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Zur Auseinandersetzung um Paul von Hindenburg: »Die Macht des Mythos: “Ehre wem Ehre gebührt”?!« (15.6.2013)

Anlässlich der Auseinan­der­set­zung um den früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg als Ehren­bürg­er und Namenspa­tron in der Bun­desstadt Bonn (s. unten), hat­ten wir zu zwei Infor­ma­tions- und Diskus­sionsver­anstal­tun­gen ein­ge­laden. Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den gemein­sam vom NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln und Wis­senskul­turen e.V., Bonn, durchge­führt. Der Fly­er für bei­de Ver­anstal­tun­gen liegt hier zum Down­load bere­it. Die Ver­anstal­tun­gen fand an fol­gen­den Tagen statt:

  • Mittwoch 5. Juni 2013: “Die Macht des Mythos: Paul von Hin­den­burg in der deutschen Öffentlichkeit” mit Anna von der Goltz (George­town Uni­ver­si­ty Wash­ing­ton), um 19:00 Uhr, NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln (EL-DE-Haus), Appell­hof­platz 23–25, 50667 Köln, und
  • Sam­stag 15. Juni 2013: “ ‘Ehre, wem Ehre gebührt’?! Hin­den­burg als Namenspa­tron”, ein Work­shop mit Arbeits­grup­pen zu drei The­men der Auseinan­der­set­zung, um 14:30 Uhr, MIGRApo­lis Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111 Bonn.

Der Vor­trag von Anna von der Goltz am 5. Juni 2013 beleuchtete die Selb­st- und Fremdzuschrei­bun­gen Paul von Hin­den­burgs in der deutschen Öffentlichkeit 1914–1934. Die Ref­er­entin ist Assis­tant Pro­fes­sor für Deutsche Geschichte an der George­town Uni­ver­si­ty in Wash­ing­ton. 2008 erhielt sie den Ernst-Fraenkel-Preis für ihre Studie zum Hin­den­burg-Mythos; 2009 erschien ihr Buch „Hin­den­burg: Pow­er, Myth, and the Rise of the Nazis“ bei Oxford Uni­ver­si­ty Press.

Im Zen­trum der Ver­anstal­tung am 15. Juni 2013, ste­hen drei The­men­bere­iche, die in Arbeits­grup­pen behan­delt wur­den:

  • AG 1: „Straßenkämpfe”? Prak­tis­che Erfahrun­gen mit lokalen Kon­flik­ten um Straßenum­be­nen­nun-
    gen. Am Beispiel der Kon­tro­verse um den Hin­den­burg­platz in Mün­ster. Impul­srefer­at von Michael Sturm, Geschicht­sort Vil­la ten Hom­pel der Stadt Mün­ster.
  • AG 2: Der Gefre­ite Hitler als Tes­ta­mentsvoll­streck­er Hin­den­burgs.
    Impul­srefer­at von Dr. Arnold Mau­r­er, Lehrer der Bon­ner Elis­a­beth-Sel­bert-Gesamtschule an der
    Hin­den­bur­gallee, die eine Schü­lerini­tia­tive zur Umbe­nen­nung der Straße ges­tartet hat­te.
  • AG 3: „Wirk­mächtigkeit des Mythos“. Was verbindet Hin­den­burg, Sar­razin und den NSU?
    Impul­srefer­at von Dr. Thomas Kaut, Wis­senskul­turen e.V.
  • Anschließend erfol­gte eine Zusam­men­fas­sung und Diskus­sion im Plenum.
    Mod­er­a­tion: Dr. Michael Pae­tau und Gerd Pütz

Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den von der Info- und Bil­dungsstelle gegen Recht­sex­trem­is­mus im NS-DOK der Stadt Köln, dem Min­is­teri­um für Fam­i­lie, Kinder, Kul­tur und Sport des Lan­des Nor­drhein-West­falen sowie vom Bun­desmin­is­teri­um für Fam­i­lie, Senioren, Frauen ud Jugend im Rah­men des Bun­de­spro­gramms “TOLERANZ FÖRDERNKOMPETENZ STÄRKEN” gefördert.
Zum Down­load:
Fly­er der Ver­anstal­tungsrei­he “Die Auseinan­der­set­zung um Paul von Hin­den­burg”

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Veranstaltungsreihe Kolumbien (III):
Deutsch-Kolumbianische Theaterproduktion:
»Wiedergutmachung — Innehalten um weitergehen zu können.
Eine lebendige Ausstellung« (6.6.2013)

Nach mehr als 50 Jahren Bürg­erkrieg in Kolumbi­en find­en seit eini­gen Monat­en Friedensver­hand­lun­gen statt. Was es heißt, in diesem zer­ris­se­nen Land von Gerechtigkeit und Wiedergut­machung zu sprechen, brin­gen die Kün­stler des the­ater­päd­a­gogis­chen Pro­jek­ts des Zivilen Friedens­di­en­stes (Arbeits­ge­mein­schaft für Entwick­lung­shil­fe e.V. (AGEH)), der “Cor­po­ración Juridi­ca Lib­er­tad” und des Kollek­tivs “Bar­racu­da Carmela” in ein­er mul­ti­me­di­alen Insze­nierung zum Aus­druck. In dem The­ater­stück treten die Kün­stler Inge Kleut­gens, Catali­na Med­i­na und Felipe Ver­gara als “lebende Bilder” in einen Dia­log mit den Werken des kolumbian­is­chen Malers Sanchez Caballero auf. Sie lei­hen den Bildern ihre Kör­p­er und ihre Stim­men. Das Stück ver­mit­telt eine andere Form der Reflex­ion des gegen­wär­ti­gen sozialen und poli­tis­chen Kon­flik­ts in Kolumbi­en. Es wird in spanis­ch­er und deutsch­er Sprache aufge­führt. Spanis­che Texte wer­den ins Deutsche über­set­zt. Details zu der Ver­anstal­tung lassen sich hier im Fly­er. nach­le­sen.

Ver­anstal­ter sind das Inter­na­tionale Frauen­zen­trum Bonn und die terre des hommes Gruppe/Bonn in Koop­er­a­tion mit dem Bon­ner Net­zw­erk für Entwick­lung, dem Ibero-Club Bonn e.V., der Deutschen Gesellschaft für Inter­na­tionale Zusam­me­nar­beit (GIZ) GmbH, dem Frauen­net­zw­erk für Frieden, dem Lateinameri­ka Zen­trum Bonn, der Infor­ma­tion­sstelle Lateinameri­ka (ILA), der Amnesty Inter­na­tion­al Hochschul­gruppe Bonn und dem Vere­in Wis­senskul­turen e.V. Die The­ater­tournee wird gefördert von: Brot für die Welt, Mis­ere­or und der AGEH.

Zum Down­load:
Fly­er der Ver­anstal­tung in Bonn am 6. Juni 2013

Bürgerausschuss fordert ein klares Zeichen des
Bonner Stadtrates gegen Hindenburg

Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur.” (Paul von Hin­den­burg)

Der von unserem Vere­in an den Rat der Bun­destadt Bonn gestellte Antrag, dem früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg die ihm während der Naz­i­herrschaft ver­liehene Ehren­bürg­er­würde der Stadt Bonn posthum zu entziehen, wurde am 29.11.2012 erneut im Bürg­er­auss­chuss berat­en. Lei­der kon­nten sich auch dies­mal die Bürg­er der Stadt Bonn nicht an der Debat­te beteili­gen. Und wieder wurde die Hoff­nung ent­täuscht, dass die poli­tisch Ver­ant­wortlichen dieser Stadt ein deut­lich­es poli­tis­ches Sig­nal aussenden wür­den. Aber immer­hin wurde mehrheitlich beschlossen, dem Rat der Stadt Bonn die Ver­ab­schiedung ein­er Res­o­lu­tion zu empfehlen, in der die 1933 von den Nazis durchgepeitschte Ernen­nung Hin­den­burgs zum Ehren­bürg­er posthum für null und nichtig erk­lärt wird. Und dass es hier­für gute Gründe gibt, zeigt nicht nur die Rolle Hin­den­burgs in der Weimar­er Repub­lik (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von M. Pae­tau), son­dern auch die Art und Weise, in der diese Ehrung 1933 zus­tande gekom­men war (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von T. Kaut).

Wir hat­ten in unserem Antrag gefordert, Hin­den­burg die Ehren­bürg­er­würde abzuerken­nen sowie den Hin­den­burg­platz in Dot­ten­dorf und die Hin­den­bur­gallee in Bad-Godes­berg umzuben­nen. In der Begrün­dung unseres Antrags heißt es u.a.: “Der frühere Reich­spräsi­dent Hin­den­burg muss auf­grund der gegen­wär­ti­gen wissenschaftli­chen Erken­nt­nisse als ver­häng­nisvolle Unheils­gestalt der deutschen Geschichte erachtet wer­den.” In dem Antrag heißt es weit­er: “In ein­er Sit­u­a­tion, in der die demokratis­che Öffentlichkeit nach Wegen und Mit­teln gegen recht­sex­trem­istis­chen Ter­ror und die Ver­bre­itung nation­al­sozial­is­tis­chen Gedankengutes sucht, ist die Ehren­bürg­er­schaft für einen Weg­bere­it­er des NS-Regimes, der wie kaum eine andere Per­son für Demokratiefeindlichkeit und nationale Über­he­blichkeit ste­ht, ein Affront gegenüber den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und gegenüber allen Men­schen, die sich gegen Ras­sis­mus und Neon­azis mutig zur Wehr set­zen. Mit diesem Antrag möcht­en wir den guten Namen der ehe­ma­li­gen Bun­de­shaupt­stadt und jet­zi­gen Bun­desstadt Bonn als ein­er weltof­fe­nen und tol­er­an­ten UN-City, die Men­schen aus allen Län­dern und Kul­turen willkom­men heißt, schützen und vertei­di­gen.”

Doku­mente zum Down­load:

Constanza Paetau mit den Rheinlandtaler ausgezeichnet

Über die Ver­lei­hung des Rhein­land­talers an unser Mit­glied Con­stan­za Ruiz de Pae­tau haben wir uns sehr gefreut. Mit dem Rhein­land­taler zeich­net der Land­schaftsver­band Rhein­land seit 1975 jedes Jahr Per­sön­lichkeit­en aus, die sich in beson­der­er Weise um die kul­turelle Entwick­lung des Rhein­lan­des ver­di­ent gemacht haben. 2013 wurde unser Vere­ins­mit­glied Con­stan­za Pae­tau “für Ver­di­en­ste um das multi­na­tionale Zusam­men­leben und friedliche Miteinan­der zwis­chen einzel­nen Völk­er­grup­pen auf kul­turellem Gebi­et im Rhein­land” mit dieser Ausze­ich­nung geehrt. Con­stan­za Pae­tau war 1999 Grün­dungsmit­glied und langjährige Vor­sitzende des Inter­na­tionalen Frauen­zen­trums Bonn (IFZ), in dem Frauen aus Europa, Afri­ka, Ameri­ka und Asien engagiert sind und das sich als Ort interkul­tureller Begeg­nung ver­ste­ht. “Sie helfen den Frauen, sich in der neuen Heimat einzuleben und ermuti­gen sie, sich zu engagieren und selb­st aktiv zu wer­den”, hob der Vor­sitzende der Land­schaftsver­samm­lung Rhein­land, Pro­fes­sor Dr. Jür­gen Wil­helm in sein­er Lau­da­tio her­vor.

In Ihrer Dankesrede sagte Con­stan­za Pae­tau u.a.:

Wir müssen uns alle für die neue Vielfalt öff­nen und dabei Vielfalt nicht nur bezo­gen auf Eth­niz­ität begreifen, son­dern auf neue Lebens­for­men und Anschau­un­gen. Und wenn wir es gemein­sam schaf­fen, unsere eige­nen Bar­ri­eren abzubauen und eine Kul­tur der Wertschätzung von Unter­schiedlichkeit zu etablieren, nur so wird unsere Gesellschaft wirk­lich tol­er­an­ter wer­den und es wird ein „Wir Gefühl“ geschaf­fen, das von allen Mit­glieder der Gesellschaft getra­gen wird. Ein „Wir-Gefühl“, das heute von Per­so­n­en mit Migra­tionsh­in­ter­grund häu­fig ver­misst wird.” (Con­stan­za Pae­tau in ihrer Dankesrede)

Weit­ere Infor­ma­tio­nen zur Ver­anstal­tung des Rhein­land­talers 2013:

Veranstaltungsreihe Kolumbien (II): »Der Kampf um die
Selbstbehauptung der indigenen und afrokolumbianischen
Bevölkerung im Chocó« (6.6.2012)

Ver­anstal­tung mit Ulrich Koll­witz und Ursu­la Holzapfel, “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Kolumbi­en, die über die Auseinan­der­set­zun­gen um Selb­st­be­haup­tung und Men­schen­rechte im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Chocó berichteten. (Mittwoch, den 6. Juni 2012, Räu­men des Haus­es Migrapo­lis, Brüder­gasse 16–18 , 53111 Bonn)

Wie bere­its auf unser­er ersten Ver­anstal­tung zu Kolumbi­en im Okto­ber 2010 aus­führlich dargestellt, ist die Sit­u­a­tion im Chocó seit vie­len Jahren durch Zer­störung der Umwelt, zunehmende poli­tis­che Kor­rup­tion sowie ständi­ge Gewalt von Paramil­itärs, reg­ulär­er Armee und Gueril­la gegen die haupt­säch­lich afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Gemein­schaften geprägt. Die Diözese Quib­dó und die NGO Human Rights Every­where führen seit Jahren Pro­jek­te zur Unter­stützung der Selb­st­be­haup­tung dieser Gemein­schaften auf kollek­tiv­en Landbe­sitz und zur Vertei­di­gung ele­mentar­er Men­schen­rechte durch und ver­fü­gen deshalb über erstk­las­sige Infor­ma­tio­nen über die dor­tige Sit­u­a­tion. Mit unser­er Ver­anstal­tung wollen wir über die Sit­u­a­tion im Chocó informieren und das Engage­ment der Men­schen in diesen Pro­jek­ten unter­stützen. Als Ref­er­enten unser­er Infor­ma­tions- und Sol­i­dar­itätsver­anstal­tung kon­nten wir wieder — wie schon vor anderthalb Jahren — Ulrich Koll­witz, den Vertreter der Diözese, gewin­nen,  die bei­de in lebendi­ger Weise über Land, Men­schen und den Kampf für soziale Gerechtigkeit berichteten.

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Arbeitskreis »Wissensallmende und Neue Medien«
(Sommersemester 2012)

Com­mons bieten uns die Möglichkeit, die Dinge so beim Namen zu nen­nen, dass wir nicht blin­d­lings die Fik­tio­nen der alten Ord­nung wieder­holen.” (S. Hel­frich & D. Bol­lier: Com­mons als trans­for­ma­tive Kraft, Biele­feld 2012)

Die Diskus­sion um die Entwick­lungschan­cen der soge­nan­nten “Wis­sensall­mende” ist einge­bet­tet in die generellere Diskus­sion um Geme­ingüter bzw. die “Com­mons”. Durch die Ver­lei­hung des Nobel­preis­es für Wirtschaft im Jahre 2009 an Eli­nor Ostrom hat diese Diskus­sion einen enor­men Auf­schwung genom­men. Im AK »Wis­sensall­mende« befassen wir uns mit der Frage, was ist eine Wis­sensall­mende, wie kön­nte sie genau ausse­hen und welche Über­lebens­möglichkeit hätte sie in ein­er Welt, die durch die Hege­monie ein­er waren­pro­duzieren­den, und damit an der Schaf­fung von Mehrw­ert ori­en­tierten Gesellschaft geprägt ist. Wir begin­nen mit einem Aus­flug in die Geschichte und fra­gen: welche Bedeu­tung hat die All­mende in früheren Epochen des Feu­dal­is­mus und des auf­streben­den Indus­triekap­i­tal­is­mus tat­säch­lich gespielt. Wie kön­nte die Utopie ein­er Wis­sensall­mende ausse­hen? Und in welchem Ver­hält­nis ste­hen Imma­te­ri­al­güter (wie z.B. Wis­sen) und materielle Güter (z.B. Pro­duk­te, in denen hochkom­plex­es Wis­sen inko­r­pori­ert ist)?

Arbeitskreis »Mythos Hindenburg«
(Wintersemester 2011/2012)

Ich schei­de von meinem deutschen Volk in der fes­ten Hoff­nung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Jan­u­ar 1933 führte, zu voller Erfül­lung und Vol­len­dung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.” (Tes­ta­ment P.v. Hin­den­burgs, S. 6 f.) )

In dem Arbeit­skreis wird der immer noch zu beobach­t­ende Mythos, der mit der Per­son Paul von Hin­den­burg ver­bun­den ist, mit seinen Hand­lun­gen und sein­er Rolle als aggres­siv­er Mil­i­tarist im 1. Weltkrieg, bei der Zer­störung der Weimar­er Repub­lik und im Rah­men der Machtüber­tra­gung an den Nation­al­sozial­is­mus behan­delt. Darüber hin­aus fra­gen wir uns aber auch nach der Wirk­mächtigkeit des Mythos Hin­den­burg und die generelle Funk­tion der­ar­tiger Mythen­bil­dung im Kon­text der aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen mit Recht­sex­trem­is­mus und Ras­sis­mus.

Arbeitskreis »Wissensgeschichte des Liberalismus«
(Sommersemester 2011)

Es ist schon eige­nar­tig, dass diesel­ben Leute, die in geschlif­f­enene Worten von poli­tis­ch­er Frei­heit sprechen und das Recht auf Steuer­erhe­bung für ein unveräußer­lich­es Men­schen­recht hal­ten, keine Skru­pel haben, einen Großteil ihnen ähn­lich­er Geschöpfe Bedin­gun­gen zu unter­w­er­fen, in denen diese nicht nur allen Eigen­tums, son­dern auch fast aller Rechte beraubt sind.” (John Mil­lar, schot­tis­ch­er Aufk­lär­er 1771)

Der AK »Wis­sens­geschichte des Lib­er­al­is­mus« des Vere­ins »Wis­senskul­turen e.V.« beschäftigt sich mit den philosophis­chen Grund­la­gen, der Her­aus­bil­dung des freien Welthandels und die Entwick­lung Eng­lands zur dom­i­nan­ten Welt­macht im 18. Jahrhun­dert, die Auseinan­der­set­zun­gen inner­halb des Lib­er­al­is­mus im Zusam­men­hang mit der amerikanis­chen Rev­o­lu­tion, über Sklaven­han­del und Sklaven­hal­tung in den USA und den europäis­chen Kolonien sowie über die Leibeigen­schaft in Europa selb­st. Wir wollen auch die Bedeu­tung lib­eralen Denkens in der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion und danach unter­suchen, die Auswirkun­gen auf die Unab­hängigkeits­be­we­gung in Südameri­ka, sowie die Rolle des Lib­er­al­is­mus im Zusam­men­hang mit der deutschen und ital­ienis­chen Nation­al­be­we­gung des 19. Jahrhun­derts. Betra­ch­tun­gen zur zeitweili­gen Zurück­drän­gens lib­eralen Denkens in der ersten Hälfte des 20. Jahhrun­derts und sein­er erneuten Durch­set­zung in der zweit­en Hälfte des 20. Jah­hun­derts run­den das Pro­gramm dieses Arbeit­skreise ab.

Veranstaltungsreihe Kolumbien (I): »Choco — Der Kampf um die Menschenrechte in Kolumbien« (25.10.2010)

Dieser Vor­trag von Ulrich Koll­witz, “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Kolumbi­en, war der Auf­takt zu ein­er Rei­he von Ver­anstal­tun­gen zum The­men­schw­er­punkt “Kolumbi­en”, die wir in den fol­gen­den Jahren in los­er Rei­hen­folge durch­führen. Ulrich Koll­witz berichtete über die Sit­u­a­tion der Men­schen­rechte in Kolumbi­en und die Arbeit der Equipo Misionero im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Chocó. (Mon­tag, den 25. Okto­ber 2010, im Bon­ner Insti­tut für Migra­tions­forschung und Interkul­turelles Ler­nen (BIM) e.V., Thomas-Mann-Str. 1, 53111 Bonn)

Im Depar­ta­men­to Chocó, im kolumbian­is­chen Regen­wald zwis­chen Paz­i­fik- und Atlantik im Nor­den Südamerikas gele­gen, haben Megapro­jek­te der kolumbian­is­chen Regierung und nor­damerikanis­ch­er Inter­es­sen­grup­pen zu mas­siv­en sozialen Auseinan­der­set­zun­gen, begleit­et von Land­vertrei­bung und Ver­ar­mung der ansäs­si­gen afro-kolumbian­is­chen und indi­ge­nen Gemein­schaften geführt. Paramil­itärische Grup­pen, die teil­weise offen von den reg­ulären Stre­itkräften unter­stützt wer­den, und linke Gueril­la­grup­pen liefern sich eine erbit­terte mil­itärische Auseinan­der­set­zung, unter der vor allem die Zivil­bevölkerung zu lei­den hat. Einige Gemein­schaften ver­suchen sich gegen diese Spi­rale der Gewalt zur Wehr zu set­zen. Sie ver­suchen, durch sol­i­darisches Han­deln die sozialen und gesellschaftlichen Bedin­gun­gen für ein selb­st­bes­timmtes Leben in Frieden und Frei­heit zu entwick­eln. In seinem beein­druck­enden Vor­trag, der von vie­len Fotos der Land­schaft und des sozialen Lebens in dieser imponieren­den Region unter­stützt wurde, berichtete Ulrich Koll­witz von diesem Ver­suchen und wie die “Equipo Misionero Vida Jus­ti­cia y Paz” die Gemein­schaften in ihrem Über­leben­skampf zu unter­stützen.

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Arbeitskreis »Am Kreuzweg der Wissensordnung«
(Wintersemester 2010/2011)

A Spec­tre is haunt­ing multi­na­tion­al cap­i­tal­ism – the spec­tre of free infor­ma­tion. All the pow­ers of ‘glob­al­ism’ have entered into an unholy alliance to exorzise this spec­tre (…) Througout the world the move­ment for free infor­ma­tion announces the arrival of a new social struc­ture, born of the trans­for­ma­tion of bour­geois indus­tri­al soci­ety by the dig­i­tal tech­nol­o­gy of its own inven­tion.” (Eben Moglen: The dot­Com­mu­nist Man­i­festo 2003)

In dem Arbeit­skreis stellen wir uns die Frage: “was ist eigentlich das Rev­o­lu­tionäre” bzw. »Eamnzi­pa­torische« an der soge­nan­nten “dig­i­tal­en Rev­o­lu­tion”? Wer sind die Sub­jek­te dieser Trans­for­ma­tion und was ist ihr Gegen­stand? Wir knüpfen an die Beobach­tung an, dass die Wis­sens­for­ma­tion der Gesellschaft sich insofern an einem Kreuzweg befind­et, als gegen­wär­tig Weichen­stel­lun­gen erfol­gen, die darüber entschei­den, ob die Poten­ziale der Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien genutzt wer­den, um mehr Selb­st­bes­tim­mung der Indi­viduen und größere Trans­parenz der anony­men Sys­teme der Macht herzustellen, oder aber eher umgekehrt eine stärkere Kon­trolle der Bürg­er durch Samm­lung und Auswer­tung der Dat­en, die sie bei all ihren Hand­lun­gen hin­ter­lassen. Darüber hin­aus stellt sich die Frage, inwieweit der freien gemein­schaftlichen Ver­fü­gung zugänglich sein wird, oder aber immer mehr zu ein­er Ware wird, die pro­pri­etären Prinzip­i­en und ökonomis­chen Kalkülen unter­wor­fen sein wird.

Arbeitskreis »Historischer Wandel von Wissenskulturen am Beispiel von Aufklärung, Romantik und Postmoderne«
(Sommersemester 2010)

Die Ver­nun­ft hat immer existiert, nur nicht immer in der vernün­fti­gen Form.”
(K. Marx, Brief an A. Ruge, 1843)

Am Beispiel des Umbruchs von der Aufk­lärung zur Roman­tik wird nachgeze­ich­net, wie sich Diskurskon­stel­la­tio­nen verän­dern und so let­ztlich zu ein­er neuen Wis­sensor­d­nung führen kön­nen. Anhand aus­gewählter Lit­er­aturstellen wird der Wan­del in den Diskursen von Philoso­phie, Epis­te­molo­gie, Poli­tik und Kun­st her­aus­gear­beit­et und in eine Beziehung geset­zt zu den Debast­ten, wie sie im Diskurs um die soge­nan­nte “Post­mod­erne” geführt wer­den und zu den aktuellen
Verän­derun­gen der gesellschaftlichen Kom­mu­nika­tionsver­hält­nisse, wie wir sie gegen­wär­ti­gen im Zuge der soge­nan­nten “dig­i­tal­en Rev­o­lu­tion” beobacht­en.

Arbeitskreis »Emanzipatorische Potenziale der Wissens-
gesellschaft« (Wintersemester 2009/2010)

Die Dekon­struk­tion aller Sub­jek­tre­f­eren­zen führt uns zur Posi­tion eines Beobachters zweit­er Ord­nung, der es sich zur Gewohn­heit gemacht hat, jew­eils zu fra­gen: wer sieht das?, wer sagt das?” (N. Luh­mann: Die Wis­senschaft der Gesellschaft, 1990)

Dem Arbeit­skreis “Emanzi­pa­torische Poten­ziale der Wis­sens­ge­sel­llschaft” geht es darum, den gegen­wär­ti­gen durch die ras­ante Entwick­lung der Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien aus­gelösten oder zumin­d­est beflügel­ten Tran­si­tion­sprozess, in dem sich die mod­erne Gesellschaft befind­et, zu ver­ste­hen. Wir greifen die vielerorts vertretene These auf, dass die gegen­wär­tig zu beobach­t­ende Tran­si­tion in einen gesellschaftlichen Zus­tand führt, der “Wis­sens­ge­sellschaft” beze­ich­net wer­den kann und fra­gen nach der sozialen Qual­iät eines solchen Tran­si­tion­sprozess­es gemessen an ein­er emanzi­pa­torischen Entwick­lung.

Arbeitskreis »Wissenskulturen und Geschlechter-
verhältnisse« (Sommersemster 2009)

Der sprin­gende Punkt ist nicht, neue Geschlechter­nor­men vorzuschreiben, so als ob man die Verpflich­tung hätte, ein Maß, einen Maßstab oder eine Norm für die Beurteilung konkur­ri­eren­der Gen­der­darstel­lun­gen zu liefern.” (J. But­ler: Die Macht der Geschlechter­nor­men, 2009, S. 56)

Der AK “Wis­senskul­turen und Geschlechter­ver­hält­nisse” set­zt sich mit hege­mo­ni­alen und kri­tis­chen Konzepten von Geschlechter­ver­hält­nis­sen in unter­schiedlichen Epochen und Wis­senskul­turen auseinan­der. Diese wer­den in ein Ver­hält­nis geset­zt zu der heuti­gen Diskus­sion um ein nicht-iden­titäres und post-kolo­niales Ver­ständ­nis von Gen­der, in der sowohl die diskur­sive Kon­struk­tion von Geschlecht in den Vorder­grund gehoben wird als auch ihre inter­sek­tionale Kon­sti­tu­ierung (Gen­der — Class — Race) zum Tra­gen kommt.