Tag Archives: Menschenrechte

Film- und Kulturabend mit dem exilierten Regisseur
Daniel Mendoza (Doku-Serie »Matarife«)

Kolumbi­en hat in diesem Jahr einen der größten sozialen Auf­stände seit Jahrzehn­ten erlebt. Die rechte Regierung ging dabei äußerst repres­siv gegen die Protest­be­we­gung vor. Oppo­si­tionelle wur­den ver­schleppt, getötet oder ins Exil ver­trieben. Ein­er von ihnen ist der Jour­nal­ist, Anwalt und Regis­seur Daniel Men­doza. Mit ihm zusam­men ver­anstal­ten wir einen Kul­tur­abend, auf dem wir seine Arbeit vorstellen.

Men­doza musste im let­zten Jahr wegen sein­er Inter­net-Doku-Serie »Matar­ife« (»Der Schlächter«) nach Europa fliehen. In ihr wird anhand von Archiv­doku­menten, Zeu­ge­naus­sagen und Film­ma­te­r­i­al nach und nach ein Geflecht zwis­chen Dro­gen­han­del, Para­mil­i­taris­mus und Poli­tik aufgedeckt. Im Mit­telpunkt ste­ht dabei Expräsi­dent Alvaro Uribe, der nach wie vor den Ton in der rechts­gerichteten Regierungspartei »Cen­tro Democráti­co« angibt.

Die Serie schlug in Kolumbi­en mit Aufrufreko­r­den wie eine Bombe ein. Sie ent­larvt Uribe als Schlüs­selfig­ur hin­ter den Men­schen­rechtsver­brechen der let­zten drei Jahrzehnte. Obwohl dies im Grunde schon seit Jahren als ein offenes Geheim­nis galt, wurde es von den Main­stream-Medi­en als Tabu behan­delt. Die von den Opfer­ver­bän­den vorge­bracht­en Beschuldigun­gen wur­den von ihnen kaum aufge­grif­f­en. Die Serie »Matar­ife« brach mit diesem Tabu. Die Todes­dro­hun­gen gegen Men­doza ließen daraufhin nicht lange auf sich warten. Er ste­ht exem­plar­isch für die Zen­sur der kolumbian­is­chen alter­na­tiv­en Medi­en wie für eine wach­sende Oppo­si­tion, die wider alle Ein­schüchterung das Schweigen über die Ver­brechen der Lan­deseliten bricht. 

Im Rah­men ein­er Run­dreise in Deutsch­land macht Men­doza nun Sta­tion in Köln. Wir zeigen Teile sein­er Serie und wer inter­essiert ist, kann sich mit ihm aus­tauschen, musikalis­che Beiträge genießen und über die aktuelle Sit­u­a­tion in Kolumbi­en diskutieren. 

  • Fre­itag, den 5. Novem­ber 2021 um 19.00 Uhr
  • im Film­fo­rum im Lud­wig-Muse­um, Bischof­s­garten­straße 1, 50667 Köln
  • Ein­tritt frei
  • Info und Reservierung: 

Soll­ten Plätze frei bleiben, ist eine Teil­nahme auch ohne Anmel­dung möglich, in jedem Fall bit­ten wir euch um eine Anmel­dung, um die Pla­nung zu vereinfachen! 

Für alle Ver­anstal­tun­gen gel­ten die üblichen 3G-Regeln: Geimpft, gene­sen oder getestet. Nach­weise müssen entsprechend beim Ein­tritt vorgelegt wer­den. Bei Nach­fra­gen oder Anre­gun­gen meldet euch gerne per Mail: VidepazNRW@gmail.com

Gewaltexzesse durch Polizei
bei Protestaktionen in Kolumbien

»Apoye­mos el dere­cho de sol­da­dos y pocí­cia de uti­lizar sus armas para defend­er su inte­gri­dad y para defend­er a las per­sonas y bienes …« (»Unter­stützen wir das Recht der Sol­dat­en und Polizei, ihre Waf­fen zu benutzen, um ihre Integrität zu vertei­di­gen und um Men­schen und Eigen­tum zu schützen …«). Mit diesem Twit­ter — der mit­tler­weile gelöscht wurde — hat Expres­i­dent und ultra­rechter Scharf­mach­er des »Cen­tro Demo­c­ra­ti­co« Alvaro Uribe gehörig Öl in die Flam­men deŕ Auseinan­der­set­zun­gen um den nationalen Streik vom Mittwoch ver­gan­gener Woche, dem 28. April 2021, gegossen. Und diese Flam­men loderten hoch.

Am 28. April sind Tausende von Kolumbian­ern in allen Städten des Lan­des auf die Straße gegan­gen, um gegen eine von der Regierung Duque geplante Steuer­reform zu protestieren. Eine Steuer­reform, die vor allem diejeni­gen Bere­iche bet­rifft, denen sich — wie die Mehrw­ert­s­teuer auf Lebens­mit­tel — nie­mand entziehen kann, ins­beson­dere nicht diejeni­gen, die nahezu ihr gesamtes Einkom­men für Grund­nahrungsmit­tel aus­geben müssen. Und diese Steuer­reform sollte mit­ten in der Pan­demie durchge­set­zt wer­den, in ein­er Zeit also, die großen Teilen der Bevölkerung ihre Lebens­grund­la­gen zer­stört hat.

Die Proteste ver­liefen zunächst größ­ten­teils friedlich (zum Teil aus­ge­lassen, wie dieses Video zeigt), wur­den dann jedoch von ein­er Ran­dale provozieren­den Min­der­heit zu van­dal­is­tis­chen Aktio­nen aus­genutzt. Ob hier wieder — wie bei ver­gan­genen Demon­stra­tio­nen nachgewiesen wer­den kon­nte — Agents Provo­ca­teurs im Spiel waren, lässt sich im Moment nicht sagen. Klar ist aber, dass die Polizei mit unver­hält­nis­mäßiger Gewal­tan­wen­dung ein­griff und sich nicht davor scheute, Demon­tra­tionsteil­nehmern tödliche Ver­let­zun­gen beizubrin­gen, wie das hier ver­link­te Video, dass über Twit­ter veröf­fentlicht wor­den war, zeigt, wie ein gepanz­ert­er Wagen der Polizei rück­sicht­los in die Men­schen­menge hineinrast: 

Auch von der Schuss­waffe wurde grund­los Gebrauch gemacht, wie viele Videoauf­nah­men in den sozialen Medi­en zeigen; in beson­ders extremer Weise das hier gezeigte Video, das den Ein­druck ein­er öffentlichen Hin­rich­tung vermittelt.

Zu bekla­gen sind min­destens 26 Tote, mehr als 400 ver­let­zte, zum Teil ver­stümelte Men­schen. 700 Per­so­n­en wur­den ver­haftet. Über­liefert sind Gewal­tan­wen­dun­gen gegenüber den Ver­hafteten, 10 Frauen berichteten von Verge­wal­ti­gun­gen, min­destens 56 Häftlinge sind seit Tagen ver­schwun­den und die Polizei gibt keine Auskün­fte über ihren Verbleib. Außer­dem wur­den zahlre­iche willkür­liche Haus­durch­suchun­gen durchgeführt.

Die sozialen Medi­en waren in den let­zten Tagen voll von ersck­reck­enden Bericht­en, Fotos und Videos. Viele sind mit­tler­weile gelöscht wor­den. Das rück­sicht­slose Vorge­hen der staatlichen Sicher­heit­skräfte hat sowohl die UNO als auch die Europäis­che Union zu Protest­noten ver­an­lasst. So twit­tert UNHCR heute: “We are deeply alarmed at devel­op­ments in the city of #Cali in #Colom­bia overnight, where police opened fire on demon­stra­tors protest­ing against tax reforms, report­ed­ly killing & injur­ing a num­ber of peo­ple. State author­i­ties must pro­tect human rights”.

Dass die Regierung Duque, vor zwei Tagen die Steuer­reform­pläne zurück­ge­zo­gen hat, scheint im Angesichts der fürchter­lichen Ereignisse der let­zten Tage und der immer ersck­reck­enderen­den Men­schrecht­slage in Kolumbi­en nur noch eine Rand­no­tiz zu sein.

Angesichts der sich zus­pitzen­den Sit­u­a­tion wird für Fre­itag, den 7. Mai 2021 zu ein­er Kundge­bung aufgerufen:

  • Zeit­punkt: Fre­itag, 7. Mai 2021 um 14 Uhr 
  • Ort: Bonn, Platz der Vere­in­ten Nationen 

Dritte Veranstaltung zum »extraktivistischen
Entwicklungsmodell« in Kolumbien

Als dritte Ver­anstal­tung im Rah­men unser­er Rei­he zum »kolumbian­is­chen Frieden­sprozess im Kon­text eines extrak­tivis­tis­chen Entwick­lungsmod­ells« wird am

Mittwoch, den 17.03.21, 19:30 Uhr – 21:30 Uhr

eine weit­ere Online-Diskus­sionsver­anstal­tung in Koop­er­a­tion mit der kolumbian­is­chen Stiftung »Fun­dación Capac­i­tar« stattfinden.

»Indigene Gemeinschaften, Menschenrechte und das Entwicklungsmodell
im aktuellen Friedensprozess in Kolumbien«

Mit unseren Gästen

  • Fany Kuiru Cas­tro: Pueblo Uito­to. Recht­san­wältin, Koor­di­na­torin für Frauen, Jugend, Kind­heit und Fam­i­lie bei OPIAC (Orga­ni­zación Nacional de los Pueb­los Indí­ge­nas de la Ama­zo­nia Colom­biana). Delegierte der Nationalen Kom­mis­sion indi­gen­er Frauen im Komi­tee für die Evaluierung von Risiken und Maß­nah­men für geschützte Per­so­n­en – CERREM. Mit­glied der Nationalen Kom­mis­sion für indi­gene Frauen – CNMI.
  • Mama Rosario Chi­cunque: Pueblo Kamentsá, Koor­di­na­torin der indi­ge­nen Frauenor­gan­i­sa­tion für tra­di­tionelle Medi­zin, ASOMI (Aso­ciación de Mujeres Indí­ge­nas de la Med­i­c­i­na Tradi­cional “Cha­gra de la Vida”) aus der Region Putumayo.
  • Tai­ta Juan Fran­cis­co Mue­las: Pueblo Mis­ak-Guam­bia. Indi­gen­er Rat der Guam­bianos aus der Region Cau­ca mit langjähriger Erfahrung in der Vertei­di­gung der Men­schen­rechte und der indi­ge­nen Lokalverwaltung.

Mod­er­a­tion:

  • Daniel Tor­res (COLPAZ — Frieden für Kolumbien)
  • Nicolás Bermúdez (Fun­dación Capacitar)

Die ver­schiede­nen Regio­nen in Kolumbi­en haben ihre eige­nen Charak­ter­is­ti­ka in Bezug auf die Kul­tur, die Geschichte der indi­ge­nen Völk­er und ihre Ter­ri­to­rien mit ein­er hohen Bio­di­ver­sität und natür­lichen Ressourcen. Gle­ichzeit­ig sind sie geprägt von bewaffneten und ökol­o­gis­chen Kon­flik­ten, bedro­ht durch ein vom Extrak­tivis­mus geprägtes Wirtschaftsmod­ell. Anhand konkreter Beispiele wer­den die Referent*innen aktuelle Ein­blicke in die Sit­u­a­tion im Ama­zonas­ge­bi­et, in Putu­mayo in der Gren­zre­gion zu Ecuador und in Cau­ca in der süd­west­liche Anden­re­gion geben.

Mit dieser Ver­anstal­tung wollen wir die Sit­u­a­tion dieser drei Regio­nen inmit­ten des neu kon­fig­uri­erten gewaltvollen Kon­flik­ts mit ein­er prekären Men­schen­rechtssi­t­u­a­tion und der anhal­tenden Pan­demie von COVID 19 sicht­bar machen. Dabei wer­den wir auch die ver­schiede­nen Strate­gien, die zur Vertei­di­gung der gemein­schaftlichen Ter­ri­to­rien und der Bevölkerung unter­nom­men wer­den und die alter­na­tiv­en Vorschläge für ein men­schen­würdi­ges Leben und Frieden kennenlernen.

Die Ver­anstal­tung find­et auf Spanisch und Deutsch statt. Die Beiträge wer­den simul­tan übersetzt.
Um Anmel­dung wird bis zum 16.3.2021 gebeten unter: colpaz@riseup.net
Die Zugangs­dat­en erhal­ten Sie per Mail am 16.03.21

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.«, der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« und die kolumbian­is­che Stiftung »Fun­dación Capac­i­tar« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn«.

Logo Fundacion Capacitar

Logo der Stadt Bonn

COLPAZ startet Briefaktion an die kolumbianische Botschaft

Der erschüt­ternde Bericht von Ursu­la Holz­pafel und Ulrich Koll­witz aus Quib­dó, der Haupt­stadt des kolumbian­is­chen Depar­ta­men­tos Chocó, hat uns ver­an­lasst, nicht nur diesen Bericht zu ver­bre­it­en, son­dern auch der kolumbian­is­chen Botschaft in Berlin deut­lich zu machen, dass die Weltöffnetlichkeit sehr genau hin­schaut, was gegen­wär­tig in Kolumbi­en geschieht.

In einem gemein­samen Aufruf von afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Organ­i­sa­tio­nen, des »Con­se­jo Comu­ni­tario May­or de la Aso­ciación Campesina Inte­gral del Atra­to – COCOMACIA«, dem »Mesa Indí­ge­na del Chocó«, dem »Foro Interét­ni­co Sol­i­dari­dad Chocó«, dem »Red Depar­ta­men­tal de Mujeres Chocoanas« und dem »Mesa Ter­ri­to­r­i­al de Garan­tías Chocó« wird auf die alarmierende Zunahme der Ver­let­zung der indi­vidu­ellen und kollek­tiv­en Rechte der afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Völk­er des Chocó durch die Ver­schär­fung des bewaffneten Kon­flik­ts im Departe­ment aufmerk­sam gemacht.

Schon seit langem wird das Ein­sick­ern paramil­itärisch­er Ver­bände (ins­beson­der der Autode­fen­sas Gai­tanistas de Colom­bia, AGC) und Grup­pen der ELN-Gueril­la in den Choco beklagt. Ursu­la und Uli hat­ten auf den Ver­anstal­tun­gen, die wir mit Ihnen in den let­zten bei­den Jahren gemacht hat­ten, immer wieder darauf hingewiesen. In den beset­zten Gebi­eten wer­den eigene »Geset­ze« zur Gel­tung gebracht und sie über die ver­fas­sungsmäßig garantierten Rechte der betroff­nen Gemein­den und Grup­pen gestellt. Diese Missstände sind seit langem bekan­nt, wer­den aber von der kolumbian­is­chen Regierung ignori­ert. Zu befürcht­en ist, dass es wieder ein­mal ein klammheim­lich­es Ein­ver­ständ­nis der Regierung mit den paramil­itärischen Kräften, die mit enor­men finanziellen und logis­tis­chen Ressourcen aus­ges­tat­tet sind, gibt. Ihr vorgegebenes Ziel ist es, die verbliebe­nen Gueril­la­grup­pen zu eli­m­inieren. Aber nicht nur darum scheint es zu gehen (vgl. Jus­ti­cia y Paz, Colom­bia, 30.12.2019). Vertrei­bun­gen der Bevölkerung von ihrem Land sind in einem bish­er nicht bekan­ntem Aus­maß an der Tage­sor­d­nung. Ille­gale Berg­bauan­la­gen enste­hen, Regen­wald wird gerodet um Platz für große Plan­ta­gen oder für Gold­mi­nen zu machen. Die Umweltver­schmutzung schre­it­et voran, ins­beson­dere der Flüsse, die die Leben­sad­er dieser Region darstellen. Queck­sil­ber­verseuchung des Wassers bedro­ht die Gesund­heit und das Leben der indi­ge­nen und afrokolumbian­is­chen Bevölkerung, die an den Ufern dieser Flüsse siedeln. 

Ursu­la und Uli schreiben, dass selb­st in der Stadt Quib­do, die Haupt­stadt des Depar­ta­men­tos Choco, die Gewalt­grup­pen immer mehr die Kon­trolle über die Wohn­vier­tel aus­dehnen. »Sie sind die Einzi­gen, die kein­er­lei Aus­gangs­beschränkun­gen unter­liegen. Per­so­n­en, die sich dieser Herrschaft wider­set­zen wollen, wer­den eingeschüchtert und bedro­ht. Allein hier in Quib­dó haben wir dieses Jahr bere­its 87 Mord­fälle reg­istri­eren müssen. Es fall­en nach wie vor weit mehr Men­schen den Gewaltver­brechen zum Opfer als dem Coro­n­avirus, der bish­er im gesamten Chocó 70 Ster­be­fälle ver­sur­sacht hat.« (Rund­brief von Ursu­la Holzapfel & Ulrich Koll­witz, Comisión Vida, Jus­ti­cia y Paz, v. 7.7.2020)

Und dies find­et alles in einem Gebi­et statt, welch­es im Friedensver­trag als eines der 16 Ter­ri­to­rien erk­lärt wurde, die beson­ders unter dem Gewaltkon­flikt gelit­ten hat­ten und deshalb ein­er beson­deren Unter­stützung des Staates bedür­fen. Aber diese Art von “Unter­stützung” war sich­er nicht gemeint vgl. Jus­ti­cia y Paz, Colom­bia, 30.12.2019.

In dem Aufruf der oben genan­nten Ver­bände wird auch beklagt, dass in ein­er Zeit, in der die Coro­na-Pan­demie, den tage­spoli­tis­chen Diskurs bes­timmt, ihre Hil­fer­ufe unge­hört bleiben. Es wird auf den katas­trophalen Zus­tand des Gesund­heitssys­tems (Kranken­haus­in­fra­struk­tur, Aus­rüs­tung, Per­son­al, Leis­tungser­bringung) im gesamten Departe­ment Chocó aufmerk­sam gemacht, welch­er die gesamte Bevölkerung, jen­seits der Coro­n­avirus-Pan­demie, in eine Lage ver­set­zt, in der sie ständig der Gefahr von Krankheit­en oder Unfällen schut­z­los aus­geliefert ist. Alle ländlichen Gemein­den, vor allem die indi­ge­nen, sind nach wie vor ständig endemis­chen und epi­demis­chen Krankheit­en (Tuberku­lose, Lun­genentzün­dung, Dengue-Fieber, Malar­ia) aus­ge­set­zt, begleit­et von chro­nis­ch­er Unter­ernährung und einem schwachen Immunsystem.

Wenn die Regierung Wirk­samkeit und Glaub­würdigkeit bei den Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Coro­na-Pan­demie der Pan­demie und zum Schutz des Lebens der Bevölkerung erre­ichen will, kann sie sich nicht auf Quar­an­täneer­lasse beschränken und das Panora­ma des bewaffneten Kon­flik­ts, der ille­galen Wirtschaft, des Elends, der Kor­rup­tion und der man­gel­nden Gesund­heitsver­sorgung ver­nach­läs­si­gen, die im Departe­ment Chocó unzäh­lige Men­schen­leben fordern.

Die genan­nten Organ­is­tio­nen fordern die Regierung dazu auf, wirk­same Maß­nah­men zu ergreifen, die darauf abzie­len, der Bevölkerung von Chocó ein ganzheitlich­es men­schen­würdi­ges Leben zu garantieren. In den Gebi­eten muss die Anerken­nung der indi­ge­nen und afrokolumbian­is­chen Selb­stver­wal­tung unverzüglich wieder­hergestellt wer­den. Gefordert wird die voll­ständi­ge Umset­zung des Friedens­abkom­mens zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und den FARC vom Novem­ber 2016, welch­es auch grund­sät­zliche Fra­gen der Indi­ge­nen und Afrokolumbianer*innen umfasst. 

Der voll­ständi­ge Wort­laut des Aufrufs (in spanis­ch­er Sprache) ist hier zum Down­load verfügbar. 

Wis­senskul­turen und COLPAZ haben eine Brief-Aktion zur Unter­stützung des im Aufruf genan­nten Anliegens ges­tartet. In einem Brief an den kolumbian­is­chen Botschafter in Berlin wird auf den gemein­samen Bericht, der »Diözese Quib­dó«, dem «Großen Gemein­der­at der Inte­gralen Bauern­vere­ini­gung des Atra­to — COCOMACIA«, dem »Indi­ge­nen Kom­mit­tee«, dem »Intereth­nis­chen Sol­i­dar­itäts­fo­rum« , dem »Net­zw­erk der Frauen« und dem »Ter­ri­to­ri­alen Garantiekom­mit­tee des Chocó« ver­wiesen und die kolumbian­is­che Regierung aufge­fordert, endlich ihrer völk­er­rechtlichen Ver­ant­wor­tung zum Schutz der Bevölkerung des Chocó gerecht zu wer­den. Die Aktion wurde von mehreren Grup­pen und Organ­i­sa­tio­nen, die sich in Deutsch­land für Men­schen­rechte in Lateinameri­ka ein­set­zen, unter­stützt, u.a.

Über den oben berichteten Sachver­halt gibt es weit­ere Beiträge:

Internationale Konferenz
»Fragiler Frieden in Kolumbien«
Bonn, 30. November 2019

[ DE ] / [ ES ]

»Wis­senskul­turen« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« ver­anstal­ten in Koop­er­a­tion mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, Pax Christi und dem Zen­trum für Entwick­lungs­fos­chung der Uni­ver­sität Bonn am 30. Novem­ber 2019 eine ganztägige inter­na­tionale Kon­ferenz zur gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion in Kolumbien.

»Frag­iler Frieden in Kolumbi­en — Zum Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbien« 
Datum: Sam­stag, den 30. Novem­ber 2019, 09:30 — 17:00 Uhr
Ort: Migrapo­lis – Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111 Bonn 

Der 2016 hoff­nungsvoll ges­tartete Frieden­sprozess in Kolumbi­en befind­et sich in ein­er schwieri­gen Phase. Nicht nur, dass eine ganze Rei­he der von der Regierung im Friedensver­trag zuge­sagten Verpflich­tun­gen bis­lang (noch) nicht oder nur unzulänglich erfüllt wur­den, son­dern auch die Tat­sache, dass in die von der FARC-Gueril­la geräumten Gebi­ete andere bewaffnete Grup­pen ein­gesick­ert sind, haben viele Hoff­nun­gen des ver­gan­genen Jahres in Frage gestellt. Gewaltvolle Land­nahme und damit ver­bun­dene Vertrei­bungen gehen trotz des Friedensver­trages weit­er. Mit über 300 ermorde­ten Menschen­rechts­aktivist*innen seit Unter­zeichnung des Friedens­abkom­mens von 2016 ist Kolumbi­en gegen­wär­tig mit Abstand das Land mit den meis­ten Tötungs­de­lik­ten gegenüber Menschenrechtsvertreter*innen weltweit. Und auch die Tat­sache, dass Ende August ein klein­er Teil von bere­its demo­bil­isierten FARC-Kom­bat­tan­ten wieder zu den Waf­fen gegrif­f­en hat, kom­pliziert den Prozess sehr.

Ander­er­seits sind aber auch – trotz aller Block­ierungsver­suche der Geg­n­er des Friedens­abkom­mens — bere­its umfan­gre­iche Aktiv­itäten des vere­in­barten Prozess­es ange­laufen. Aber aus allen ange­laufe­nen Pro­jek­ten wird sig­nal­isiert, wie wichtig die inter­na­tionale Beobach­tung und Unter­stützung ist, wen­ngle­ich noch nicht immer ganz klar ist, wie eine solche Unter­stützung ausse­hen könnte.

Die Kon­ferenz will über den gegen­wär­ti­gen Stand des Frieden­sprozess­es in Kolumbi­en informieren, dabei auch die Ver­strick­ung Deutsch­lands in den Kon­flikt erörtern sowie mit den Teilnehmer*innen darüber berat­en, inwieweit und ggf. in welch­er Form wir hier in Deutsch­land einen Beitrag zum Gelin­gen des Frieden­sprozess­es leis­ten kön­nen. Geplant sind Vorträge und zwei Werk­stattge­spräche über zwei Themenbereiche:

  1. »Memo­ria His­tor­i­ca«: Der Kampf um die Wahrheit und seine Bedeu­tung für den Friedensprozess 
  2. Ungle­iche Land­verteilung und Umweltzer­störung: Was ändert der Friedensvertrag? 

Referent*innen:

  • Ale­jan­dro Reyes Posa­da (Berater bei den Friedensver­hand­lun­gen zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la): »Angestrebte Lan­drefor­men im Friedens­abkom­men und die Schwierigkeit­en ihrer Umsetzung«
  • Gina Maria Chin­chilla Sal­cedo (Zen­trum für Entwick­lungs­forschung der Uni­ver­sität Bonn): »Die Kon­struk­tion des his­torischen Gedächt­niss­es nach dem Friedensvertrag«
  • Ale­jan­dro Mora Mot­ta (Zen­trum für Entwick­lungs­forschung der Uni­ver­sität Bonn): »Rohstof­faus­beu­tung, Umweltzer­störung und Frieden: Das Beispiel Kohle«.

Die Kon­feren­zsprache ist Deutsch. Die in spanis­ch­er Sprache vor­ge­tra­ge­nen Refer­ate wer­den simul­tan über­set­zt. Um Anmel­dung wird gebeten: colpaz@riseup.net

Down­load des Kon­ferenz-Fly­ers in Deutsch . Infor­ma­ciones en Castel­lano.


Das Mah­n­mal für den Frieden »Frag­men­tos« im Zen­trum von Bogotá von Doris Sal­cedo (Foto: M. Paetau)

 

Logo der Stadt Bonn

Ver­anstal­ter: »Wis­senskul­turen e.V.« und der Arbeit­skreis »COLPAZ — Frieden für Kolumbi­en« mit finanzieller Unter­stützung durch die »Bun­desstadt Bonn« und in Koop­er­a­tion mit der »Friedrich-Ebert-Stiftung«, »Pax-Christi — Kom­mis­sion Sol­i­dar­ität Eine Welt« und dem »Zen­trum für Entwick­lungs­forschung« der Uni­ver­sität Bonn.


Veranstaltungsreihe Kolumbien (VIII):
»Zur Situation der afrokolumbianischen Gemeinden im Chocó« (3.7.2019)

Vor­trags- und Diskus­sionsver­anstal­tung der Kolumbi­en­gruppe COLPAZ in Koop­er­a­tion mit »Wis­senskul­turen e.V.«. Ref­er­enten: Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz, Quib­do, Kolumbien.

Datum: Mittwoch, den 3. Juli 2019, 19:00 — 21:00 Uhr
Ort: IFZ-Bonn, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn

Die achte Ver­anstal­tung unser­er Rei­he zum Frieden­sprozess in Kolumbi­en hat­te zwei Schw­er­punk­te: Neben der Berichter­stat­tung über die aktuelle Sit­u­a­tion befassten wir uns mit der Frage, wie, d.h. mit welchen Organ­i­sa­tions- und Aktions­for­men die Afrokolumbian­er im Choco sich gegen die erneut zunehmende Bedro­hung durch bewaffnete Grup­pen in ihrem Gebi­et zu wehren ver­suchen. Der Friedensver­trag von Havan­na hat­te u.a. expliz­it den Anspruch der Zivilge­sellschaft und der eth­nis­chen Min­der­heit­en auf poli­tis­che Par­tizipa­tion sowie das Recht auf poli­tis­che Oppo­si­tion gestärkt. Und es lässt sich beobacht­en, dass dieses Recht auch mehr und mehr wahrgenom­men wird. Mal mehr, mal weniger mil­i­tant. So haben beispiel­sweise im Früh­jahr d.J. indi­gene Grup­pen erst nach ein­er wochen­lan­gen Block­ade der wichti­gen Nord-Süd-Verbindung im Cau­ca-Tal (»Pan Amer­i­cana«) die Regierung ver­an­lassen kön­nen, sich mit ihrer präk­eren Lage mehr als nur rhetorisch zu befassen. Die indi­ge­nen Grup­pen in Kolumbi­en kön­nen allerd­ings auf eine z.T. jahrhun­dertealte Tra­di­tion und gut einge­spielte Organ­i­sa­tions­for­men zurückschauen. Die Teil­nehmer unser­er Ver­anstal­tung woll­ten wis­sen, inwieweit es ver­gle­ich­sweise Organ­i­sa­tions­for­men auch bei den afrokolumbian­is­chen Gemein­schaften gibt. Auf welche Tra­di­tion sie sich beziehen, welche prak­tis­chen Prozesse sich in den let­zten Jahren vol­l­zo­gen haben und wie sta­bil existierende Net­zw­erke sind, um einen wirk­samen Schutz gegen paramil­itärische Über­griffe zu bieten. Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz arbeit­en seit mehr als 30 Jahren mit den afrokolumbian­is­chen Grup­pen im Choco und kon­nten aus einem reich­halti­gen Erfahrungss­chatz berichten. 

Veranstaltungsreihe Kolumbien (V): »Chocó — Eine kolumbianische Region im Schatten der Globalisierung« (21.05.2015)

Wenig beachtet von der Öffentlichkeit und den inter­na­tionalen Medi­en find­et im Chocó, ein­er im paz­i­fis­chen Küs­ten­tiefland liegen­den Region Kolumbi­ens, eine Auseinan­der­set­zung um die Autonomie der bäuer­lichen Gemein­den und um die dro­hende Zer­störung der natür­lichen Lebens­grund­la­gen der ansäs­si­gen Bevölkerung statt. Eine Auseinan­der­set­zung, die uns alle ange­ht. Denn: Der tro­pis­che Regen­wald des Chocó ist eine der wasser­re­ich­sten Gegen­den der Welt. Auf 46.500 km² Fläche befind­et sich eine Pflanzen- und Tier­welt, die an Vielfalt und Schön­heit einzi­gar­tig ist. Der Natur­park Katios am Río Atra­to wurde von der UNESCO zum Naturerbe der Men­schheit ernan­nt. Seine Erhal­tung ste­ht exem­plar­isch für den Schutz der Natur in allen Teilen unser­er Erde. Unsere 5. Kolumbi­en-Ver­anstal­tung fand wieder mit wieder Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz von dem “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Dep. Choco, Kolumbi­en, die wir auch schon bei den drei voraus­ge­gan­genen Ver­anstal­tun­gen zu Gast hat­ten. Die Ver­anstal­tung fand am 21. Mai 2015 in der “Alten Kaplanei” der Pfar­rei Sankt Sebas­t­ian in Bonn-Pop­pels­dorf, Ster­nen­burgstraße 27, statt.

Zum Down­load der Veranstaltungsankündigung:
Fly­er der Ver­anstal­tung in Bonn am 21. Mai 2015

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Veranstaltungsreihe Kolumbien (IV): »Kolumbien wehrt sich
gegen Naturzerstörung« (10.10.2013)

Unsere 4. Kolumbi­en-Ver­anstal­tung befasste sich mit den aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen des Jahres 2013 in dem südamerikanis­chen Land, vor allem mit dem wach­senden Wider­stand gegen die Umweltzer­störung und den Protesten der Land­bevölkerung gegen ihre zunehmende Ver­ar­mung auf­grund von Bil­ligim­porten und Frei­han­delsabkom­men. Diese Auseinan­der­set­zun­gen haben sich in den let­zten Monat­en auf mehrere Regio­nen Kolumbi­ens aus­gedehnt. Unsere Diskus­sion beyog sich beispiel­haft auf die Region Choco, wo die Gold­mi­ne­naus­beu­tung Boden und Regen­wald zer­stört und damit auch die Lebens­grund­la­gen der Afro- und indi­ge­nen Bevölkerung bedro­ht. Als Ref­er­enten kon­nten wir wieder Ulrich Koll­witz und Ursu­la Holzapfel, von dem “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Dep. Choco, Kolumbi­en, gewin­nen, deren ken­nt­nis­re­iche und detail­lierte Beschrei­bung der Prob­leme uns bere­its bei den bei­den ver­gan­genen Ver­anstal­tun­gen begeis­tert hat. Für ihre Arbeit im Depar­ta­ment Chocó waren bei­de im Jahre 2007 mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz aus­geze­ich­net worden.

Die Ver­anstal­tung fand in Koop­er­a­tion mit der Infor­ma­tion­sstelle Lateinameri­ka (ILA) und dem Ibero Club Bonn statt. Don­ner­stag, den 10. Okto­ber 2013, 19:00 Uhr; Ort: Kapi­tel­saal der Katholis­chen Hochschul­ge­meinde Bonn/Sankt Remigius, Brüder­gasse 8, Bonn. Lage­plan Sankt Remigius 

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Regen­wald im Choco: vor und nach dem ille­galen Goldabbau

Veranstaltungsreihe Kolumbien (II): »Der Kampf um die
Selbstbehauptung der indigenen und afrokolumbianischen
Bevölkerung im Chocó« (6.6.2012)

Ver­anstal­tung mit Ulrich Koll­witz und Ursu­la Holzapfel, “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Kolumbi­en, die über die Auseinan­der­set­zun­gen um Selb­st­be­haup­tung und Men­schen­rechte im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Chocó berichteten. (Mittwoch, den 6. Juni 2012, Räu­men des Haus­es Migrapo­lis, Brüder­gasse 16–18 , 53111 Bonn)

Wie bere­its auf unser­er ersten Ver­anstal­tung zu Kolumbi­en im Okto­ber 2010 aus­führlich dargestellt, ist die Sit­u­a­tion im Chocó seit vie­len Jahren durch Zer­störung der Umwelt, zunehmende poli­tis­che Kor­rup­tion sowie ständi­ge Gewalt von Paramil­itärs, reg­ulär­er Armee und Gueril­la gegen die haupt­säch­lich afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Gemein­schaften geprägt. Die Diözese Quib­dó und die NGO Human Rights Every­where führen seit Jahren Pro­jek­te zur Unter­stützung der Selb­st­be­haup­tung dieser Gemein­schaften auf kollek­tiv­en Landbe­sitz und zur Vertei­di­gung ele­mentar­er Men­schen­rechte durch und ver­fü­gen deshalb über erstk­las­sige Infor­ma­tio­nen über die dor­tige Sit­u­a­tion. Mit unser­er Ver­anstal­tung wollen wir über die Sit­u­a­tion im Chocó informieren und das Engage­ment der Men­schen in diesen Pro­jek­ten unter­stützen. Als Ref­er­enten unser­er Infor­ma­tions- und Sol­i­dar­itätsver­anstal­tung kon­nten wir wieder — wie schon vor anderthalb Jahren — Ulrich Koll­witz, den Vertreter der Diözese, gewin­nen,  die bei­de in lebendi­ger Weise über Land, Men­schen und den Kampf für soziale Gerechtigkeit berichteten.

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