entwick­eln wird. Mit unseren Aktiv­itäten wollen wir einen Beitrag zum Gelin­gen des Frieden­sprozess­es mit all seinen — nicht uner­he­blichen — gesellschaft­spoli­tis­chen Imp­lika­tio­nen, wie sie im “Acuer­do Final” zwis­chen der Regierung und den FARC vere­in­bart wor­den sind, leisten.

Um uns hier ein­brin­gen zu kön­nen und einen Beitrag leis­ten zu kön­nen, wollen wir zunächst ein­mal zwei­gleisig ver­fahren: Zum einen wollen wir inner­halb des Arbeit­skreis­es gemein­sames Wis­sen über das was in Kolumbi­en passiert, gener­ieren (Innen­per­spek­tive). Zum anderen wollen wir geeignete For­mate find­en, mit denen wir uns in den Frieden­sprozess ein­brin­gen kön­nen. Dazu gehört auch die Unter­stützung geeigneter Pro­jek­te, und zwar in Kolumbi­en selb­st aber auch in Deutsch­land (Außen­per­spek­tive). In den bei­den bish­eri­gen Tre­f­fen wurde zu bei­den Punk­ten eine Rei­he von Vorschlä­gen disku­tiert, über die noch nicht abschließend entsch­ieden wurde. Weit­ere Vorschläge wer­den zur Zeit gesammelt. 

Innen- und Außen­per­spek­tive wollen wir in jed­er unser­er Sitzung miteinan­der verbinden. D.h. wir begin­nen die Sitzun­gen des Arbeit­skreis­es mit der Reflex­ion eines bes­timmten The­mas, das mit der gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion in direk­tem oder indi­rek­tem Zusam­men­hang ste­ht (30 bis 45 Minuten). Hierzu wird jew­eils von einem Arbeistkreis­mit­glied ein kurzes Impul­srefer­at vor­bere­it­et. Eine Liste von poten­ziellen The­men, die sukzes­sive abgear­beit­et wer­den sollen, wurde erstellt. Diese Liste ist aber weit­er­hin offen für neue Vorschläge. Bei unserem zweit­en Tre­f­fen am 28. Novem­ber began­nen wir mit einem kurzen Abriss der Geschichte des Kon­flik­tes (seit 1948). Unser näch­stes Tre­f­fen wird sich mit dem Ansatz der “Friedenslogik” im Zusam­men­hang mit Kon­flik­t­präven­tion und Kon­flik­t­bear­beitung befassen.

Kom­mentare zum kolumbian­is­chen Kon­flikt, zum Frieden­sprozess, zur Gesellschaft, zur Geschichte sowie die Beschrei­bung per­sön­lich­er Ein­drücke find­en sich auch im Kolumbian­is­chen Tage­buch.

Veranstaltungsreihe Kolumbien (V): »Chocó — Eine kolumbianische Region im Schatten der Globalisierung« (21.05.2015)

Wenig beachtet von der Öffentlichkeit und den inter­na­tionalen Medi­en find­et im Chocó, ein­er im paz­i­fis­chen Küs­ten­tiefland liegen­den Region Kolumbi­ens, eine Auseinan­der­set­zung um die Autonomie der bäuer­lichen Gemein­den und um die dro­hende Zer­störung der natür­lichen Lebens­grund­la­gen der ansäs­si­gen Bevölkerung statt. Eine Auseinan­der­set­zung, die uns alle ange­ht. Denn: Der tro­pis­che Regen­wald des Chocó ist eine der wasser­re­ich­sten Gegen­den der Welt. Auf 46.500 km² Fläche befind­et sich eine Pflanzen- und Tier­welt, die an Vielfalt und Schön­heit einzi­gar­tig ist. Der Natur­park Katios am Río Atra­to wurde von der UNESCO zum Naturerbe der Men­schheit ernan­nt. Seine Erhal­tung ste­ht exem­plar­isch für den Schutz der Natur in allen Teilen unser­er Erde. Unsere 5. Kolumbi­en-Ver­anstal­tung fand wieder mit wieder Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz von dem “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Dep. Choco, Kolumbi­en, die wir auch schon bei den drei voraus­ge­gan­genen Ver­anstal­tun­gen zu Gast hat­ten. Die Ver­anstal­tung fand am 21. Mai 2015 in der “Alten Kaplanei” der Pfar­rei Sankt Sebas­t­ian in Bonn-Pop­pels­dorf, Ster­nen­burgstraße 27, statt.

Zum Down­load der Veranstaltungsankündigung:
Fly­er der Ver­anstal­tung in Bonn am 21. Mai 2015

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Veranstaltungsreihe Kolumbien (IV): »Kolumbien wehrt sich
gegen Naturzerstörung« (10.10.2013)

Unsere 4. Kolumbi­en-Ver­anstal­tung befasste sich mit den aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen des Jahres 2013 in dem südamerikanis­chen Land, vor allem mit dem wach­senden Wider­stand gegen die Umweltzer­störung und den Protesten der Land­bevölkerung gegen ihre zunehmende Ver­ar­mung auf­grund von Bil­ligim­porten und Frei­han­delsabkom­men. Diese Auseinan­der­set­zun­gen haben sich in den let­zten Monat­en auf mehrere Regio­nen Kolumbi­ens aus­gedehnt. Unsere Diskus­sion beyog sich beispiel­haft auf die Region Choco, wo die Gold­mi­ne­naus­beu­tung Boden und Regen­wald zer­stört und damit auch die Lebens­grund­la­gen der Afro- und indi­ge­nen Bevölkerung bedro­ht. Als Ref­er­enten kon­nten wir wieder Ulrich Koll­witz und Ursu­la Holzapfel, von dem “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Dep. Choco, Kolumbi­en, gewin­nen, deren ken­nt­nis­re­iche und detail­lierte Beschrei­bung der Prob­leme uns bere­its bei den bei­den ver­gan­genen Ver­anstal­tun­gen begeis­tert hat. Für ihre Arbeit im Depar­ta­ment Chocó waren bei­de im Jahre 2007 mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz aus­geze­ich­net worden.

Die Ver­anstal­tung fand in Koop­er­a­tion mit der Infor­ma­tion­sstelle Lateinameri­ka (ILA) und dem Ibero Club Bonn statt. Don­ner­stag, den 10. Okto­ber 2013, 19:00 Uhr; Ort: Kapi­tel­saal der Katholis­chen Hochschul­ge­meinde Bonn/Sankt Remigius, Brüder­gasse 8, Bonn. Lage­plan Sankt Remigius 

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choco_nachher

Regen­wald im Choco: vor und nach dem ille­galen Goldabbau

Veranstaltungsreihe Kolumbien (III):
Deutsch-Kolumbianische Theaterproduktion:
»Wiedergutmachung — Innehalten um weitergehen zu können.
Eine lebendige Ausstellung« (6.6.2013)

Nach mehr als 50 Jahren Bürg­erkrieg in Kolumbi­en find­en seit eini­gen Monat­en Friedensver­hand­lun­gen statt. Was es heißt, in diesem zer­ris­se­nen Land von Gerechtigkeit und Wiedergut­machung zu sprechen, brin­gen die Kün­stler des the­ater­päd­a­gogis­chen Pro­jek­ts des Zivilen Friedens­di­en­stes (Arbeits­ge­mein­schaft für Entwick­lung­shil­fe e.V. (AGEH)), der “Cor­po­ración Juridi­ca Lib­er­tad” und des Kollek­tivs “Bar­racu­da Carmela” in ein­er mul­ti­me­di­alen Insze­nierung zum Aus­druck. In dem The­ater­stück treten die Kün­stler Inge Kleut­gens, Catali­na Med­i­na und Felipe Ver­gara als “lebende Bilder” in einen Dia­log mit den Werken des kolumbian­is­chen Malers Sanchez Caballero auf. Sie lei­hen den Bildern ihre Kör­p­er und ihre Stim­men. Das Stück ver­mit­telt eine andere Form der Reflex­ion des gegen­wär­ti­gen sozialen und poli­tis­chen Kon­flik­ts in Kolumbi­en. Es wird in spanis­ch­er und deutsch­er Sprache aufge­führt. Spanis­che Texte wer­den ins Deutsche über­set­zt. Details zu der Ver­anstal­tung lassen sich hier im Fly­er. nachlesen.

Ver­anstal­ter sind das Inter­na­tionale Frauen­zen­trum Bonn und die terre des hommes Gruppe/Bonn in Koop­er­a­tion mit dem Bon­ner Net­zw­erk für Entwick­lung, dem Ibero-Club Bonn e.V., der Deutschen Gesellschaft für Inter­na­tionale Zusam­me­nar­beit (GIZ) GmbH, dem Frauen­net­zw­erk für Frieden, dem Lateinameri­ka Zen­trum Bonn, der Infor­ma­tion­sstelle Lateinameri­ka (ILA), der Amnesty Inter­na­tion­al Hochschul­gruppe Bonn und dem Vere­in Wis­senskul­turen e.V. Die The­ater­tournee wird gefördert von: Brot für die Welt, Mis­ere­or und der AGEH.

Zum Down­load:
Fly­er der Ver­anstal­tung in Bonn am 6. Juni 2013

Veranstaltungsreihe Kolumbien (II): »Der Kampf um die
Selbstbehauptung der indigenen und afrokolumbianischen
Bevölkerung im Chocó« (6.6.2012)

Ver­anstal­tung mit Ulrich Koll­witz und Ursu­la Holzapfel, “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Kolumbi­en, die über die Auseinan­der­set­zun­gen um Selb­st­be­haup­tung und Men­schen­rechte im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Chocó berichteten. (Mittwoch, den 6. Juni 2012, Räu­men des Haus­es Migrapo­lis, Brüder­gasse 16–18 , 53111 Bonn)

Wie bere­its auf unser­er ersten Ver­anstal­tung zu Kolumbi­en im Okto­ber 2010 aus­führlich dargestellt, ist die Sit­u­a­tion im Chocó seit vie­len Jahren durch Zer­störung der Umwelt, zunehmende poli­tis­che Kor­rup­tion sowie ständi­ge Gewalt von Paramil­itärs, reg­ulär­er Armee und Gueril­la gegen die haupt­säch­lich afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Gemein­schaften geprägt. Die Diözese Quib­dó und die NGO Human Rights Every­where führen seit Jahren Pro­jek­te zur Unter­stützung der Selb­st­be­haup­tung dieser Gemein­schaften auf kollek­tiv­en Landbe­sitz und zur Vertei­di­gung ele­mentar­er Men­schen­rechte durch und ver­fü­gen deshalb über erstk­las­sige Infor­ma­tio­nen über die dor­tige Sit­u­a­tion. Mit unser­er Ver­anstal­tung wollen wir über die Sit­u­a­tion im Chocó informieren und das Engage­ment der Men­schen in diesen Pro­jek­ten unter­stützen. Als Ref­er­enten unser­er Infor­ma­tions- und Sol­i­dar­itätsver­anstal­tung kon­nten wir wieder — wie schon vor anderthalb Jahren — Ulrich Koll­witz, den Vertreter der Diözese, gewin­nen,  die bei­de in lebendi­ger Weise über Land, Men­schen und den Kampf für soziale Gerechtigkeit berichteten.

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Veranstaltungsreihe Kolumbien (I): »Choco — Der Kampf um die Menschenrechte in Kolumbien« (25.10.2010)

Dieser Vor­trag von Ulrich Koll­witz, “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Kolumbi­en, war der Auf­takt zu ein­er Rei­he von Ver­anstal­tun­gen zum The­men­schw­er­punkt “Kolumbi­en”, die wir in den fol­gen­den Jahren in los­er Rei­hen­folge durch­führen. Ulrich Koll­witz berichtete über die Sit­u­a­tion der Men­schen­rechte in Kolumbi­en und die Arbeit der Equipo Misionero im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Chocó. (Mon­tag, den 25. Okto­ber 2010, im Bon­ner Insti­tut für Migra­tions­forschung und Interkul­turelles Ler­nen (BIM) e.V., Thomas-Mann-Str. 1, 53111 Bonn)

Im Depar­ta­men­to Chocó, im kolumbian­is­chen Regen­wald zwis­chen Paz­i­fik- und Atlantik im Nor­den Südamerikas gele­gen, haben Megapro­jek­te der kolumbian­is­chen Regierung und nor­damerikanis­ch­er Inter­es­sen­grup­pen zu mas­siv­en sozialen Auseinan­der­set­zun­gen, begleit­et von Land­vertrei­bung und Ver­ar­mung der ansäs­si­gen afro-kolumbian­is­chen und indi­ge­nen Gemein­schaften geführt. Paramil­itärische Grup­pen, die teil­weise offen von den reg­ulären Stre­itkräften unter­stützt wer­den, und linke Gueril­la­grup­pen liefern sich eine erbit­terte mil­itärische Auseinan­der­set­zung, unter der vor allem die Zivil­bevölkerung zu lei­den hat. Einige Gemein­schaften ver­suchen sich gegen diese Spi­rale der Gewalt zur Wehr zu set­zen. Sie ver­suchen, durch sol­i­darisches Han­deln die sozialen und gesellschaftlichen Bedin­gun­gen für ein selb­st­bes­timmtes Leben in Frieden und Frei­heit zu entwick­eln. In seinem beein­druck­enden Vor­trag, der von vie­len Fotos der Land­schaft und des sozialen Lebens in dieser imponieren­den Region unter­stützt wurde, berichtete Ulrich Koll­witz von diesem Ver­suchen und wie die “Equipo Misionero Vida Jus­ti­cia y Paz” die Gemein­schaften in ihrem Über­leben­skampf zu unterstützen.

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