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Bonner Friedenswoche: Frieden und Wahrheit — Kolumbien

Im Rah­men der Bon­ner Frieden­stage, die vom 31. Agust bis 30. Sepet­mebr 2021 stat­tfind­en, laden wir, das »Zen­trum für Wis­senskul­turen«, das Kollek­tiv »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en«, »KOLKO — Men­schen­rechte für Kolumbi­en e.V.« und der für Deutsch­land zuständi­ge Net­z­knoten der kolumbian­is­chen Wahrheit­skom­mis­sion (Nodo Ale­ma­nia) Sie zu ein­er Ver­anstal­tung (Online-Vor­trag und Diskus­sion) ein zum Thema:

Frieden und Wahrheit: Kolumbianische Diaspora in Deutschland

Mittwoch, den 29.09.21, 18:30 Uhr, via Zoom
Ver­anstal­ter: »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« in Zusam­me­nar­beit mit »KOLKO — Men­schen­rechte für Kolumbi­en e.V.« und der kolumbian­is­chen Wahrheit­skom­mis­sion (Nodo Alemania)

Das Sys­tem der Über­gangsjus­tiz in Kolumbi­en, das mit dem 2016 unterze­ich­neten Frieden­sprozess zwis­chen der FARC-Guer­ril­la und der kolumbian­is­chen Regierung geschaf­fen wurde, umfasst unter anderem eine Wahrheit­skom­mis­sion. Diese Ein­rich­tung hat die Opfer, Täter:innen und Zeug:innen des kolumbian­is­chen Kon­flik­ts – auch im Exil – ange­hört. Sie hat die Auf­gabe zu unter­suchen, was passiert ist, warum, wie es sich auf die jew­eili­gen Gemein­schaften aus­gewirkt hat. Außer­dem entwick­elt sie Vorschläge, was getan wer­den muss, um ein­er Wieder­hol­ung vorzubeu­gen. Die Ergeb­nisse und Schlussfol­gerun­gen wer­den noch in diesem Jahr in einem Bericht vorgestellt. 

In Deutsch­land wird die Kom­mis­sion durch eine Arbeits­gruppe »Nodo Ale­ma­nia« unter­stützt. Jua­na Cor­ral und Chris­tiane Schwarz, zwei ihrer Mit­glieder wer­den uns von dieser außergewöhn­lichen Erfahrung berichten.

Um Anmel­dung wird bis zum 27. Sep­tem­ber 2021 gebeten unter: colpaznrw@riseup.net
Die Zugangs­dat­en erhal­ten Sie per Mail am 28. Sep­tem­ber 2021 

Das voll­ständi­ge Pro­gramm der Bon­ner Frieden­stage ist hier abruf­bar: pzkb.de/bonner-friedenstage.de

Gewaltexzesse durch Polizei
bei Protestaktionen in Kolumbien

»Apoye­mos el dere­cho de sol­da­dos y pocí­cia de uti­lizar sus armas para defend­er su inte­gri­dad y para defend­er a las per­sonas y bienes …« (»Unter­stützen wir das Recht der Sol­dat­en und Polizei, ihre Waf­fen zu benutzen, um ihre Integrität zu vertei­di­gen und um Men­schen und Eigen­tum zu schützen …«). Mit diesem Twit­ter — der mit­tler­weile gelöscht wurde — hat Expres­i­dent und ultra­rechter Scharf­mach­er des »Cen­tro Demo­c­ra­ti­co« Alvaro Uribe gehörig Öl in die Flam­men deŕ Auseinan­der­set­zun­gen um den nationalen Streik vom Mittwoch ver­gan­gener Woche, dem 28. April 2021, gegossen. Und diese Flam­men loderten hoch.

Am 28. April sind Tausende von Kolumbian­ern in allen Städten des Lan­des auf die Straße gegan­gen, um gegen eine von der Regierung Duque geplante Steuer­reform zu protestieren. Eine Steuer­reform, die vor allem diejeni­gen Bere­iche bet­rifft, denen sich — wie die Mehrw­ert­s­teuer auf Lebens­mit­tel — nie­mand entziehen kann, ins­beson­dere nicht diejeni­gen, die nahezu ihr gesamtes Einkom­men für Grund­nahrungsmit­tel aus­geben müssen. Und diese Steuer­reform sollte mit­ten in der Pan­demie durchge­set­zt wer­den, in ein­er Zeit also, die großen Teilen der Bevölkerung ihre Lebens­grund­la­gen zer­stört hat.

Die Proteste ver­liefen zunächst größ­ten­teils friedlich (zum Teil aus­ge­lassen, wie dieses Video zeigt), wur­den dann jedoch von ein­er Ran­dale provozieren­den Min­der­heit zu van­dal­is­tis­chen Aktio­nen aus­genutzt. Ob hier wieder — wie bei ver­gan­genen Demon­stra­tio­nen nachgewiesen wer­den kon­nte — Agents Provo­ca­teurs im Spiel waren, lässt sich im Moment nicht sagen. Klar ist aber, dass die Polizei mit unver­hält­nis­mäßiger Gewal­tan­wen­dung ein­griff und sich nicht davor scheute, Demon­tra­tionsteil­nehmern tödliche Ver­let­zun­gen beizubrin­gen, wie das hier ver­link­te Video, dass über Twit­ter veröf­fentlicht wor­den war, zeigt, wie ein gepanz­ert­er Wagen der Polizei rück­sicht­los in die Men­schen­menge hineinrast: 

Auch von der Schuss­waffe wurde grund­los Gebrauch gemacht, wie viele Videoauf­nah­men in den sozialen Medi­en zeigen; in beson­ders extremer Weise das hier gezeigte Video, das den Ein­druck ein­er öffentlichen Hin­rich­tung vermittelt.

Zu bekla­gen sind min­destens 26 Tote, mehr als 400 ver­let­zte, zum Teil ver­stümelte Men­schen. 700 Per­so­n­en wur­den ver­haftet. Über­liefert sind Gewal­tan­wen­dun­gen gegenüber den Ver­hafteten, 10 Frauen berichteten von Verge­wal­ti­gun­gen, min­destens 56 Häftlinge sind seit Tagen ver­schwun­den und die Polizei gibt keine Auskün­fte über ihren Verbleib. Außer­dem wur­den zahlre­iche willkür­liche Haus­durch­suchun­gen durchgeführt.

Die sozialen Medi­en waren in den let­zten Tagen voll von ersck­reck­enden Bericht­en, Fotos und Videos. Viele sind mit­tler­weile gelöscht wor­den. Das rück­sicht­slose Vorge­hen der staatlichen Sicher­heit­skräfte hat sowohl die UNO als auch die Europäis­che Union zu Protest­noten ver­an­lasst. So twit­tert UNHCR heute: “We are deeply alarmed at devel­op­ments in the city of #Cali in #Colom­bia overnight, where police opened fire on demon­stra­tors protest­ing against tax reforms, report­ed­ly killing & injur­ing a num­ber of peo­ple. State author­i­ties must pro­tect human rights”.

Dass die Regierung Duque, vor zwei Tagen die Steuer­reform­pläne zurück­ge­zo­gen hat, scheint im Angesichts der fürchter­lichen Ereignisse der let­zten Tage und der immer ersck­reck­enderen­den Men­schrecht­slage in Kolumbi­en nur noch eine Rand­no­tiz zu sein.

Angesichts der sich zus­pitzen­den Sit­u­a­tion wird für Fre­itag, den 7. Mai 2021 zu ein­er Kundge­bung aufgerufen:

  • Zeit­punkt: Fre­itag, 7. Mai 2021 um 14 Uhr 
  • Ort: Bonn, Platz der Vere­in­ten Nationen