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Bonner Friedenswoche: Frieden und Wahrheit — Kolumbien

Im Rah­men der Bon­ner Frieden­stage, die vom 31. Agust bis 30. Sepet­mebr 2021 stat­tfind­en, laden wir, das »Zen­trum für Wis­senskul­turen«, das Kollek­tiv »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, »KOLKO — Men­schen­rechte für Kolumbi­en e.V.« und der für Deutsch­land zuständi­ge Net­z­knoten der kolumbian­is­chen Wahrheit­skom­mis­sion (Nodo Ale­ma­nia) Sie zu ein­er Ver­anstal­tung (Online-Vor­trag und Diskus­sion) ein zum Thema:

Frieden und Wahrheit: Kolumbianische Diaspora in Deutschland

Mittwoch, den 29.09.21, 18:30 Uhr, via Zoom
Ver­anstal­ter: »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« in Zusam­me­nar­beit mit »KOLKO — Men­schen­rechte für Kolumbi­en e.V.« und der kolumbian­is­chen Wahrheit­skom­mis­sion (Nodo Alemania)

Das Sys­tem der Über­gangsjus­tiz in Kolumbi­en, das mit dem 2016 unterze­ich­neten Frieden­sprozess zwis­chen der FARC-Guer­ril­la und der kolumbian­is­chen Regierung geschaf­fen wurde, umfasst unter anderem eine Wahrheit­skom­mis­sion. Diese Ein­rich­tung hat die Opfer, Täter:innen und Zeug:innen des kolumbian­is­chen Kon­flik­ts – auch im Exil – ange­hört. Sie hat die Auf­gabe zu unter­suchen, was passiert ist, warum, wie es sich auf die jew­eili­gen Gemein­schaften aus­gewirkt hat. Außer­dem entwick­elt sie Vorschläge, was getan wer­den muss, um ein­er Wieder­hol­ung vorzubeu­gen. Die Ergeb­nisse und Schlussfol­gerun­gen wer­den noch in diesem Jahr in einem Bericht vorgestellt. 

In Deutsch­land wird die Kom­mis­sion durch eine Arbeits­gruppe »Nodo Ale­ma­nia« unter­stützt. Jua­na Cor­ral und Chris­tiane Schwarz, zwei ihrer Mit­glieder wer­den uns von dieser außergewöhn­lichen Erfahrung berichten.

Um Anmel­dung wird bis zum 27. Sep­tem­ber 2021 gebeten unter: colpaznrw@riseup.net
Die Zugangs­dat­en erhal­ten Sie per Mail am 28. Sep­tem­ber 2021 

Das voll­ständi­ge Pro­gramm der Bon­ner Frieden­stage ist hier abruf­bar: pzkb.de/bonner-friedenstage.de

Gewaltexzesse durch Polizei
bei Protestaktionen in Kolumbien

»Apoye­mos el dere­cho de sol­da­dos y pocí­cia de uti­lizar sus armas para defend­er su inte­gri­dad y para defend­er a las per­sonas y bienes …« (»Unter­stützen wir das Recht der Sol­dat­en und Polizei, ihre Waf­fen zu benutzen, um ihre Integrität zu vertei­di­gen und um Men­schen und Eigen­tum zu schützen …«). Mit diesem Twit­ter — der mit­tler­weile gelöscht wurde — hat Expres­i­dent und ultra­rechter Scharf­mach­er des »Cen­tro Demo­c­ra­ti­co« Alvaro Uribe gehörig Öl in die Flam­men deŕ Auseinan­der­set­zun­gen um den nationalen Streik vom Mittwoch ver­gan­gener Woche, dem 28. April 2021, gegossen. Und diese Flam­men loderten hoch.

Am 28. April sind Tausende von Kolumbian­ern in allen Städten des Lan­des auf die Straße gegan­gen, um gegen eine von der Regierung Duque geplante Steuer­reform zu protestieren. Eine Steuer­reform, die vor allem diejeni­gen Bere­iche bet­rifft, denen sich — wie die Mehrw­ert­s­teuer auf Lebens­mit­tel — nie­mand entziehen kann, ins­beson­dere nicht diejeni­gen, die nahezu ihr gesamtes Einkom­men für Grund­nahrungsmit­tel aus­geben müssen. Und diese Steuer­reform sollte mit­ten in der Pan­demie durchge­set­zt wer­den, in ein­er Zeit also, die großen Teilen der Bevölkerung ihre Lebens­grund­la­gen zer­stört hat.

Die Proteste ver­liefen zunächst größ­ten­teils friedlich (zum Teil aus­ge­lassen, wie dieses Video zeigt), wur­den dann jedoch von ein­er Ran­dale provozieren­den Min­der­heit zu van­dal­is­tis­chen Aktio­nen aus­genutzt. Ob hier wieder — wie bei ver­gan­genen Demon­stra­tio­nen nachgewiesen wer­den kon­nte — Agents Provo­ca­teurs im Spiel waren, lässt sich im Moment nicht sagen. Klar ist aber, dass die Polizei mit unver­hält­nis­mäßiger Gewal­tan­wen­dung ein­griff und sich nicht davor scheute, Demon­tra­tionsteil­nehmern tödliche Ver­let­zun­gen beizubrin­gen, wie das hier ver­link­te Video, dass über Twit­ter veröf­fentlicht wor­den war, zeigt, wie ein gepanz­ert­er Wagen der Polizei rück­sicht­los in die Men­schen­menge hineinrast: 

Auch von der Schuss­waffe wurde grund­los Gebrauch gemacht, wie viele Videoauf­nah­men in den sozialen Medi­en zeigen; in beson­ders extremer Weise das hier gezeigte Video, das den Ein­druck ein­er öffentlichen Hin­rich­tung vermittelt.

Zu bekla­gen sind min­destens 26 Tote, mehr als 400 ver­let­zte, zum Teil ver­stümelte Men­schen. 700 Per­so­n­en wur­den ver­haftet. Über­liefert sind Gewal­tan­wen­dun­gen gegenüber den Ver­hafteten, 10 Frauen berichteten von Verge­wal­ti­gun­gen, min­destens 56 Häftlinge sind seit Tagen ver­schwun­den und die Polizei gibt keine Auskün­fte über ihren Verbleib. Außer­dem wur­den zahlre­iche willkür­liche Haus­durch­suchun­gen durchgeführt.

Die sozialen Medi­en waren in den let­zten Tagen voll von ersck­reck­enden Bericht­en, Fotos und Videos. Viele sind mit­tler­weile gelöscht wor­den. Das rück­sicht­slose Vorge­hen der staatlichen Sicher­heit­skräfte hat sowohl die UNO als auch die Europäis­che Union zu Protest­noten ver­an­lasst. So twit­tert UNHCR heute: “We are deeply alarmed at devel­op­ments in the city of #Cali in #Colom­bia overnight, where police opened fire on demon­stra­tors protest­ing against tax reforms, report­ed­ly killing & injur­ing a num­ber of peo­ple. State author­i­ties must pro­tect human rights”.

Dass die Regierung Duque, vor zwei Tagen die Steuer­reform­pläne zurück­ge­zo­gen hat, scheint im Angesichts der fürchter­lichen Ereignisse der let­zten Tage und der immer ersck­reck­enderen­den Men­schrecht­slage in Kolumbi­en nur noch eine Rand­no­tiz zu sein.

Angesichts der sich zus­pitzen­den Sit­u­a­tion wird für Fre­itag, den 7. Mai 2021 zu ein­er Kundge­bung aufgerufen:

  • Zeit­punkt: Fre­itag, 7. Mai 2021 um 14 Uhr 
  • Ort: Bonn, Platz der Vere­in­ten Nationen 

Ehre wem Ehre gebührt?
Eine Veranstaltung der Initiative zur
Umbenennung des Hindenburgplatzes
anlässlich des »Tages von Potsdam« 1933

Der 21. März 1933 ist der Tag, an dem der dama­lige Reich­spräsi­dent Hin­den­burg und der von ihm berufene Reich­skan­zler Adolf Hitler ihr Bünd­nis zur voll­ständi­gen Zer­störung der Weimar­er Demokratie und zur Stärkung der Nazidik­tatur mit mil­itärischem Pomp sym­bol­isch besiegelten.

Die Ver­anstal­tung zur kri­tis­chen Erin­nerung an diesen Tag wird von »Wis­senskul­turen e.V.« und der
»Ini­tia­tive zur Umbe­nen­nung von Hin­den­burg­platz und Hin­den­burg-Allee in Bonn« organ­isiert und find­et statt am 

Samstag, 20. März 2021 von 15.00 bis 17.00 Uhr 

Die Ver­anstal­tung find­et als Online-Work­shop statt. Bitte melden Sie sich als Teilnehmer*in über info@wissenskulturen.de an. Sie erhal­ten rechtzeit­ig vor Beginn des Work­shops den Link zur Einwahl.

Im Work­shop wollen wir einen offe­nen Dia­log über die Rolle des Reich­spräsi­den­ten und die Bedeu­tung des „Tages von Pots­dam“ sowie die in unserem Bürg­er-Antrag for­mulierte Forderung zur Umbe­nen­nung der genan­nten Verkehr­swege in Bonn führen.

Repräsentant*innen der im Bon­ner Stad­trat vertrete­nen Parteien und Mit­glieder der Ini­tia­tive wer­den ihre Posi­tio­nen durch State­ments bzw. Refer­ate erläutern. Eine audio­vi­suelle Ein­führung zur aktuellen Kam­pagne in Form eines Kurz­films wird die Ver­anstal­tung eröff­nen. Die Ober­bürg­er­meis­terin der Stadt Bonn, Kat­ja Dörn­er, wird ein Gruß­wort sprechen. Die Mod­er­a­tion übern­immt Prof. Dr. Gre­gor Büchel.










Hin­ter­grund­ma­te­r­i­al zu dem Bürg­er­antrag ist als Down­load verfügbar:

Dritte Veranstaltung zum »extraktivistischen
Entwicklungsmodell« in Kolumbien

Als dritte Ver­anstal­tung im Rah­men unser­er Rei­he zum »kolumbian­is­chen Frieden­sprozess im Kon­text eines extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsmod­ells« wird am

Mittwoch, den 17.03.21, 19:30 Uhr – 21:30 Uhr

eine weit­ere Online-Diskus­sionsver­anstal­tung in Koop­er­a­tion mit der kolumbian­is­chen Stiftung »Fun­dación Capac­i­tar« stattfinden.

»Indigene Gemeinschaften, Menschenrechte und das Entwicklungsmodell
im aktuellen Friedensprozess in Kolumbien«

Mit unseren Gästen

  • Fany Kuiru Cas­tro: Pueblo Uito­to. Recht­san­wältin, Koor­di­na­torin für Frauen, Jugend, Kind­heit und Fam­i­lie bei OPIAC (Orga­ni­zación Nacional de los Pueb­los Indí­ge­nas de la Ama­zo­nia Colom­biana). Delegierte der Nationalen Kom­mis­sion indi­gen­er Frauen im Komi­tee für die Evaluierung von Risiken und Maß­nah­men für geschützte Per­so­n­en – CERREM. Mit­glied der Nationalen Kom­mis­sion für indi­gene Frauen – CNMI.
  • Mama Rosario Chi­cunque: Pueblo Kamentsá, Koor­di­na­torin der indi­ge­nen Frauenor­gan­i­sa­tion für tra­di­tionelle Medi­zin, ASOMI (Aso­ciación de Mujeres Indí­ge­nas de la Med­i­c­i­na Tradi­cional “Cha­gra de la Vida”) aus der Region Putumayo.
  • Tai­ta Juan Fran­cis­co Mue­las: Pueblo Mis­ak-Guam­bia. Indi­gen­er Rat der Guam­bianos aus der Region Cau­ca mit langjähriger Erfahrung in der Vertei­di­gung der Men­schen­rechte und der indi­ge­nen Lokalverwaltung.

Mod­er­a­tion:

  • Daniel Tor­res (COLPAZ — Frieden für Kolumbien)
  • Nicolás Bermúdez (Fun­dación Capacitar)

Die ver­schiede­nen Regio­nen in Kolumbi­en haben ihre eige­nen Charak­ter­is­ti­ka in Bezug auf die Kul­tur, die Geschichte der indi­ge­nen Völk­er und ihre Ter­ri­to­rien mit ein­er hohen Bio­di­ver­sität und natür­lichen Ressourcen. Gle­ichzeit­ig sind sie geprägt von bewaffneten und ökol­o­gis­chen Kon­flik­ten, bedro­ht durch ein vom Extrak­tivis­mus geprägtes Wirtschaftsmod­ell. Anhand konkreter Beispiele wer­den die Referent*innen aktuelle Ein­blicke in die Sit­u­a­tion im Ama­zonas­ge­bi­et, in Putu­mayo in der Gren­zre­gion zu Ecuador und in Cau­ca in der süd­west­liche Anden­re­gion geben.

Mit dieser Ver­anstal­tung wollen wir die Sit­u­a­tion dieser drei Regio­nen inmit­ten des neu kon­fig­uri­erten gewaltvollen Kon­flik­ts mit ein­er prekären Men­schen­rechtssi­t­u­a­tion und der anhal­tenden Pan­demie von COVID 19 sicht­bar machen. Dabei wer­den wir auch die ver­schiede­nen Strate­gien, die zur Vertei­di­gung der gemein­schaftlichen Ter­ri­to­rien und der Bevölkerung unter­nom­men wer­den und die alter­na­tiv­en Vorschläge für ein men­schen­würdi­ges Leben und Frieden kennenlernen.

Die Ver­anstal­tung find­et auf Spanisch und Deutsch statt. Die Beiträge wer­den simul­tan übersetzt.
Um Anmel­dung wird bis zum 16.3.2021 gebeten unter: colpaz@riseup.net
Die Zugangs­dat­en erhal­ten Sie per Mail am 16.03.21

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.«, der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« und die kolumbian­is­che Stiftung »Fun­dación Capac­i­tar« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn«.

Logo Fundacion Capacitar

Logo der Stadt Bonn

Zweite Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe zum
»extraktivistischen Entwicklungsmodell« in Kolumbien

Als zweite Ver­anstal­tung im Rah­men unser­er Rei­he zum »kolumbian­is­chen Frieden­sprozess im Kon­text eines extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsmod­ells« ver­anstal­ten WISSENSKULTUREN und COLPAZ eine Diskus­sionsver­anstal­tung zum The­ma »Organ­i­sa­tions- und Wider­stand­sprozesse der afrokolumbian­is­chen Gemein­den«. Anhand konkreter Fälle wer­den die Ref­er­enten einen aktuellen Überblick über die Sit­u­a­tion geben sowie sich zu ver­schiede­nen Strate­gien der Vertei­di­gung der afrokolumbian­is­chen Bevölkerung und ihrer gemein­schaftlichen Ter­ri­to­rien äußern. Außer­dem wer­den die von den afrokolumbian­is­chen Gemein­den entwick­el­ten alter­na­tiv­en Vorschläge für ein men­schen­würdi­ges Leben und einen dauer­haften Frieden vorgestellt.

Datum: 2. März 2021, von 18:15 bis 20:15 Uhr

Coro­n­abe­d­ingt han­delt es sich um eine Online-Ver­anstal­tung in Form eines Pan­els, zu der Expert*innen afrokolumbian­is­ch­er Gemein­den aus Kolumbi­en zugeschal­tet sein werden. 

Referent*innen

  • Fran­cia Márquez Mina: Anwältin und Anführerin im Bere­ich Soziales und Umwelt. Gold­man-Umwelt­preis 2018, Nationale Ausze­ich­nung als Men­schen­rechtsvertei­di­gerin 2018, Präsi­dentin des »Comité del Con­se­jo Nacional de Paz, Rec­on­cil­iación, Con­viven­cia y No Estigma­ti­zación« (Kom­mi­tee des Nationalen Rates für Frieden, Ver­söh­nung, Koex­is­tenz und Nicht-Stigmatisierung).
  • Alfon­so Cas­siani Her­rera: Palen­quero, His­torik­er und Dozent der Sozial­wis­senschaften. Mas­ter-Abschluss in Geschichte, Rek­tor des »Eth­noin­sti­tuts Anto­nia San­tos« und Mit­glied des »Pro­ce­so de Comu­nidades Negras«.

Mod­er­a­tion:

  • Johana Cate­ri­na Man­til­la Oliv­eros: MA in Anthro­polo­gie und Pro­mo­tion in Geschichte an der Uni­ver­sität Köln 

Die Ver­anstal­tung find­et auf Spanisch und Deutsch statt. Die Beiträge wer­den simul­tan übersetzt.
Um Anmel­dung wird bis zum 1.3.2021 gebeten unter: colpaz@riseup.net
Die Zugangs­dat­en erhal­ten Sie per Mail am 02.03.21

Die dritte Ver­anstal­tung im Rah­men unser­er Rei­he zum Extrak­tivis­mus in Kolumbi­en wird am 17. März 2021 (19:20 bis 21:20 h) stat­tfind­en. Dann wird es um die Frage der indi­ge­nen Gemein­schaften gehen. Über ihre Sit­u­a­tion und ihre Alter­na­tivvorstel­lun­gen zu dem gegen­wär­tig dominieren­den extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsweg Kolumbi­ens wer­den wir mit drei aus Kolumbi­en zugeschal­teten Vertretern ver­schieden­er indi­gen­er Völk­er aus unter­schiedlichen Regio­nen sprechen. Details wer­den wir in Kürze hier bekan­nt­geben. Auch diese Ver­anstal­tung wird Spanisch-Deutsch simul­tan übersetzt.

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn«. 

Logo der Stadt Bonn

Bonn will den Mann nicht, der Hitler
am 30. Januar 1933 zum Kanzler machte!

Im Rah­men ein­er Mah­nwache haben Mit­glieder der Ini­tia­tive zur Umbe­nen­nung des Hin­den­burg­platzes und der Hin­den­bur­gallee in Bonn vor dem Alten Rathaus an die Ernen­nung Hitlers zum Reich­skan­zler am 30. Jan­u­ar 1933 durch Hin­den­burg und dessen Ver­ant­wor­tung für die Errich­tung der nation­al­sozial­is­tis­chen Gewaltherrschaft erin­nert. Die Kundge­bung bildete den Auf­takt weit­er­er Aktio­nen, die für das Früh­jahr 2021 geplant sind und die den an den Stad­trat gerichteten Bürg­er­antrag zur Umbe­nen­nung der o.g. Orte begleit­en wer­den. Über den Bürg­er­antrag hat­ten wir am 3. Juni 2020 in unserem Artikel Es wird endlich Zeit: Bonn muss sein Stadt­bild von Hin­den­burg befreien berichtet. 

Geplant sind weit­ere Ver­anstal­tun­gen und Aktio­nen an geschichtlich bedeut­samen Tagen, die die Rolle Hin­den­burgs bei Auf­bau und Fes­ti­gung der NS-Dik­tatur kri­tisch in den Blick nehmen:

  • Sam­stag, 20.3.2021, find­et ein (Online-)Workshop zur Frage der Ver­ant­wor­tung Hin­den­burgs zur Errich­tung der nation­al­sozial­is­tis­chen Gewaltherrschaft statt (15 — 17 Uhr), 
  • Mittwoch, 31.3.2021 ist eine sym­bol­is­che Umbe­nen­nung des Hin­den­burg­platzes im Rah­men ein­er Aktion vor Ort geplant.

Anmel­dung zum Work­shop unter »info|ät|wissenskulturen|dot|de«.

Der volle Wort­laut des Bürg­er­antrags sowie weit­eres Mate­r­i­al zum Download: 

Trauer über den Mord an Fredman Arturo Herazo Padilla

Mit Entset­zen und Trauer haben wir von der Ermor­dung von Fred­man Arturo Her­a­zo Padil­la, Führungsper­sön­lichkeit und Kul­tur­man­ag­er der Gemeinde San Basilio de Palenque, Boli­var, erfahren. Die Tat ereignete sich am 15. Jan­u­ar im Dorf Puente San Jorge in der Gemeinde La Aparta­da, im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Cor­do­ba. Fred­man Her­a­zo Padil­la, His­torik­er und Jurist von Beruf, war seit mehreren Jahren Berater in eth­nisch-rechtlichen Prozessen sowie bei der Bil­dung von Gemein­schaft­sräten in Gemein­den afrikanis­ch­er Abstam­mung, sowohl in der Region Montes de Maria ein­er Region im Gren­zge­bi­et der bei­den kolumbian­is­chen Depar­ta­men­tos Boli­var und Sucre, sowie im angren­zen­den Depar­ta­men­to Cor­do­ba. All dies geschah im Rah­men der Anwend­barkeit und Durch­set­zung der gel­tenden Geset­ze für schwarze Gemein­den, wie sie in der kolumbian­is­chen Nation­alver­fas­sung vorge­se­hen sind. 

Der abscheuliche Mord an Fred­man Her­a­zo ist lei­der Teil ein­er lan­gen Kette von Gewalt­tat­en und wiederkehren­den Men­schen­rechtsver­let­zun­gen auf dem kolumbian­is­chen Staats­ge­bi­et. Nach Angaben des Insti­tu­to de Estu­dios para el Desar­rol­lo y la Paz (INDEPAZ) wur­den seit der Unterze­ich­nung des Friedens­abkom­mens im Jahr 2016 bis Ende 2020 in ver­schiede­nen Depar­ta­men­tos des Lan­des 1000 (ein­tausend) Führungsper­sön­lichkeit­en zivilge­sellschaftlich­er Grup­pen, Umweltschützer, Men­schen­rechtsvertei­di­ger und Per­so­n­en, die dabei waren, sich nach dem Friedensver­trag des Jahres 2016 in das soziale Leben zu rein­te­gri­eren, ermordet. Bere­its in diesem noch sehr kurzen Jahr (2021) wur­den fünf Mas­sak­er (d.h. an min­desten drei oder mehr Per­so­n­en) verübt sowie durch­schnit­tlich ein Mord täglich. Laut der »Comisión Inter­amer­i­cana de Dere­chos Humanos (CIDH)« han­delt es sich bei dem größten Teil der bish­er berichteten Fälle vor allem um Men­schen, die “[…] irgen­deine kom­mu­nale Führungsrolle ausüben, wie z.B. die Mit­glied­schaft in der »Jun­ta de Acción Comu­nal (JAC ihrer Gemeinde oder um Repräsen­tan­ten indi­gen­er oder afrokolumbian­is­ch­er Grup­pen.” ( Comu­ni­ca­do de Pren­sa No.174/20. Comisión Inter­amer­i­cana de Dere­chos Humanos, CIDH.)

Laut dem im Dezem­ber 2020 von INDEPAZ vorgelegten Bericht waren 86,8 % der ermorde­ten sozialen Führungsper­sön­lichkeit­en und Men­schen­rechtsvertei­di­ger Män­ner und 13,2 % Frauen. 29,1 % der Tötungs­de­lik­te ereigneten sich in städtis­chen Bere­ichen, während 70,9 % der Tötungs­de­lik­te in ländlichen Sek­toren des Lan­des stat­tfan­den. Diese erschreck­enden Zahlen zeigen die direk­ten Auswirkun­gen der bewaffneten und gewalt­samen Aktio­nen gegen die Zivil­bevölkerung und gegen die volle Ausübung ihrer poli­tis­chen, sozialen und kul­turellen Rechte, ins­beson­dere im ländlichen Kolumbi­en. Eine genauere Betra­ch­tung zeigt, dass 37,6 % dieser Morde gegen die indi­gene Bevölkerung, 10,1 % gegen die Bevölkerung afrikanis­ch­er Abstam­mung und 52,1 % gegen die Land­bevölkerung im All­ge­meinen began­gen wurden.

Dieses drama­tis­che Bild zeigt, dass der Kampf für einen gerecht­en Zugang zu Land — der ja im Wesentlichen nichts anderes ist als die Vertei­di­gung anges­tammter Ter­ri­to­rien indi­gen­er, afro-deszen­den­ter und bäuer­lich­er Gemein­schaften gegen einen aggres­siv­en Lan­draub — nach wie vor eines der wesentlichen Fak­toren der poli­tis­chen Auseinan­der­set­zung in Kolumbi­en ist. Große Land­striche wur­den in den let­zten Jahrzehn­ten gewalt­sam durch die Vertrei­bung von Bauern­fam­i­lien in agroin­dus­trielle Pro­jek­te, Viehzucht, Berg­bau oder pri­vate Brach­flächen von Gruß­grundbe­sitzern über­führt [Vgl. Gonzáles Pos­so, Cami­lo (2017): El fomen­to del Macro­fun­dio como mod­e­lo rur­al]. Unter diesen Bedin­gun­gen ist die Ein­forderung der ver­fas­sungsmäßi­gen Rechte, wie z.B. die Schaf­fung von Gemein­deräten und klein­bäuer­lichen Bio-Reser­vat­szo­nen [Reser­vas Campesinas y Bio­di­ver­si­dad], die Umset­zung des Geset­zes »1448« aus dem Jahr 2011 zur Rück­gabe ger­aubten Lan­des (»Ley 1448: Vic­ti­mas y Resti­tu­ción de Tier­ras«), sowie die Umset­zung der im Friedensver­trag von 2016 vere­in­barten Lan­dreform, zu ein­er äußerst schwieri­gen Auf­gabe gewor­den, die alle diejeni­gen, die sich dafür ein­set­zen, in unmit­tel­bare Lebens­ge­fahr bringt. 

In einem gemein­samen Aufruf von COLPAZ, Wis­senskul­turen und mehreren zivilge­sellschaftlichen Grup­pen, die sich in Deutsch­land für die Men­schen­rechte in Kolumbi­en ein­set­zen, wer­den die zuständi­gen Behör­den der nationalen Regierung Kolumbi­ens vehe­ment zur Aufk­lärung der Fak­ten aufge­fordert, sowohl im Fall der Ermor­dung von Fred­man Her­a­zo Padil­la, als auch im Fall der anderen Führungsper­sön­lichkeit­en zivilge­sellschaftlich­er Grup­pen, die zum Schweigen gebracht wur­den. Wir wieder­holen die Auf­forderung an den kolumbian­is­chen Staat, sein­er völk­er­rechtlichen und im »Acuer­do de Paz« von 2016 anerkan­nten Verpflich­tung nachzukom­men, die notwendi­gen Maß­nah­men zu ergreifen, um das Leben, die Unversehrtheit und die Sicher­heit der­jeni­gen zu garantieren, die täglich sich für die Bürg­er des Lan­des vor Ort ein­set­zen und den Schutz der kolumbian­is­chen Ver­fas­sung genießen. 

Kolumbien: Verhaftungsaktionen gegen
Menschenrechtsvertreter

Am sel­ben Tag, an dem die UN-Hochkom­mis­sarin für Men­schen­rechte in ein­er Pressemit­teilung die kolumbian­is­che Regierung mit Nach­druck dazu aufge­fordert hat, endlich konkrete Maß­nah­men gegen die mas­siv­en Men­schen­rechtsver­let­zun­gen gegenüber Bauern, Indi­ge­nen und Ange­höri­gen der afrokolumbian­is­chen Min­der­heit zu ergreifen, zeigt der Staat eine Reak­tion, die weltweit Befrem­den und Entset­zen aus­gelöst hat. 

Anstatt die Aktivist*innen der sozialen Bewe­gun­gen, gegen die Über­griffe von paramil­itärischen Kräften und bezahlten Killerkom­man­dos bess­er zu schützen, wurde gestern mit ein­er koor­dinierten Aktion zur Ver­haf­tung einiger ihrer Anführer begonnen. Besorgt fra­gen sich inter­na­tionale Men­schen­rechts­beobachter, ob dies nun der Auf­takt zu ein­er staatlichen Ver­fol­gungskam­pagne gegenüber oppo­si­tionellen Kräften ist, die von der rechts-kon­ser­v­a­tiv­en Regierung Duque krim­i­nal­isiert wer­den, in dem ihnen “Rebel­lion gegen den Staat” zur Last gelegt wird. ( El Espec­ta­dor, 16.12.2020; Colom­bia Infor­ma, 15.12.2020.)

Das Net­zw­erk »Red de Her­man­dad y Sol­i­dari­dad con Colom­bia (REDHER)« informierte gestern über die Ver­haf­tun­gen von zwei ihrer Mit­glieder, TEOÓFILO ACUÑA und ADELSO GALLO, Sprech­er des Bünd­niss­es »Cum­bre Agraria Campesina Étni­ca y Pop­u­lar«, am 15. Dezem­ber 2020. Zudem wurde ROBERT DAZA, ein Bauern­führer der CNA (Coor­di­nador Nacional Agrario) im Departe­ment Nar­iño, eben­falls in den frühen Mor­gen­stun­den des 16. Dezem­ber verhaftet.

Alle drei sind namhafte soziale Führungsper­sön­lichkeit­en, die in den let­zten zwanzig Jahren für die Men­schen­rechte in Kolumbi­en einge­treten sind. Adel­so Gal­lo hat­te bere­its vor eini­gen Jahren das Vorge­hen der transna­tionalen Konz­erne scharf kri­tis­ert, die unter­stützt von der Regierung dazu beitra­gen, »… die Ressourcen zu plün­dern, die Arten­vielfalt zu zer­stören und die Bevölkerung mit Bombe­nan­schlä­gen und Mas­sak­ern zu ter­ror­isieren. Die geisti­gen Urhe­ber wur­den nicht vor Gericht gestellt, geschweige denn von der kolumbian­is­chen Jus­tiz verurteilt. Diese Ver­brechen bleiben in völ­liger Straflosigkeit. Ein sozialer Aktivist, Gew­erkschafter oder Bauern­führer zu sein, ist gle­ichbe­deu­tend damit, eine Rebel­lion zu bege­hen und ein Ver­brech­er zu sein, und dies wird mit dem Leben bezahlt, wobei die mil­itärischen Kräfte einge­set­zt wer­den und not­falls auf Jus­tiz und Polizei zurück­ge­grif­f­en wird.” (Vgl. https://www.arcoiris.com.co/2014/08/multitudinario-homenaje-a-las-victimas-de-la-masacre-de-cano-seco/)

REDHER befürchtet, dass es sich bei der Ver­haf­tung um eine poli­tisch kon­stru­ierte Anklage han­delt, wie sie bere­its 2007 und 2011 gegenüber TEOÓFILO ACUÑA wegen sein­er prononcierten Rolle als soziale Führungsper­sön­lichkeit prak­tiziert wurde, dann aber von der Gen­er­al­staat­san­waltschaft jew­eils wieder zurückgenom­men wer­den musste. Deshalb fordert REDHER auch eine unab­hängige Unter­suchung darüber, inwieweit eine poli­tis­che Instru­men­tal­isierung der Ermit­tlungs- und Jus­tizbe­hör­den vor­liegt. Ins­beson­dere angesichts der Tat­sache, dass die vie­len Morde an Führungsper­sön­lichkeit­en sozialer Bewe­gun­gen in den let­zten Jahren eine so geringe Aufk­lärungsquote vorzuweisen haben.

In ein­er in spanis­ch­er, englis­ch­er und franzö­sis­ch­er Sprache ver­fassten Peti­tion bit­tet REDHER um rasche inter­na­tionale Unterstützung.

Neue Veranstaltungsreihe: Der kolumbianische Friedensprozess
im Kontext eines extraktivistischen Entwicklungsmodells

Am 17. Novem­ber starten COLPAZ und WISSENSKULTUREN eine vierteilige Ver­anstal­tungsrei­he, in der wir uns mit der Frage auseinan­der­set­zen wollen, welche Möglichkeit­en sich mit der von der gegen­wär­ti­gen Regierung betriebe­nen extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsstrate­gie für die Real­isierung des 2016 vere­in­barten Frieden­sprozess­es ergeben bzw. welche Gren­zen durch sie geset­zt werden.

Seit Abschluss des Friedensver­trages Ende 2016 wer­den weit­er­hin Men­schen von ihren Län­dereien ver­trieben und Vertreter*innen indi­gen­er und afrokolumbian­is­ch­er Gemein­schaften sowie soziale und Umweltaktivist*innen gezielt getötet. Die Gewalt gegen Gemein­de­vorste­her, soziale und Umweltaktivist*innen hat sich sog­ar ver­schärft. Die Gründe der erneuten Gewal­teskala­tion sind sehr vielfältig. Ein­er kön­nte in der von der Regierung betriebe­nen Pri­or­isierung eines extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsmod­ells liegen.

Während der Friedensver­hand­lun­gen in Havan­na wurde eine Debat­te zum Entwick­lungsmod­ell aus
nachvol­lziehbaren Grün­den aus­geklam­mert, was von vie­len zivilge­sellschaftlichen Grup­pen allerd­ings kri­tisiert wurde. Wir wollen in unser­er Ver­anstal­tungsrei­he dieses The­ma auf­greifen und dabei die These vom Extrak­tivis­mus als ange­blich zen­tralen Motor für gesellschaftliche Entwick­lung« (San­tos) in den Mit­telpunkt stellen. Im Aus­tausch zwis­chen Men­schen in und aus Kolumbi­en sowie Bon­ner Bürger*innen wollen wir dies erörtern. Zwei Kern­fra­gen ste­hen dabei im Mittelpunkt:

  1. Inwieweit unter­miniert das derzeit­ige Entwick­lungsmod­ell die Umset­zung des Friedens­abkom­mens und die Erre­ichung eines nach­halti­gen pos­i­tiv­en Friedens?
  2. Welche Poten­tiale und Ressourcen gibt es im Land und in der Bevölkerung für alter­na­tive soziale und wirtschaftliche Prozesse, die ein friedlich­es Zusam­men­leben ermöglichen?

Coro­n­abe­d­ingt wer­den alle vier Ver­anstal­tun­gen als Online-Ver­anstal­tun­gen stat­tfind­en. Wir beginnen

  • Dien­stag, den 17. Novem­ber 2020 (18:30 — 20:30 h) 
  • Ref­er­entin: Alexan­dra Bernal Par­do , Ökonomin und Poli­tik­wis­senschaft­lerin aus Bogotá, Fel­low am deutsch-kolumbian­is­chen Friedensin­sti­tut CAPAZ und Mit­glied der »Red Rodeemos el Diálogo«.
  • »Extrak­tivis­mus der natür­lichen Ressourcen und Kon­flikt. Das Beispiel Fer­ronick­el im Departe­ment Cór­do­ba (Kolumbi­en)«

Alexan­dra Bernal Par­do wird über die Sit­u­a­tion in der Gemeinde Mon­telíbano (Depar­ta­men­to Cór­do­ba) bericht­en, um zu zeigen, wie trotz des Friedens­abkom­mens der bewaffnete Kon­flikt in Kolumbi­en fortbeste­ht. Das Auftreten bewaffneter Grup­pen ste­ht hier im Zusam­men­hang mit dem lukra­tiv­en Abbau von Nick­el. Gewalt gegen die Zivil­bevölkerung ste­ht auf der Tage­sor­d­nung und anstatt, dass die Lizen­zge­bühren für die Schür­frechte an den kolumbian­is­chen Staat abge­führt wer­den, ver­schwinden diese durch tatkräftige Mitwirkung paramil­itärisch­er Kräfte in dubiosen Kanälen. Das Refer­at stützt sich auf die Studie „Dif­fer­ent Resources, Dif­fer­ent Con­flicts“ (Bogotá, Uni­ver­si­dad de Los Andes, 2019).

Die Ver­anstal­tung find­et auf Spanisch und Deutsch statt. Die Beiträge wer­den über­set­zt. Die weit­eren Ver­anstal­tun­gen find­en im Novem­ber, Dezem­ber und Jan­u­ar statt. Über die genauen Dat­en wer­den wir Sie informieren.

Um Anmel­dung wird gebeten unter: colpaz@riseup.net oder oeku-buero.de: Anmeldung

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, in Zusam­me­nar­beit mit dem »Öku­menis­chen Büro für Frieden und Gerechtigkeit« und mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn« und »Engage­ment Glob­al« mit Mit­teln des BMZ.

Logo der Stadt Bonn

»Hilando Altares de la memoria y la verdad« —
Ein Workshop zur Erinnerungskultur

Die »Unter­stützungs­gruppe der kolumbian­is­chen Wahrheit­skom­mis­sion in Deutsch­land« (»Nodo de Apoyo Ale­ma­nia a la Comi­sion de la Ver­dad Colom­bia«) und »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« laden zu einem Work­shop ein, der sich der Erin­nerungskul­tur wid­met. In diesem Work­shop geht es um die Aufar­beitung von Ereignis­sen während des Gewaltkon­flik­tes in Kolumbi­en. Bei den Teilnehmer*innen han­delt es sich um direkt oder auch indi­rekt Betrof­fene, die gegen­wär­tig in Deutsch­land leben, die in ein­er gemein­samen Aktion ihre Erfahrun­gen mit den Ereignis­sen in Kolumbi­en reflek­tieren. Konkret geht es um die tex­tilkün­st­lerische Erstel­lung eines »Altars der Erin­nerun­gen«, in dem Schmerz, Trauer, die Abwe­sen­heit aber auch die Vertei­di­gung des Lebens, die Zuver­sicht, Zärtlichkeit und Freude sym­bol­isiert wer­den kann. Das End­pro­dukt wird nach Kolumbi­en an die Wahrheit­skom­mis­sion geschickt.

Der Work­shop find­et in spanis­ch­er Sprache statt und wird geleit­et von Alexan­dra Bis­bi­cus (Sozialpäd­a­gogin und Tex­tilkün­stelerin mit kun­st­ther­a­peutis­ch­er Aus­bil­dung). Der Work­shop wird finanziell unter­stützt vom deutsch-kolumbian­is­chen Friedensin­sti­tut CAPAZ.

El taller es un encuen­tro de reflex­ión que se basa en bor­dar, tejer como prop­ues­ta de arte trans­for­mador y sanador, que reivin­dique y recon­struya la memo­ria colec­ti­va y la ver­dad sobre el con­flic­to colom­biano y cómo lo percibi­mos fuera de Colom­bia. Bor­dar, unir, zur­cir las his­to­rias de vida. Es otra for­ma de nar­rar y cam­i­nar la pal­abra resistien­do ante la vio­len­cia, el silen­cio y el olvi­do. Tejer colec­ti­va­mente es un ejer­ci­cio que gen­era diál­o­gos para com­pren­der qué nos ha pasa­do como sociedad y como país. Se bor­darán altares del dolor, del due­lo, de las ausen­cias que el con­flic­to nos ha deja­do, pero tam­bién sim­bolizan la ter­nu­ra, la ale­gría y la defen­sa de la vida. La pieza que resulte del taller será envi­a­da a la Comisión de la Ver­dad en Colombia.

Inscrip­ciones y may­or infor­ma­ción: colpaz@riseup.net

Programa

  • Viernes 23.10.20 de 18.30 a 21:00
    Con­ver­sación sobre tra­ba­jo de memo­ria y el teji­do como ele­men­to de narración.
    Lugar: Cen­tro Inter­na­cional de Mujeres en Bonn (ifz), Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn
    (direc­ta­mente detrás de la estación central) 
  • Sába­do 24.10.20 de 09:30 a 18:00
    Dinámi­ca de con­fi­an­za grupal.
    Intro­duc­ción a difer­entes téc­ni­cas para elab­o­rar los altares
    Reflex­ión sobre el tema per­son­al del altar.
    Ini­cio del tra­ba­jo per­son­al y grupal.
    Lugar: Migrapo­lis — Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111
    Bonn,Tercer Piso 
  • Domin­go 25.10.20 de 09.30 a 12:30
    Final­ización de los altares
    Retroal­i­mentación del proceso.
    Aclaración de los pasos siguientes
    Lugar: Cen­tro Inter­na­cional de Mujeres en Bonn (ifz), Quan­tiusstraße 8, 53115

El taller será dirigi­do por Alexan­dra Bis­bi­cus, ped­a­goga social y artista tex­til con for­ma­ción en arte ter­apia. Los mate­ri­ales serán facil­i­ta­dos, pero les ped­i­mos de ser posi­ble que cada per­sona lleve peda­zos de telas (reci­cladas) que ten­gan un val­or afec­ti­vo, que les guste para dis­eñar los altares.

Stellungnahmen der Bonner Bürgermeister-
Kandidat*innen zu »Hindenburg«

Im Rah­men der Aktio­nen zur Unter­stützung des Bürg­er­antrages für die Umbe­nen­nung des Hin­den­burg­platzes und der Hin­den­bur­gallee in Bonn (siehe: unseren Beitrag vom 3.6.2020) hat­ten die Unterze­ich­n­er des Bürg­er­antrags auch die Kandidat*innen zur Bon­ner OB-Wahl schriftlich um eine Stel­lung­nahme gebeten. Über die einge­gan­genen Stel­lung­nah­men hat nun die Ini­tia­tive in ein­er Pressemit­teilung die Öffentlichkeit informiert.

  • Die OB-Kandidat*innen Frau Kat­ja Dörn­er (Grüne) und Dr. Michael Faber (Linke) haben der Ini­tia­tive für ihre Aktiv­itäten gedankt und ihre Unter­stützung zugesagt.
  • Herr Wern­er Hümm­rich, der Kan­di­dat der FDP, ste­ht ein­er Namen­sän­derung grund­sät­zlich offen gegenüber und weist – aus unser­er Sicht zurecht – darauf hin, „dass uns die Löschung und Umbe­nen­nung von Straßen­na­men und Plätzen nicht von der his­torischen Ver­ant­wor­tung entbindet.“
  • Der Ober­bürg­er­meis­ter und OB-Kan­di­dat der CDU begrüßt unsere Ini­tia­tive und freut sich auf einen span­nen­den Dia­log im Rah­men des vom Kul­tur­dez­er­nat geplanten Arbeit­skreis­es zur Erin­nerungskul­tur in der Stadt Bonn. 
  • Die OB-Kan­di­datin der SPD hat zu unserem Anliegen keine Stel­lung­nahme abgegeben.
  • Herr Dr. Man­ka, der OB-Kan­di­dat des BBB, schließt sich der ablehnen­den Hal­tung der Frak­tion des BBB an.

In der Presseerk­lärung danken die Unterzeichner*innen des Antrags allen OB-Kandidat*innen, die Stel­lung genom­men haben, für ihre Bere­itschaft, sich inhaltlich mit diesem The­ma auseinan­derzuset­zen. Die Ini­tia­tive wird weit­er­hin aktiv bleiben, um ihre Argu­mente für eine demokratis­che Erin­nerungskul­tur in der Öffentlichkeit zu verankern. 

Basta Ya! Schluss mit dem Töten in Kolumbien!

Kolumbi­en wird seit eini­gen Wochen von ein­er ganzen Serie von Mas­sak­ern erschüt­tert, die vor allem an jugendlichen Kolumbian­ern verübt wer­den. Wer die Täter sind, wer ihre Hin­ter­män­ner und welche Motive sie ver­fol­gen, ist noch nicht gek­lärt. Nicht nur Kolumbi­en son­dern auch die Weltöf­fentlichkeit ist schock­iert und alarmiert ist. Zusam­men mit den in diesem Jahr ermorde­ten Men­schen­rechts- und Umwelt-Aktivis­ten hat das Land bere­its über 200 Opfer zu beklagen.

Am Fre­itag bzw. Sam­stag let­zter Woche fan­den in mehreren deutschen Städten Aktio­nen statt, welche die Trauer, die Empörung und den Protest gegen die Untätigkeit der kolumbian­is­chen Regierung zum Aus­druck bracht­en. In Berlin und in Frank­furt vor der kolumbian­is­chen Botschaft bzw. dem Kon­sulat, in Bonn auf dem Platz der Vere­in­ten Natio­nen vor dem UN-Gebäude. Die Ver­anstal­tun­gen soll­ten auch der kolumbian­is­chen Regierung demon­stri­eren, dass die inter­na­tionale Zivilge­sellschaft die Vorkomm­nisse in Kolumbi­en sehr sorgfältig und mit großer Sorge beobachtet. COLPAZ hat die Aktion unter­stützt und auch mit einem beträchtlichen Teil sein­er Mit­glieder daran teilgenommen.

Im Zen­trum der Aktion in Bonn stand eine Per­for­mance der kolumbian­is­chen Kün­st­lerin Ana Bole­na Müller, die die Trauer Kolumbi­ens über die neu aufge­flammte Gewalt im Land zum Aus­druck brachte. Mit 200 auf dem »Platz der Vere­in­ten Natio­nen« niedergel­gten Holzkreuzen und ein­er namentlichen Aufzäh­lung wurde den Opfern gedacht. Anschließend artikulierten die Teil­nehmer der Aktion ihren Protest und die Forderung an die Regierung Duque, endlich ihrer ver­fas­sungsmäßi­gen Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den, für die Sicher­heit ihrer Bürg­er zu sor­gen und die Umset­zung des Friedens­abkom­mens von 2016 nicht länger zu blockieren.

Dank zweier Berichte der DEUTSCHEN WELLE in spanis­ch­er Sprache ist erre­icht wor­den, dass die Aktio­nen vom Woch­enende auch in Kolumbi­en zur Ken­nt­nis genom­men wur­den und nun hier wie dort in den sozialen Net­zw­erken präsent sind. Die Berichte sind hier verfügbar: 

Online-Vortrag: Fairtrade bananas from Uraba,
Colombia and its contribution to the next generation

Im Rah­men der »FAIRE WOCHE«, die bun­desweit vom 11. bis 25. Sep­tem­ber stat­tfind­et, ver­anstal­tet unser Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« eine Vor­tragsver­anstal­tung, die allerd­ings coro­n­abe­d­ingt online stat­tfind­en wird. Die Faire Woche beschäftigt sich in diesem Jahr mit der Frage, wie ein gutes Leben für möglichst viele Men­schen erre­icht wer­den kann. Wie müssen Pro­duk­tions- und Kon­sum­muster ausse­hen, damit sie nicht zu Las­ten von Men­sch und Natur gehen? Was kann der Faire Han­del dazu beitra­gen und welchen Beitrag kann jede*r einzelne von uns leis­ten? Unsere Ver­anstal­tung wird auf das Beispiel fair­er Pro­duk­tion von Bana­nen in ein­er vom Gewaltkon­flikt beson­ders heimge­sucht­en Region Kolumbi­ens eingehen.

Ref­er­entin: Sil­via Cam­pos, Glob­al Prod­uct Man­ag­er Bananas at Fair­trade International 
Datum: Mittwoch, den 9. Sep­tem­ber 2020, 18:00 — 20:00 Uhr
Anmel­dung: colpaz@riseup.net

Der Vor­trag find­et auf Englisch statt

Colom­bia is one of the main banana exporters to the Euro­pean Union. Ura­ba, the main banana pro­duc­ing region in Colom­bia, is con­sid­ered an “eco­nom­ic engine” for the coun­try and gen­er­ates thou­sands of jobs. Ura­ba also has a very dra­mat­ic recent his­to­ry, as the cen­ter of a con­flict between the guer­ril­la, the para­mil­i­tary and the gov­ern­ment, which end­ed up in thou­sands of vic­tims among the population.
Ura­ba is char­ac­ter­ized by a young pop­u­la­tion (58% of the pop­u­la­tion is below 24 years old), a high per­cent­age of peo­ple with­out cov­er­age of their basic needs, low qual­i­ty of edu­ca­tion and social ser­vices, and a high per­cent­age of unem­ploy­ment, espe­cial­ly among the young peo­ple (45% of the peo­ple between 16 and 29 years old are unem­ployed). In addi­tion, the vio­lence and drug deal­ing in the region is neg­a­tive­ly impact­ing the well­be­ing and the future per­spec­tive of chil­dren and young peo­ple, who are join­ing those illic­it activ­i­ties from a young age. 

Fair­trade bananas from Colom­bia are one of the main prod­ucts trad­ed under the Fair­trade mark in many super­mar­kets across Europe. Fair­trade banana pro­duc­ers and traders are not only com­mit­ted to com­ply with Fair­trade stan­dards, but also to con­tribute with the well­be­ing of farm­ers, work­ers, their fam­i­lies and com­mu­ni­ties. Fair­trade banana pro­duc­ers con­tribute to the rur­al econ­o­my by cre­at­ing per­ma­nent and tem­po­rary jobs for thou­sands of male and female work­ers. In Ura­ba, sales of Fair­trade bananas ben­e­fit 5,000 work­ers and their fam­i­lies, by earn­ing a fair wage under decent work­ing con­di­tions and access­ing to bet­ter hous­ing and edu­ca­tion of their chil­dren, which rep­re­sents the main way to go out of the “cir­cle of pover­ty”. Plan­ta­tion work­ers also share their ben­e­fits from the Fair­trade pre­mi­um with their com­mu­ni­ties by imple­ment­ing social projects. Chil­dren and young peo­ple are key ben­e­fi­cia­ries of those projects, through the access to schol­ar­ships, sport and cul­tur­al activ­i­ties. Fair­trade banana work­ers have pri­or­i­tized these social invest­ments as an attempt to reduce the neg­a­tive impact of the vio­lence, unem­ploy­ment and pover­ty in their com­mu­ni­ties. The results of these social invest­ments are already observed, with young adults with tech­ni­cal and pro­fes­sion­al skills, access­ing to bet­ter jobs and with a broad­er per­spec­tive in live. 

Nähere Infor­ma­tio­nen zur »Fairen Woche 2020« 

COLPAZ startet Briefaktion an die kolumbianische Botschaft

Der erschüt­ternde Bericht von Ursu­la Holz­pafel und Ulrich Koll­witz aus Quib­dó, der Haupt­stadt des kolumbian­is­chen Depar­ta­men­tos Chocó, hat uns ver­an­lasst, nicht nur diesen Bericht zu ver­bre­it­en, son­dern auch der kolumbian­is­chen Botschaft in Berlin deut­lich zu machen, dass die Weltöffnetlichkeit sehr genau hin­schaut, was gegen­wär­tig in Kolumbi­en geschieht.

In einem gemein­samen Aufruf von afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Organ­i­sa­tio­nen, des »Con­se­jo Comu­ni­tario May­or de la Aso­ciación Campesina Inte­gral del Atra­to – COCOMACIA«, dem »Mesa Indí­ge­na del Chocó«, dem »Foro Interét­ni­co Sol­i­dari­dad Chocó«, dem »Red Depar­ta­men­tal de Mujeres Chocoanas« und dem »Mesa Ter­ri­to­r­i­al de Garan­tías Chocó« wird auf die alarmierende Zunahme der Ver­let­zung der indi­vidu­ellen und kollek­tiv­en Rechte der afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Völk­er des Chocó durch die Ver­schär­fung des bewaffneten Kon­flik­ts im Departe­ment aufmerk­sam gemacht.

Schon seit langem wird das Ein­sick­ern paramil­itärisch­er Ver­bände (ins­beson­der der Autode­fen­sas Gai­tanistas de Colom­bia, AGC) und Grup­pen der ELN-Gueril­la in den Choco beklagt. Ursu­la und Uli hat­ten auf den Ver­anstal­tun­gen, die wir mit Ihnen in den let­zten bei­den Jahren gemacht hat­ten, immer wieder darauf hingewiesen. In den beset­zten Gebi­eten wer­den eigene »Geset­ze« zur Gel­tung gebracht und sie über die ver­fas­sungsmäßig garantierten Rechte der betroff­nen Gemein­den und Grup­pen gestellt. Diese Missstände sind seit langem bekan­nt, wer­den aber von der kolumbian­is­chen Regierung ignori­ert. Zu befürcht­en ist, dass es wieder ein­mal ein klammheim­lich­es Ein­ver­ständ­nis der Regierung mit den paramil­itärischen Kräften, die mit enor­men finanziellen und logis­tis­chen Ressourcen aus­ges­tat­tet sind, gibt. Ihr vorgegebenes Ziel ist es, die verbliebe­nen Gueril­la­grup­pen zu eli­m­inieren. Aber nicht nur darum scheint es zu gehen (vgl. Jus­ti­cia y Paz, Colom­bia, 30.12.2019). Vertrei­bun­gen der Bevölkerung von ihrem Land sind in einem bish­er nicht bekan­ntem Aus­maß an der Tage­sor­d­nung. Ille­gale Berg­bauan­la­gen enste­hen, Regen­wald wird gerodet um Platz für große Plan­ta­gen oder für Gold­mi­nen zu machen. Die Umweltver­schmutzung schre­it­et voran, ins­beson­dere der Flüsse, die die Leben­sad­er dieser Region darstellen. Queck­sil­ber­verseuchung des Wassers bedro­ht die Gesund­heit und das Leben der indi­ge­nen und afrokolumbian­is­chen Bevölkerung, die an den Ufern dieser Flüsse siedeln. 

Ursu­la und Uli schreiben, dass selb­st in der Stadt Quib­do, die Haupt­stadt des Depar­ta­men­tos Choco, die Gewalt­grup­pen immer mehr die Kon­trolle über die Wohn­vier­tel aus­dehnen. »Sie sind die Einzi­gen, die kein­er­lei Aus­gangs­beschränkun­gen unter­liegen. Per­so­n­en, die sich dieser Herrschaft wider­set­zen wollen, wer­den eingeschüchtert und bedro­ht. Allein hier in Quib­dó haben wir dieses Jahr bere­its 87 Mord­fälle reg­istri­eren müssen. Es fall­en nach wie vor weit mehr Men­schen den Gewaltver­brechen zum Opfer als dem Coro­n­avirus, der bish­er im gesamten Chocó 70 Ster­be­fälle ver­sur­sacht hat.« (Rund­brief von Ursu­la Holzapfel & Ulrich Koll­witz, Comisión Vida, Jus­ti­cia y Paz, v. 7.7.2020)

Und dies find­et alles in einem Gebi­et statt, welch­es im Friedensver­trag als eines der 16 Ter­ri­to­rien erk­lärt wurde, die beson­ders unter dem Gewaltkon­flikt gelit­ten hat­ten und deshalb ein­er beson­deren Unter­stützung des Staates bedür­fen. Aber diese Art von “Unter­stützung” war sich­er nicht gemeint vgl. Jus­ti­cia y Paz, Colom­bia, 30.12.2019.

In dem Aufruf der oben genan­nten Ver­bände wird auch beklagt, dass in ein­er Zeit, in der die Coro­na-Pan­demie, den tage­spoli­tis­chen Diskurs bes­timmt, ihre Hil­fer­ufe unge­hört bleiben. Es wird auf den katas­trophalen Zus­tand des Gesund­heitssys­tems (Kranken­haus­in­fra­struk­tur, Aus­rüs­tung, Per­son­al, Leis­tungser­bringung) im gesamten Departe­ment Chocó aufmerk­sam gemacht, welch­er die gesamte Bevölkerung, jen­seits der Coro­n­avirus-Pan­demie, in eine Lage ver­set­zt, in der sie ständig der Gefahr von Krankheit­en oder Unfällen schut­z­los aus­geliefert ist. Alle ländlichen Gemein­den, vor allem die indi­ge­nen, sind nach wie vor ständig endemis­chen und epi­demis­chen Krankheit­en (Tuberku­lose, Lun­genentzün­dung, Dengue-Fieber, Malar­ia) aus­ge­set­zt, begleit­et von chro­nis­ch­er Unter­ernährung und einem schwachen Immunsystem.

Wenn die Regierung Wirk­samkeit und Glaub­würdigkeit bei den Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Coro­na-Pan­demie der Pan­demie und zum Schutz des Lebens der Bevölkerung erre­ichen will, kann sie sich nicht auf Quar­an­täneer­lasse beschränken und das Panora­ma des bewaffneten Kon­flik­ts, der ille­galen Wirtschaft, des Elends, der Kor­rup­tion und der man­gel­nden Gesund­heitsver­sorgung ver­nach­läs­si­gen, die im Departe­ment Chocó unzäh­lige Men­schen­leben fordern.

Die genan­nten Organ­is­tio­nen fordern die Regierung dazu auf, wirk­same Maß­nah­men zu ergreifen, die darauf abzie­len, der Bevölkerung von Chocó ein ganzheitlich­es men­schen­würdi­ges Leben zu garantieren. In den Gebi­eten muss die Anerken­nung der indi­ge­nen und afrokolumbian­is­chen Selb­stver­wal­tung unverzüglich wieder­hergestellt wer­den. Gefordert wird die voll­ständi­ge Umset­zung des Friedens­abkom­mens zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und den FARC vom Novem­ber 2016, welch­es auch grund­sät­zliche Fra­gen der Indi­ge­nen und Afrokolumbianer*innen umfasst. 

Der voll­ständi­ge Wort­laut des Aufrufs (in spanis­ch­er Sprache) ist hier zum Down­load verfügbar. 

Wis­senskul­turen und COLPAZ haben eine Brief-Aktion zur Unter­stützung des im Aufruf genan­nten Anliegens ges­tartet. In einem Brief an den kolumbian­is­chen Botschafter in Berlin wird auf den gemein­samen Bericht, der »Diözese Quib­dó«, dem «Großen Gemein­der­at der Inte­gralen Bauern­vere­ini­gung des Atra­to — COCOMACIA«, dem »Indi­ge­nen Kom­mit­tee«, dem »Intereth­nis­chen Sol­i­dar­itäts­fo­rum« , dem »Net­zw­erk der Frauen« und dem »Ter­ri­to­ri­alen Garantiekom­mit­tee des Chocó« ver­wiesen und die kolumbian­is­che Regierung aufge­fordert, endlich ihrer völk­er­rechtlichen Ver­ant­wor­tung zum Schutz der Bevölkerung des Chocó gerecht zu wer­den. Die Aktion wurde von mehreren Grup­pen und Organ­i­sa­tio­nen, die sich in Deutsch­land für Men­schen­rechte in Lateinameri­ka ein­set­zen, unter­stützt, u.a.

Über den oben berichteten Sachver­halt gibt es weit­ere Beiträge:

Es wird endlich Zeit: Bonn muss sein
Stadtbild von Hindenburg befreien

Auch acht Jahre nach unserem Bürg­er­antrag auf Umben­nenung tra­gen Hin­den­burg­platz in Bonn-Dot­ten­dorf und Hin­den­bur­gallee in Bonn-Plit­ters­dorf noch immer den Namen des früheren Reich­spräsi­den­ten. Hin­den­burg war ein Weg­bere­it­er der Nazi-Herrschaft, betra­chtete Hitler als »seinen Kan­zler« und ohne seine Unter­stützung hätte Hitler seine totale Herrschaft nicht durch­set­zen kön­nen. Der Name Hin­den­burg ste­ht gegen Demokratie, gesellschaftlichen Zusam­men­halt und friedlich­es Zusam­men­leben. Aber noch immer ste­ht sein Name auf der Liste der Erhren­bürg­er der Stadt Bonn. 

Eine Gruppe Bon­ner Bürg­erin­nen und Bürg­er will ihr Stadt­bild endlich vom Namen Hin­den­burgs befreien. Sie haben Anfang Juni erneut einen Bürg­er­antrag einge­bracht, mit dem der Rat dazu aufge­fordert wird, Platz und Allee umzube­nen­nen und Hin­den­burg aus der Ehren­bürg­erliste zu stre­ichen. Sie hal­ten das »ehrende Andenken Hin­den­burgs« für einen »Fall demokratiege­fährden­der Geschichtsvergessenheit«. 

Seit den 1990er Jahren sind in Deutsch­land etwa 200 Men­schen Opfer von Ter­ror und recht­sex­trem­istis­ch­er Gewalt gewor­den. Jüng­ste Beispiele sind die Ermor­dung des Kas­sel­er Regierung­spräsi­den­ten Wal­ter Lübcke, die Anschläge in Hanau und auf die Syn­a­goge in Halle. Diese Tat­en sind das Ergeb­nis von Nation­al­is­mus, Ras­sis­mus, Anti­semitismus, Mus­lim-Feindlichkeit und der Bere­itschaft zu mor­den. Diesem Treiben müssen sich im Bewusst­sein der deutschen Geschichte des 20. Jahrhun­derts alle Demokrat­en und Demokratin­nen ent­ge­gen­stellen. Dafür gibt es viele Möglichkeit­en. In Bonn gehören dazu die jährliche Erin­nerung an die Bücherver­bren­nung und an die Pogrom­nacht des 9. Novem­ber 1938, aber auch die Erin­nerung an Opfer der Nazi-Herrschaft durch die Benen­nung von Strassen, wie zum Beispiel der »Karl­robert-Kre­it­en-Straße« in Pop­pels­dorf, benan­nt nach einem von den Nazis ermorde­ten Pianisten.

Es ist über­fäl­lig, dass auch Bonn nach vie­len anderen Städten den Fehler kor­rigiert, der in der Ehrung Paul von Hin­den­burgs liegt. Bonn als deutsche Stadt der Vere­in­ten Natio­nen, als Sitz viel­er nationaler und inter­na­tionaler Organ­i­sa­tio­nen darf diesem Mann nicht länger ein ehren­des Andenken wid­men. Das ist eine Frage der Selb­stach­tung aller, die sich Men­schen­recht­en, Bürg­er­recht­en, Demokratie, Rechtsstaat und Sozial­staat verpflichtet fühlen.

Wer den Bürg­er­antrag unter­stützen möchte, kann dies mit Hil­fe der hier zum Down­load verfügbaren
Unter­schrift­sliste tun, und diese an die dort angegebene Adresse senden. 

Am Don­ner­stag, den 25. Juni 2020 (das ist der Tag, an dem voraus­sichtlich der Bürg­er­auss­chuss des Bon­ner Stad­trates über den Antrag berat­en wird) ist außer­dem eine — im Rah­men der COVID-19-Ein­schränkun­gen mögliche — Man­i­fes­ta­tion auf dem Bon­ner Frieden­splatz von 17 bis 19 Uhr geplant. Auf ihr soll um weit­ere Unter­stützung des Bürg­er­antrags gewor­ben werden. 

Der volle Wort­laut des Bürg­er­antrags sowie weit­eres Mate­r­i­al zum Download: 

COVID-19 und die Lage im Choco: Ein Hilferuf.

Der Chocó gehört nicht nur zu den Regio­nen Kolumbi­ens, in denen große Armut und bewaffnete Kon­flik­te den All­t­ag bes­tim­men, son­dern er gehört auch zu den Gebi­eten, die am wenig­sten auf COVID-19 vor­bere­it­et sind. CASA HOGAR ist ein Part­ner­pro­jekt unser­er Arbeits­gruppe COLPAZ und zielt auf die Verbesserung der Leben­sum­stände für die – meist schwarze oder indi­gene – benachteiligte Bevölkerung im kolumbian­is­chen Chocó. Im Mit­telpunkt der Arbeit von CASA HOGAR ste­ht die Öff­nung des Weges zu Bil­dung von jun­gen Frauen und Mäd­chen. Bil­dung wird dabei neben dem Zugang zu Schul­bil­dung auch und ins­beson­dere als eine ganzheitliche Bil­dung zur Per­sön­lichkeit­sen­twick­lung und zum Schaf­fen von Per­spek­tiv­en betra­chtet. CASA HOGAR sieht sich dabei in der Rolle ein­er Begleitung, welche die Ideen und Bedürfnisse der Men­schen vor Ort ver­ste­hen und sie ermuti­gen will, diese zu for­mulieren und in eigene Pro­jek­tvorschläge zu entwickeln.

Wis­senskul­turen, COLPAZ und CASA HOGAR verbindet die nun schon viele Jahre andauernde Sol­i­dar­ität­sar­beit mit dem CHOCO. Und selb­stver­ständlich erfordert die gegen­wär­tige COVID-19-Krise beson­dere Anstren­gun­gen von all denen, die sich mit Kolumbi­en und im Beson­deren mit dem CHOCO ver­bun­den fühlen. CASA HOGAR ste­ht den „Chocoanos“ in dieser schwieri­gen mit einem beson­deren Sol­i­dar­ität­spro­jekt zur Seite: Ein­er­seits verteilt CASA HOGAR Essenspakete für Fam­i­lien, die auf­grund der lan­desweit­en Aus­gangssperre ihrer Arbeit nicht nachge­hen dür­fen und deswe­gen hungern. Ein Nahrungspaket kostet für eine Fam­i­lie für eine Woche 90.000 Pesos, das sind 25 Euro, und bein­hal­tet Grund­nahrungsmit­tel wie Reis, Lin­sen, Mehl und Öl. Ander­er­seits unter­stützt CASA HOGAR die Bevölkerung bei der medi­zinis­chen Ver­sorgung. Dazu gehört nicht nur die Anschaf­fung von drin­gend nötigem medi­zinis­chen Mate­r­i­al, son­dern ins­beson­dere auch eine per­son­elle Begleitung sowie eine Weit­er­bil­dung des lokalen medi­zinis­chen Per­son­als. Die Gesamtkosten des Pro­gramms betra­gen knapp 50.000 Euro. Um diese Kosten tra­gen zu kön­nen, hat CASA HOGAR einen Spende­naufruf ins Netz gestellt.

»Wis­senskul­turen e.V.« und »COLPAZ – Frieden für Kolumbi­en« unter­stützen den Spende­naufruf von Casa Hog­ar. Über eine weit­ere Ver­bre­itung und Unter­stützung freuen wir uns sehr! Weit­ere Infos über die Arbeit von CASA HOGAR

Internationale Konferenz
»Fragiler Frieden in Kolumbien«
Bonn, 30. November 2019

[ DE ] / [ ES ]

»Wis­senskul­turen« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« ver­anstal­ten in Koop­er­a­tion mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, Pax Christi und dem Zen­trum für Entwick­lungs­fos­chung der Uni­ver­sität Bonn am 30. Novem­ber 2019 eine ganztägige inter­na­tionale Kon­ferenz zur gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion in Kolumbien.

»Frag­iler Frieden in Kolumbi­en — Zum Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbien« 
Datum: Sam­stag, den 30. Novem­ber 2019, 09:30 — 17:00 Uhr
Ort: Migrapo­lis – Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111 Bonn 

Der 2016 hoff­nungsvoll ges­tartete Frieden­sprozess in Kolumbi­en befind­et sich in ein­er schwieri­gen Phase. Nicht nur, dass eine ganze Rei­he der von der Regierung im Friedensver­trag zuge­sagten Verpflich­tun­gen bis­lang (noch) nicht oder nur unzulänglich erfüllt wur­den, son­dern auch die Tat­sache, dass in die von der FARC-Gueril­la geräumten Gebi­ete andere bewaffnete Grup­pen ein­gesick­ert sind, haben viele Hoff­nun­gen des ver­gan­genen Jahres in Frage gestellt. Gewaltvolle Land­nahme und damit ver­bun­dene Vertrei­bungen gehen trotz des Friedensver­trages weit­er. Mit über 300 ermorde­ten Menschen­rechts­aktivist*innen seit Unter­zeichnung des Friedens­abkom­mens von 2016 ist Kolumbi­en gegen­wär­tig mit Abstand das Land mit den meis­ten Tötungs­de­lik­ten gegenüber Menschenrechtsvertreter*innen weltweit. Und auch die Tat­sache, dass Ende August ein klein­er Teil von bere­its demo­bil­isierten FARC-Kom­bat­tan­ten wieder zu den Waf­fen gegrif­f­en hat, kom­pliziert den Prozess sehr.

Ander­er­seits sind aber auch – trotz aller Block­ierungsver­suche der Geg­n­er des Friedens­abkom­mens — bere­its umfan­gre­iche Aktiv­itäten des vere­in­barten Prozess­es ange­laufen. Aber aus allen ange­laufe­nen Pro­jek­ten wird sig­nal­isiert, wie wichtig die inter­na­tionale Beobach­tung und Unter­stützung ist, wen­ngle­ich noch nicht immer ganz klar ist, wie eine solche Unter­stützung ausse­hen könnte.

Die Kon­ferenz will über den gegen­wär­ti­gen Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbi­en informieren, dabei auch die Ver­strick­ung Deutsch­lands in den Kon­flikt erörtern sowie mit den Teilnehmer*innen darüber berat­en, inwieweit und ggf. in welch­er Form wir hier in Deutsch­land einen Beitrag zum Gelin­gen des Frieden­sprozess­es leis­ten kön­nen. Geplant sind Vorträge und zwei Werk­stattge­spräche über zwei Themenbereiche:

  1. »Memo­ria His­tor­i­ca«: Der Kampf um die Wahrheit und seine Bedeu­tung für den Friedensprozess 
  2. Ungle­iche Land­verteilung und Umweltzer­störung: Was ändert der Friedensvertrag? 

Referent*innen:

  • Ale­jan­dro Reyes Posa­da (Berater bei den Friedensver­hand­lun­gen zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la): »Angestrebte Lan­drefor­men im Friedens­abkom­men und die Schwierigkeit­en ihrer Umsetzung«
  • Gina Maria Chin­chilla Sal­cedo (Zen­trum für Entwick­lungs­forschung der Uni­ver­sität Bonn): »Die Kon­struk­tion des his­torischen Gedächt­niss­es nach dem Friedensvertrag«
  • Ale­jan­dro Mora Mot­ta (Zen­trum für Entwick­lungs­forschung der Uni­ver­sität Bonn): »Rohstof­faus­beu­tung, Umweltzer­störung und Frieden: Das Beispiel Kohle«.

Die Kon­feren­zsprache ist Deutsch. Die in spanis­ch­er Sprache vor­ge­tra­ge­nen Refer­ate wer­den simul­tan über­set­zt. Um Anmel­dung wird gebeten: colpaz@riseup.net

Down­load des Kon­ferenz-Fly­ers in Deutsch . Infor­ma­ciones en Castel­lano.


Das Mah­n­mal für den Frieden »Frag­men­tos« im Zen­trum von Bogotá von Doris Sal­cedo (Foto: M. Paetau)

 

Logo der Stadt Bonn

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn« und in Koop­er­a­tion mit der »Friedrich-Ebert-Stiftung«, »Pax-Christi — Kom­mis­sion Sol­i­dar­ität Eine Welt« und dem »Zen­trum für Entwick­lungs­forschung« der Uni­ver­sität Bonn.


Kolumbien: Der Friedensprozess ist nicht tot!

Einige Medi­en in Deutsch­land — aber auch in Kolumbi­en — ver­mit­teln den Ein­druck, dass die FARC den bewaffneten Kampf wieder aufgenom­men hat und das Friedens­abkom­men damit prak­tisch tot sei. (so z.B. ND vom 29.8.2019 oder Amer­i­ca-21 vom 30.8.2019. Diesem Ein­druck muss ganz klar wider­sprochen wer­den. Es ist eine kleine Gruppe von Dis­si­den­ten, die den bewaffneten Kampf wieder aufgenom­men hat, aber die FARC als poli­tis­che Partei und mit ihr die über­wiegen­den Mehrheit aller Ex-Guerilleros ste­hen zum Friedensprozess.

Allerd­ings, und das ist das Trau­rige, sind unter den Dis­si­den­ten drei hochrangige ehe­ma­lige Kom­man­dan­ten der FARC-EP. Unter ihnen sog­ar der Ver­hand­lungs­führer bei den Friedens­ge­sprächen von Havan­na Iván Márquez. Das macht die Sache außeror­dentlich kom­pliziert. Und natür­lich — kurz vor den Wahlen zu den Region­al­par­la­menten im Okto­ber — macht diese Nachricht allewelt völ­lig kon­fus. Ich würde mich nicht wun­dern, wenn das Wass­er auf die Mühlen der Gegen­er des Friedens­abkom­mens ist. Und tat­saäch­lich hat Alvaro Uribe sich auch schon zu Wort gemeldet und die kom­plette Annulierung des Friedens­abkom­mens gefordert. Präsi­dent Duque sprach in ein­er Fernse­hbotschaft von ein­er “eine Bande von Dro­gen­händlern und Ter­ror­is­ten, die den Schutz und die Unter­stützung der Dik­tatur von (dem vene­zolanis­chen Präsi­den­ten) Nicolás Maduro genießt”. Der Vertei­di­gungsmin­is­ter Venezue­las sah darin einen Vor­wand, einen möglichen Krieg gegen Venezuela zu legitimieren.

Die Wieder­be­waffnung eines Teils der Farc-EP wird in der öffentlichen Diskus­sion in Kolumbi­en von recht­en Kreisen hochge­spielt, um gle­ichzeit­ig die unheil­volle Wirkung der rechts­gerichteten Paramil­itärs herun­terzus­pie­len. In Wirk­lichkeit hal­ten 90 Prozent der Ex-Guerilleros weit­er­hin am Frieden­sprozess fest, wie nicht nur die poli­tis­che Partei FARC (»Fuerza Alter­na­ti­va Rev­olu­cionar­ia del Común«) son­dern auch kolumbian­is­che Regierungsvertreter hervorheben.

Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen macht­en indes die Regierung Duque und vor allem das rechgerichtete »Cen­tro Demo­c­ra­ti­co« von Ex-Präsi­dent Alvaro Uribe für die Wieder­be­waffnung der FARC-Dis­si­den­ten ver­ant­wortlich. Sie hät­ten durch Verzögerung und Nichter­fül­lung der Vere­in­barun­gen von Havan­na eine große Ver­ant­wor­tung für die jet­zige Sit­u­a­tion zu tragen.

In ein­er Pressekon­ferenz der poli­tis­chen Partei FARC (»Fuerza Alter­na­ti­va Rev­olu­cionar­ia del Común«) wurde die Entschei­dung von Iván Márquez und anderen Ex-Kom­man­dan­ten scharf kri­tisiert. Es wurde bekräftigte, die Vere­in­barun­gen von Havan­na nach wie vor einzuhal­ten und mit Nach­druck und Entschlossen­heit für die Umset­zung des Frieden­sprozess­es einzutreten. Gle­ichzeit­ig wurde die Regierung aufge­fordert, ihre Block­ade­hal­tung aufzugeben und endlich den poli­tis­chen Willen für eine zügige Umset­zung der Vere­in­barun­gen von Havan­na zu beweisen. Gegen Márquez, Santrich u.a. wird ein Parteiauss­chlussver­fahren beantragt. 

In der kolumbian­is­chen Öffentlichkeit hat der Schritt der Exkom­man­dan­ten enorme Irri­ta­tio­nen aber auch eine neue Diskus­sion­swelle über den Frieden­sprozess aus­gelöst. Die Argu­mente reichen von »das war doch zu erwarten« bis zu dem Vor­wurf an den Uribis­mo, einen Teil der FARC sys­tem­a­tisch und vorsät­zlich in den Krieg gedrängt zu haben.

Quellen:

Veranstaltung im Rahmen der Bonner Friedenstage:
»Zur Bedeutung sozialer Netzwerke bei der
Konfliktbefriedung in Kolumbien« (18.9.2019)

Im Rah­men der Bon­ner Frieden­stage, die vom 30.8. bis zum 28.9.2019 stat­tfind­en, laden COLPAZ und WISSENSKULTUREN zu ein­er Vor­tragsver­anstal­tung ein, die sich mit der Frage der Wiedere­ingliederung von ehe­ma­li­gen Kom­bat­an­ten der FARC-Gueril­la befasst. 

Ref­er­ent: Andreas Glück­er, Bonn 
Datum: Mittwoch, den 18. Sep­tem­ber 2019, 18:30 — 20:30 Uhr
Ort: IFZ-Bonn, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn 

Mit dieser Ver­anstal­tung wollen wir über die schwierige Sit­u­a­tion in Kolumbi­en informieren und damit einen Beitrag leis­ten, in der deutschen Öffentlichkeit das Ver­ständ­nis des kom­plizierten Frieden­sprozess­es in dem Land zu fördern und das Engage­ment bon­ner Bürg­er für die Frieden­sar­beit im glob­alen Süden zu unterstützen.

Der Vor­trag basiert auf ein­er Befra­gung von ehe­ma­li­gen Kom­bat­an­ten der FARC-Gueril­la, die während ihres Aufen­thaltes in einem der Rein­te­gra­tionszen­tren zu ihren Hoff­nun­gen, Bedürfnis­sen, Äng­sten sowie zur sozialen Unter­stützung befragt wur­den. Die Ergeb­nisse illus­tri­eren die Her­aus­forderun­gen, die sich dabei stellen, nach jahre­langem Kampf gegen den Staat wieder ein akzep­tiertes Mit­glied der Gesellschaft zu wer­den. Im Kon­text der schlep­pen­den Umset­zung des Ver­trags und des gerin­gen Rück­halts in Teilen der Gesellschaft, zeigt der Vor­trag die Bedeu­tung der sozialen Net­zw­erke der ehe­ma­li­gen FARC-Kämpfer für eine erfol­gre­iche Wiedereingliederung.

Angesichts der jüng­sten Entwick­lun­gen, ins­beson­dere der Wieder­auf­nahme des bewaffneten Kampfes durch eine kleine aber dur­chaus ein­flussre­iche Gruppe der bere­its demo­bil­isierten FARC-Gueril­la Ende August, macht der Vor­trag die Fragilität des Frieden­sprozess­es deut­lich. Und er zeigt auch, wie riskant die Verzögerungstak­tik der gegen­wär­ti­gen kolumbian­is­chen Regierung unter Präsi­dent Duque für den Frieden im Lande ist.

bmz-logo Die Ver­anstal­tung wird gefördert durch Engage­ment Glob­al mit finanzieller Unter­stützung des Bun­desmin­is­teri­ums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. 

 

Das voll­ständi­ge Pro­gramm der Bon­ner Frieden­stage find­en Sie auf der Web­site des Net­zw­erkes Frieden­sko­op­er­a­tive . Der Pro­gramm­fly­er ist hier auch zum Down­load erhältlich.

Veranstaltungsreihe Kolumbien (VIII):
»Zur Situation der afrokolumbianischen Gemeinden im Chocó« (3.7.2019)

Vor­trags- und Diskus­sionsver­anstal­tung der Kolumbi­en­gruppe COLPAZ in Koop­er­a­tion mit »Wis­senskul­turen e.V.«. Ref­er­enten: Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz, Quib­do, Kolumbien.

Datum: Mittwoch, den 3. Juli 2019, 19:00 — 21:00 Uhr
Ort: IFZ-Bonn, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn

Die achte Ver­anstal­tung unser­er Rei­he zum Frieden­sprozess in Kolumbi­en hat­te zwei Schw­er­punk­te: Neben der Berichter­stat­tung über die aktuelle Sit­u­a­tion befassten wir uns mit der Frage, wie, d.h. mit welchen Organ­i­sa­tions- und Aktions­for­men die Afrokolumbian­er im Choco sich gegen die erneut zunehmende Bedro­hung durch bewaffnete Grup­pen in ihrem Gebi­et zu wehren ver­suchen. Der Friedensver­trag von Havan­na hat­te u.a. expliz­it den Anspruch der Zivilge­sellschaft und der eth­nis­chen Min­der­heit­en auf poli­tis­che Par­tizipa­tion sowie das Recht auf poli­tis­che Oppo­si­tion gestärkt. Und es lässt sich beobacht­en, dass dieses Recht auch mehr und mehr wahrgenom­men wird. Mal mehr, mal weniger mil­i­tant. So haben beispiel­sweise im Früh­jahr d.J. indi­gene Grup­pen erst nach ein­er wochen­lan­gen Block­ade der wichti­gen Nord-Süd-Verbindung im Cau­ca-Tal (»Pan Amer­i­cana«) die Regierung ver­an­lassen kön­nen, sich mit ihrer präk­eren Lage mehr als nur rhetorisch zu befassen. Die indi­ge­nen Grup­pen in Kolumbi­en kön­nen allerd­ings auf eine z.T. jahrhun­dertealte Tra­di­tion und gut einge­spielte Organ­i­sa­tions­for­men zurückschauen. Die Teil­nehmer unser­er Ver­anstal­tung woll­ten wis­sen, inwieweit es ver­gle­ich­sweise Organ­i­sa­tions­for­men auch bei den afrokolumbian­is­chen Gemein­schaften gibt. Auf welche Tra­di­tion sie sich beziehen, welche prak­tis­chen Prozesse sich in den let­zten Jahren vol­l­zo­gen haben und wie sta­bil existierende Net­zw­erke sind, um einen wirk­samen Schutz gegen paramil­itärische Über­griffe zu bieten. Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz arbeit­en seit mehr als 30 Jahren mit den afrokolumbian­is­chen Grup­pen im Choco und kon­nten aus einem reich­halti­gen Erfahrungss­chatz berichten. 

Dark Ages 2.0”: Social Media And Their Impact

Vom 25. Bis 29. Juni 2019 find­et in Urbino, Ital­ien, die »15th Inter­na­tion­al Con­fer­ence of Socio­cy­ber­net­ics« mit dem Titel »“Dark Ages 2.0”: Social Media And Their Impact« statt. WISSENSKULTUREN ist mit mehreren Vorträ­gen vertreten. Hier ein Auszug aus der Konferenzankündigung:

In 2009 the ISA Research Com­mit­tee 51 on Socio­cy­ber­net­ics host­ed its annu­al con­fer­ence in Urbino. The title of the con­fer­ence was »Moder­ni­ty 2.0: emerg­ing social media tech­nolo­gies and their impact«. Along the line of vision­ary found­ing fathers of cyber­net­ics and sys­tems the­o­ry, the call solicit­ed inter­dis­ci­pli­nary con­tri­bu­tion to explore the pos­si­bil­i­ties and tack­ling the chal­lenges of a “new extra­or­di­nary change that we can bare­ly describe today”. A decade lat­er, hav­ing wit­nessed the first impact of social media on soci­ety, it is about time to call for a new socio­cy­ber­net­ic forum to reflect on what we learned so far and the future perspectives. 

The antic­i­pat­ed dis­rup­tive poten­tials of dig­i­tal and social media unleashed on our soci­ety but the out­comes appear to be dark­er than what envi­sioned by schol­ars ten years ago. The entire indus­try is heav­i­ly con­cen­trat­ed in the hands of few orga­ni­za­tions (Face­book, Google, Ama­zon, Apple and Microsoft). Our medi­at­ed pri­vate and pub­lic con­ver­sa­tions increas­ing­ly take place on pow­er­ful plat­forms owned by pri­vate orga­ni­za­tions that, in a clas­sic feed­back loop, lever­age these data to tar­get adver­tise­ments tai­lored to our tastes and pref­er­ences. Con­tents on these plat­forms are sort­ed and fil­tered by pro­pri­etary algo­rithms that pri­or­i­tize most engag­ing con­tents. Traf­fic to news source is increas­ing­ly dri­ven by these algo­rithms and so are their rev­enues. For the first time in his­to­ry, a hand­ful of glob­al pri­vate orga­ni­za­tions are more pow­er­ful and rich than an entire coun­try. At the same time, their man­age­ment appears unable to address prob­lem­at­ic issues such as mis­in­for­ma­tion and dis­in­for­ma­tion spread­ing ram­pant on social media plat­forms and mes­sag­ing apps. The goal of mak­ing the “world more open and con­nect­ed” comes with unin­tend­ed con­se­quences. Bil­lions of peo­ple inter­act­ing in an unprece­dent­ed com­plex medi­at­ed dig­i­tal envi­ron­ment proved to be hard to gov­ern even for the own­er of the plat­form itself. 

Once again, the orig­i­nal issues of steer­ing and con­trol­ling at the roots of cyber­net­ics seems to be a core con­cept to under­stand a soci­ety where human beings increas­ing­ly inter­act through and with machines. The dialec­tic between con­trol of this plat­forms (and lack of there­of) is cen­tral to face some of the main chal­lenges of con­tem­po­rary soci­ety. The exploita­tion of behav­iours and indi­vid­ual choic­es, of con­tents gen­er­at­ed and shared by users feed the algo­rithms and cre­ate the inter­nal order. And, at the same time, the vari­ety pro­duced by indi­vid­u­als is used to increase the inter­nal com­plex­i­ty of the sys­tem itself. Vis­i­ble per­ma­nent pub­lic con­ver­sa­tions and inter­ac­tions are increas­ing­ly scru­ti­nized and ana­lyzed to get a real time pulse of the pub­lic opin­ion. As a result, these real time quan­ti­fied atten­tion indi­ca­tors become a tar­get worth to be hacked through unau­then­tic users and behav­iours aimed at inflat­ing likes, shares and reach­es of cer­tain con­tents and ideas. In a quin­tes­sen­tial exem­pli­fi­ca­tion of the effects of self-obser­va­tion in social sys­tems, the pub­lic opin­ion observed through the dis­tort­ed mir­ror of social media affects cit­i­zen opin­ions and behav­iors. The whole mis­in­for­ma­tion and dis­in­for­ma­tion issue filed under the “fake news” label calls into account the role played by the observ­er and the divi­sive­ness, point­ed out by Heinz von Foer­ster, brought by those claim­ing to speak the Truth. Claude Shannon’s orig­i­nal con­cept of infor­ma­tion as a func­tion of the prob­a­bil­i­ties help to explain why made up news tend to trav­el fast and spread quick­er than legit­i­mate news sto­ries. Fur­ther­more, Luhmann’s descrip­tion of the codes that dif­fer­en­ti­ate func­tion­al sys­tems in mod­ern soci­ety sup­ports the idea of a co-exis­tence of mul­ti­ple dif­fer­ent per­spec­tive that goes beyond the dis­tinc­tion between true and false (or the domain of the sys­tem of science). 

Vortrag bei Friedrich-Spee-Akademie, Bonn:
»Kolumbiens fragiler Frieden« (9.5.2019)

Nach dem Vor­trag von Michael Pae­tau am 20. April 2017 zum The­ma »Kon­flikt und Frieden­sprozess in Kolumbi­en« , war es bere­its die zweite Ver­anstal­tung, die die Friedrich-Spee-Akademie, Bonn« zum The­ma des Frieden­sprozess­es in Kolumbi­en durch­führte. Während es vor zwei Jahren vor allem um die Grund­la­gen des in Havan­na aus­ge­han­del­ten Friedensver­trages zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la ging, stand dies­mal die verän­derte poli­tis­che Sit­u­a­tion nach den Par­la­ments- und Präsi­dentschaftswahlen 2018 und die damit ver­bun­de­nen neuen Schwierigkeit­en bei der Umset­zung der Vere­in­barun­gen von Havan­na im Mit­telpunkt. Die bish­er ohne­hin schlep­pende Umset­zung des Friedens­abkom­mens zwis­chen der FARC-Gueril­la und der Regierung unter Präsi­dent Juan Manuel San­tos läuft Gefahr zu scheit­ern, da der neue Präsi­dent Iván Duque, der am 8. August 2918 sein Amt antritt, als Geg­n­er des Friedens­abkom­mens gilt. Ein weit­eres The­ma war die Men­schen­rechtssi­t­u­a­tion in dem >Land, die sich im Jahre 2018 drama­tisch ver­schärft hat.

Ref­er­ent: Dr. Michael Pae­tau (»Wis­senskul­turen e.V.« und »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, Bonn 
Datum: Don­ner­stag, den 9. Mai 2019, 19 Uhr
Ort: Kul­turs­tiftung Pfen­nigs­dorf, Pop­pels­dor­fer Allee 108, 53115 Bonn 

Einzel­heit­en ent­nehmen Sie bitte dem Pro­gramm der »Friedrich-Spee-Akademie« für das Som­merse­mes­ter 2019:
FSA-BONN-SoSe-2019

Vortrag bei ABK-Bonn:
»Der Friedensprozess in Kolumbien« (4.12.2018)

Auf Ein­ladung der »Arbeits­ge­mein­schaft für Bil­dung und Kul­tur Bonn und Umge­bung e.V« ABK-Bonn hielt Michael Pae­tau einen Vor­trag zum gegen­wär­ti­gen Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbi­en. Neben ein­er grundle­gen­den Ein­führung in die Inhalte des Friedens­abkom­mens von Havan­na und ein­er Betra­ch­tung der Ursachen des Gewaltkon­flik­tes, wurde die verän­derte poli­tis­che Sit­u­a­tion nach den Par­la­ments- und Präsi­dentschaftswahlen 2018 the­ma­tisiert. Des Weit­eren wurde auf die Men­schen­rechtssi­t­u­a­tion in dem Land einge­gan­gen, die sich im Jahre 2018 drama­tisch ver­schärft hat. 

Ref­er­ent: Dr. Michael Pae­tau (»Wis­senskul­turen e.V.« und »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, Bonn 
Datum: Dien­stag, den 4. Dezem­ber 2018, 19 Uhr
Ort: Vor­tragssaal der ABK, Am Kur­park 7, 53175 Bonn 

Einzel­heit­en ent­nehmen Sie bitte dem Pro­gramm der ABK für Novem­ber und Dezem­ber 2018:
ABK-Aktuell‑3–2018

Dritter Block der Filmreihe zum kolumbianischen Friedensprozess
(12. — 14. 11. 2018)

Der dritte Block unser­er Film­rei­he zur Unter­stützung des kolumbian­is­chen Frieden­sprozess­es beste­ht aus vier Fil­men, die an drei Tagen hin­tere­inan­der gezeigt werden:

  • Mon­tag, den 12. Novem­ber 2018, 20 Uhr:
    »Hell in Par­adise« (Die Hölle im Paradies. Kolumbi­en: Die bluti­gen Spuren der Ölpalme«,
    Regie: Frank Gar­be­ly, Schweiz 2009 (wir zeigen die englis­chsprachige Ver­sion des Films)
  • »Fron­tera Invis­i­ble«, Regie: Nicolás Richat & Nico Muzi, Kolumbi­en 2016, OmeU,

»Sie wollen ihr Land zurück. Viele kolumbian­is­che Klein­bauern wur­den ille­gal enteignet und ver­trieben durch Groß­grundbe­sitzer, die vom weltweit­en Boom von Palmöl prof­i­tieren woll­ten. Der Film lässt die Klein­bauern erzählen und doku­men­tiert die Zer­störung des sozialen und natür­lichen Lebensraumes.«

     

  • Dien­stag, den 13. Novem­ber 2018, 20 Uhr:
    »Ciro y Yo«, Regie: Miguel Salazar, Kolumbi­en 2018, OmeU,

»Wie es ist, zwis­chen alle Akteure des Krieges zu ger­at­en, erzählt die Geschichte von “Ciro”, einem kolumbian­is­chen Klein­bauern. Er wurde von seinem Land ver­trieben, ver­lor zwei sein­er Söhne und seine Frau. Er ste­ht beispiel­haft für die ca. 8 Mil­lio­nen Ver­triebe­nen dieses Krieges. Im Insti­tu­tio­nend­schun­gel der kolumbian­is­chen Haupt­stadt Bogo­ta bemüht er sich um die von der Regierung ver­sproch­ene neue Wohnung.«

     

  • Mittwoch, den 14. Novem­ber 2018, 20 Uhr:
    »Los Col­ores de la Mon­taña«, Regie: Car­los Cesar Arbe­laez, Kolumbi­en 2012, OmeU,

»Wenn Gewalt zum All­t­ag wird. Manuel ist 9 Jahre alt und lebt in einem kolumbian­is­chen Dorf. Er möchte Fußball­star wer­den. Und spielt deshalb lei­den­schaftlich gerne mit seinen Fre­un­den draußen Fußball. Manuel lebt mit der ständi­gen Bedro­hung und den trau­ri­gen Fol­gen des Krieges, zwis­chen dessen Fron­ten er aufwächst und vom Leben träumt.«

 


(Foto: Fron­tera Invisible)

 

Alle Filme wer­den im Kino in der Brot­fab­rik gezeigt. Im Anschluss an die Vor­führung ste­hen die Regisseur*innen bzw. Pro­tag­o­nis­ten per Videokon­ferenz für eine Diskus­sion zur Verfügung.

Flyer zum Download:

»Das Flüstern des Jaguars«

Ab 4. Okto­ber 2018 kommt der deutsch-kolumbian­isch-brasil­ian­is­che Film »Das Flüstern des Jaguars« (Orig­i­nal-Titel: »O Sus­sur­ro do Jaguar«) in die deutschen Kinos. Der Film hat­te seine Wel­tur­auf­führung  2017  bei der Doc­u­men­ta 14 in Kas­sel und wurde bei den Film­fest­spie­len in Carta­ge­na de Indias  (FICCI 58)  2018 als Film mit der besten Regie aus­geze­ich­net. Seine Pro­duk­tion hat­te WISSENSKULTUREN mit eige­nen Pro­jek­t­för­der­mit­teln unter­stützt. Wir grat­ulieren dem brasil­ian­is­chen und deutsch-kolumbian­is­chen Regisseur*innen-Duo Thais Guisas­o­la und Simon(e) Jaikir­i­u­ma Pae­tau zu dem Erfolg des Films und freuen uns über seinen Kinos­tart in Deutschland.

In Bonn wird der Film am 7. Okto­ber 2018 gezeigt  (WOKI)  und in Köln vom 03.- 08. Novem­ber  (Film­palette)  im Rah­men von KINO LATINO.  (Sämtliche Ter­mine sind weit­er unten aufge­lis­tet) Ein Trail­er kann hier ange­se­hen werden.

Das Flüstern des Jaguars ist ein Queer-Punk-Road­movie, das ent­lang des Ama­zonas spielt und sich mit indi­gen­em Wis­sen und der Erfahrung von Trancezustän­den durch medi­zinis­che Pflanzen beschäftigt. Queer­ness wird hier­bei nicht nur als The­ma ver­standen, son­dern als eine Methodik,als ein spez­i­fis­ch­er kine­matographis­ch­er Blick, als eine Per­spek­tive, die einen Bruch vol­lzieht mit dem dominieren­den het­ero­nor­ma­tiv­en Nar­ra­tiv und den lin­earen Prozessen, wie sie im Kino von heute üblich sind. Durch diesen queeren Blick geht der Film nicht nur The­men wie Gen­der und sexu-elle Iden­tität an, son­dern konzen­tri­ert sich darüber hin­aus auf den Zugang zu einem Ur- Wis­sen durch indi­gene Heilpflanzen, Tot, Jugend und Poli­tik. Der Film etabliert einen Dia­log zwis­chen Geschicht­en der Kolo­nial­isierung, Mod­ernisie- rung, Umweltzer­störung und Jaguaren inner­halb aktueller brasil­ian­is­ch­er und lateinameri- kanis­ch­er poli­tis­ch­er Landschaft.

Die kolumbian­is­che Zeitschrift ARCADIA schreibt in ein­er Rezen­sion: »Dieses Road­movie, das im Ama­zonas spielt, ist eben­so sen­si­bel für Queer­ness, wie auch für Punk und erzählt die Geschichte eines jun­gen Mäd­chens, Ana, die die Asche ihres Brud­ers, eines Aktivis­ten, bei sich trägt. Auf dem Weg wird sie kon­fron­tiert mit ihrem eige­nen Ego, Tod, der poli­tis­chen und ökol­o­gis­chen Land­schaft, dem Hybri­den, dem Indi­ge­nen, dem Postkolo­nialen, dem Ver­lust und natür­lich mit den Jaguaren.« (Arca­dia, 05. 03. 2018)

Ter­mine in Anwe­sen­heit der Regisseur*in und Darsteller*in Simon(e) Jaikir­i­u­ma Pae­tau (alle Filme OmU):

  • 04. Okto­ber (Kinos­tart) // Wolf Kino // Berlin 
  • 07. Okto­ber // Woki // Bonn 
  • 08. Okto­ber // Orfeos Erben // Frank­furt am Main 
  • 09. Okto­ber // Union Filmthe­ater // Berlin 
  • 10. Okto­ber // Baby­lon // Berlin 
  • 15. Okto­ber // Lod­der­bast // Hannover 
  • 29. Okto­ber // Casablan­ca Filmkun­stthe­ater // Nürnberg 
  • 03.- 08. Novem­ber // Film­palette // Köln (im Rah­men von KINO LATINO
  • TBA // Aba­ton // Hamburg 

Weit­ere Start­ter­mine ohne Anwe­sen­heit der Regisseur*in

  • ab 04.Oktober // Luru Kino in der Spin­nerei // Leipzig 
  • ab 18. Okto­ber // Werk­stat­tki­no // Münche 

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