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Blutiger Wahlkampf in Kolumbien

Voller Entset­zen haben wir die Ankündi­gung der »Águilas Negras» — neben dem »Clan del Golfe« eine weit­ere paramil­itärische Gruppe in Kolumbi­en — gele­sen, mit der das Gebi­et der »Embera Cha­mi«, einem indi­ge­nen Volke im Depar­ta­men­to Cal­das, zur mil­itärischen Oper­a­tionszone der Paramil­itärs erk­lärt wird, in der alle Mit­glieder, Unter­stützer und poten­zielle Wäh­ler des linken Kan­di­dat­en Petro bei den Präsi­den­schaftswahlen, der ja — so wird behauptet — dem Kom­mu­nis­mus die Tür öff­nen wird, was die Àguilas Negras aber zu ver­hin­dern wis­sen, »zum Tode verurteilt« wer­den. Einige Per­so­n­en, Abge­ord­nete der poli­tis­chen Vertre­tung der Indi­ge­nen im Kongress, Lei­t­ende Per­sön­lichkeit­en der indi­ge­nen Dachor­gan­i­sa­tion im Cal­das, sowie alle Ange­höri­gen der COMUNES [das ist die poli­tis­che Partei, in der sich ehe­ma­lige FARC- Kom­bat­tan­ten organ­isiert haben] wer­den namentlich als »mil­itärische Ziele« der Paramil­itärs genannt. 

Wir vom Vere­in Wis­senskul­turen sind nicht nur aus grund­sät­zlichen men­schen­recht­spoli­tis­chen Erwä­gun­gen entset­zt, son­dern auch per­sön­lich berührt, weil wir ger­ade dabei sind mit dem Kollek­tiv COLPAZ und Unter­stützung des Amtes für Inter­na­tionales und Nach­haltigkeit der Stadt Bonn, einen Antrag für ein Pro­jekt vorzu­bere­it­en, wo wir mit exakt dieser indi­ge­nen Gruppe zusam­me­nar­beit­en wollen beim Auf­bau ein­er eth­noe­duka­tiv­en Schule in deren Gebi­et. Auch unsere Kon­tak­t­per­son für dieses Pro­jekt bei den Embera Cha­mi wird namentlich als »mil­itärisches Ziel« der Paramil­itärs genannt.

Der Wahlkampf in Kolumbi­en (die Präsi­dentschaftswahlen sind am 29. Mai) wird immer bru­taler. Nach den glück­licher­weise noch rechtzeit­ig aufgedeck­ten Atten­tat­splä­nen auf Petro, dem von den Paramil­itärs mit Waf­fenge­walt erzwun­genen soge­nan­nten »bewaffneten Streik« (Paro arma­do) (s. TAZ vom 11. Mai), wer­den nun auch die Unter­stützer und poten­ziellen Wäh­ler von Petro mit Waf­fenge­walt unter Druck geset­zt. Unter solchen Umstän­den kann von »freien Wahlen« nicht mehr die Rede sein. Wer das in diesem Brief an die »Comisión Inter­amer­i­cana de Dere­chos Humanos (CIDH)« abge­druck­te Flug­blatt der Àguilas Negras auf Spanisch lesen kann, wird eben­so wie wir fas­sungs­los sein, über den Hass, die Gewalt, den unver­hole­nen aggres­siv­en Ras­sis­mus gegenüber den Indi­ge­nen. Dies zu über­set­zen, sträubt sich in einem alles. 

Uns liegen Berichte aus den Gebi­eten Bue­naven­tu­ra, Montes de Maria und Gua­ji­ra vor, dass dort der »Paro arma­do« andauert. Die Bewohn­er der Ortschaften leben immer noch wie unter ein­er Aus­gangssperre. Sie dür­fen tagsüber nur an bes­timmte Orte und zu bes­timmten Arbeit­en­lassen gehen, aber nach 17 oder 18 Uhr darf nie­mand mehr aus­ge­hen. Es ste­ht zu befürcht­en, dass es so bis zu den Wahlen weit­erge­hen wird. Sie wer­den die Leute nicht wählen gehen lassen. Und die Regierung Duque schaut zu.

Der hier ver­link­te offene Brief (bish­er nur auf Spanisch) ist an die »Comisión Inter­amer­i­cana de Dere­chos Humanos (CIDH)« adressiert, aber wir wür­den uns freuen, wenn diese Geschehnisse möglichst rasch ver­bre­it­et wer­den, damit die Welt weiß, wie es in Kolumbi­en — Mit­glied der OECD und NATO (glob­aler Part­ner) — bei den Wahlen zuge­ht. Denn die kolumbian­is­che Regierung unter Iván Duque schweigt und untern­immt nichts. 

Ehre wem Ehre gebührt?
Eine Veranstaltung der Initiative zur
Umbenennung des Hindenburgplatzes
anlässlich des »Tages von Potsdam« 1933

Der 21. März 1933 ist der Tag, an dem der dama­lige Reich­spräsi­dent Hin­den­burg und der von ihm berufene Reich­skan­zler Adolf Hitler ihr Bünd­nis zur voll­ständi­gen Zer­störung der Weimar­er Demokratie und zur Stärkung der Nazidik­tatur mit mil­itärischem Pomp sym­bol­isch besiegelten.

Die Ver­anstal­tung zur kri­tis­chen Erin­nerung an diesen Tag wird von »Wis­senskul­turen e.V.« und der
»Ini­tia­tive zur Umbe­nen­nung von Hin­den­burg­platz und Hin­den­burg-Allee in Bonn« organ­isiert und find­et statt am 

Samstag, 20. März 2021 von 15.00 bis 17.00 Uhr 

Die Ver­anstal­tung find­et als Online-Work­shop statt. Bitte melden Sie sich als Teilnehmer*in über info@wissenskulturen.de an. Sie erhal­ten rechtzeit­ig vor Beginn des Work­shops den Link zur Einwahl.

Im Work­shop wollen wir einen offe­nen Dia­log über die Rolle des Reich­spräsi­den­ten und die Bedeu­tung des „Tages von Pots­dam“ sowie die in unserem Bürg­er-Antrag for­mulierte Forderung zur Umbe­nen­nung der genan­nten Verkehr­swege in Bonn führen.

Repräsentant*innen der im Bon­ner Stad­trat vertrete­nen Parteien und Mit­glieder der Ini­tia­tive wer­den ihre Posi­tio­nen durch State­ments bzw. Refer­ate erläutern. Eine audio­vi­suelle Ein­führung zur aktuellen Kam­pagne in Form eines Kurz­films wird die Ver­anstal­tung eröff­nen. Die Ober­bürg­er­meis­terin der Stadt Bonn, Kat­ja Dörn­er, wird ein Gruß­wort sprechen. Die Mod­er­a­tion übern­immt Prof. Dr. Gre­gor Büchel.










Hin­ter­grund­ma­te­r­i­al zu dem Bürg­er­antrag ist als Down­load verfügbar:

Bonn will den Mann nicht, der Hitler
am 30. Januar 1933 zum Kanzler machte!

Im Rah­men ein­er Mah­nwache haben Mit­glieder der Ini­tia­tive zur Umbe­nen­nung des Hin­den­burg­platzes und der Hin­den­bur­gallee in Bonn vor dem Alten Rathaus an die Ernen­nung Hitlers zum Reich­skan­zler am 30. Jan­u­ar 1933 durch Hin­den­burg und dessen Ver­ant­wor­tung für die Errich­tung der nation­al­sozial­is­tis­chen Gewaltherrschaft erin­nert. Die Kundge­bung bildete den Auf­takt weit­er­er Aktio­nen, die für das Früh­jahr 2021 geplant sind und die den an den Stad­trat gerichteten Bürg­er­antrag zur Umbe­nen­nung der o.g. Orte begleit­en wer­den. Über den Bürg­er­antrag hat­ten wir am 3. Juni 2020 in unserem Artikel Es wird endlich Zeit: Bonn muss sein Stadt­bild von Hin­den­burg befreien berichtet. 

Geplant sind weit­ere Ver­anstal­tun­gen und Aktio­nen an geschichtlich bedeut­samen Tagen, die die Rolle Hin­den­burgs bei Auf­bau und Fes­ti­gung der NS-Dik­tatur kri­tisch in den Blick nehmen:

  • Sam­stag, 20.3.2021, find­et ein (Online-)Workshop zur Frage der Ver­ant­wor­tung Hin­den­burgs zur Errich­tung der nation­al­sozial­is­tis­chen Gewaltherrschaft statt (15 — 17 Uhr), 
  • Mittwoch, 31.3.2021 ist eine sym­bol­is­che Umbe­nen­nung des Hin­den­burg­platzes im Rah­men ein­er Aktion vor Ort geplant.

Anmel­dung zum Work­shop unter »info|ät|wissenskulturen|dot|de«.

Der volle Wort­laut des Bürg­er­antrags sowie weit­eres Mate­r­i­al zum Download: 

Stellungnahmen der Bonner Bürgermeister-
Kandidat*innen zu »Hindenburg«

Im Rah­men der Aktio­nen zur Unter­stützung des Bürg­er­antrages für die Umbe­nen­nung des Hin­den­burg­platzes und der Hin­den­bur­gallee in Bonn (siehe: unseren Beitrag vom 3.6.2020) hat­ten die Unterze­ich­n­er des Bürg­er­antrags auch die Kandidat*innen zur Bon­ner OB-Wahl schriftlich um eine Stel­lung­nahme gebeten. Über die einge­gan­genen Stel­lung­nah­men hat nun die Ini­tia­tive in ein­er Pressemit­teilung die Öffentlichkeit informiert.

  • Die OB-Kandidat*innen Frau Kat­ja Dörn­er (Grüne) und Dr. Michael Faber (Linke) haben der Ini­tia­tive für ihre Aktiv­itäten gedankt und ihre Unter­stützung zugesagt.
  • Herr Wern­er Hümm­rich, der Kan­di­dat der FDP, ste­ht ein­er Namen­sän­derung grund­sät­zlich offen gegenüber und weist – aus unser­er Sicht zurecht – darauf hin, „dass uns die Löschung und Umbe­nen­nung von Straßen­na­men und Plätzen nicht von der his­torischen Ver­ant­wor­tung entbindet.“
  • Der Ober­bürg­er­meis­ter und OB-Kan­di­dat der CDU begrüßt unsere Ini­tia­tive und freut sich auf einen span­nen­den Dia­log im Rah­men des vom Kul­tur­dez­er­nat geplanten Arbeit­skreis­es zur Erin­nerungskul­tur in der Stadt Bonn. 
  • Die OB-Kan­di­datin der SPD hat zu unserem Anliegen keine Stel­lung­nahme abgegeben.
  • Herr Dr. Man­ka, der OB-Kan­di­dat des BBB, schließt sich der ablehnen­den Hal­tung der Frak­tion des BBB an.

In der Presseerk­lärung danken die Unterzeichner*innen des Antrags allen OB-Kandidat*innen, die Stel­lung genom­men haben, für ihre Bere­itschaft, sich inhaltlich mit diesem The­ma auseinan­derzuset­zen. Die Ini­tia­tive wird weit­er­hin aktiv bleiben, um ihre Argu­mente für eine demokratis­che Erin­nerungskul­tur in der Öffentlichkeit zu verankern. 

Es wird endlich Zeit: Bonn muss sein
Stadtbild von Hindenburg befreien

Auch acht Jahre nach unserem Bürg­er­antrag auf Umben­nenung tra­gen Hin­den­burg­platz in Bonn-Dot­ten­dorf und Hin­den­bur­gallee in Bonn-Plit­ters­dorf noch immer den Namen des früheren Reich­spräsi­den­ten. Hin­den­burg war ein Weg­bere­it­er der Nazi-Herrschaft, betra­chtete Hitler als »seinen Kan­zler« und ohne seine Unter­stützung hätte Hitler seine totale Herrschaft nicht durch­set­zen kön­nen. Der Name Hin­den­burg ste­ht gegen Demokratie, gesellschaftlichen Zusam­men­halt und friedlich­es Zusam­men­leben. Aber noch immer ste­ht sein Name auf der Liste der Erhren­bürg­er der Stadt Bonn. 

Eine Gruppe Bon­ner Bürg­erin­nen und Bürg­er will ihr Stadt­bild endlich vom Namen Hin­den­burgs befreien. Sie haben Anfang Juni erneut einen Bürg­er­antrag einge­bracht, mit dem der Rat dazu aufge­fordert wird, Platz und Allee umzube­nen­nen und Hin­den­burg aus der Ehren­bürg­erliste zu stre­ichen. Sie hal­ten das »ehrende Andenken Hin­den­burgs« für einen »Fall demokratiege­fährden­der Geschichtsvergessenheit«. 

Seit den 1990er Jahren sind in Deutsch­land etwa 200 Men­schen Opfer von Ter­ror und recht­sex­trem­istis­ch­er Gewalt gewor­den. Jüng­ste Beispiele sind die Ermor­dung des Kas­sel­er Regierung­spräsi­den­ten Wal­ter Lübcke, die Anschläge in Hanau und auf die Syn­a­goge in Halle. Diese Tat­en sind das Ergeb­nis von Nation­al­is­mus, Ras­sis­mus, Anti­semitismus, Mus­lim-Feindlichkeit und der Bere­itschaft zu mor­den. Diesem Treiben müssen sich im Bewusst­sein der deutschen Geschichte des 20. Jahrhun­derts alle Demokrat­en und Demokratin­nen ent­ge­gen­stellen. Dafür gibt es viele Möglichkeit­en. In Bonn gehören dazu die jährliche Erin­nerung an die Bücherver­bren­nung und an die Pogrom­nacht des 9. Novem­ber 1938, aber auch die Erin­nerung an Opfer der Nazi-Herrschaft durch die Benen­nung von Strassen, wie zum Beispiel der »Karl­robert-Kre­it­en-Straße« in Pop­pels­dorf, benan­nt nach einem von den Nazis ermorde­ten Pianisten.

Es ist über­fäl­lig, dass auch Bonn nach vie­len anderen Städten den Fehler kor­rigiert, der in der Ehrung Paul von Hin­den­burgs liegt. Bonn als deutsche Stadt der Vere­in­ten Natio­nen, als Sitz viel­er nationaler und inter­na­tionaler Organ­i­sa­tio­nen darf diesem Mann nicht länger ein ehren­des Andenken wid­men. Das ist eine Frage der Selb­stach­tung aller, die sich Men­schen­recht­en, Bürg­er­recht­en, Demokratie, Rechtsstaat und Sozial­staat verpflichtet fühlen.

Wer den Bürg­er­antrag unter­stützen möchte, kann dies mit Hil­fe der hier zum Down­load verfügbaren
Unter­schrift­sliste tun, und diese an die dort angegebene Adresse senden. 

Am Don­ner­stag, den 25. Juni 2020 (das ist der Tag, an dem voraus­sichtlich der Bürg­er­auss­chuss des Bon­ner Stad­trates über den Antrag berat­en wird) ist außer­dem eine — im Rah­men der COVID-19-Ein­schränkun­gen mögliche — Man­i­fes­ta­tion auf dem Bon­ner Frieden­splatz von 17 bis 19 Uhr geplant. Auf ihr soll um weit­ere Unter­stützung des Bürg­er­antrags gewor­ben werden. 

Der volle Wort­laut des Bürg­er­antrags sowie weit­eres Mate­r­i­al zum Download: 

»Hindenburg-Forum« der Stadt Bonn am 15. Juni 2015

Am 17. April 2012 hat­ten wir an den Rat der Bun­destadt Bonn den Antrag gestellt, dem früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg die ihm während der Naz­i­herrschaft ver­liehene Ehren­bürg­er­würde der Stadt Bonn posthum zu entziehen sowie den Hin­den­burg­platz in Dot­ten­dorf und die Hin­den­bur­gallee in Bad-Godes­berg umzuben­nen. In der Begrün­dung unseres Antrags heißt es u.a.: “Der frühere Reich­spräsi­dent Hin­den­burg muss auf­grund der gegen­wär­ti­gen wissenschaftli­chen Erken­nt­nisse als ver­häng­nisvolle Unheils­gestalt der deutschen Geschichte erachtet wer­den.” In dem Antrag heißt es weit­er: “In ein­er Sit­u­a­tion, in der die demokratis­che Öffentlichkeit nach Wegen und Mit­teln gegen recht­sex­trem­istis­chen Ter­ror und die Ver­bre­itung nation­al­sozial­is­tis­chen Gedankengutes sucht, ist die Ehren­bürg­er­schaft für einen Weg­bere­it­er des NS-Regimes, der wie kaum eine andere Per­son für Demokratiefeindlichkeit und nationale Über­he­blichkeit ste­ht, ein Affront gegenüber den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und gegenüber allen Men­schen, die sich gegen Ras­sis­mus und Neon­azis mutig zur Wehr set­zen. Mit diesem Antrag möcht­en wir den guten Namen der ehe­ma­li­gen Bun­de­shaupt­stadt und jet­zi­gen Bun­desstadt Bonn als ein­er weltof­fe­nen und tol­er­an­ten UN-City, die Men­schen aus allen Län­dern und Kul­turen willkom­men heißt, schützen und verteidigen.”

Nach­dem der Vere­in Wis­senskul­turen bere­its am 15. Juni 2013 gemein­sam mit dem NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum Köln (NS-Dok) eine öffentliche Diskus­sionsver­anstal­tung zu dem umstrit­te­nen The­ma ver­anstal­tet hat (s. den Fly­er zur Ver­anstal­tungsrei­he “Die Auseinan­der­set­zung um Paul von Hin­den­burg”) hat sich zwei Jahre später auch die Stadt Bonn dazu durchgerun­gen, “ein öffentlich­es, plu­ral­is­tisch beset­ztes Forum mit Wis­senschaft­lerin­nen und Wis­senschaftlern und den Antrag­stel­lerin­nen und Antrag­stellern der entsprechen­den Bürg­er­anträge” zu ver­anstal­ten, “um einen Beitrag zur Mei­n­ungs­bil­dung zu leis­ten, Bürg­erin­nen und Bürg­ern Gele­gen­heit zur Mitwirkung zu geben und eine abschließende Beratung in Bezirksvertre­tung und Rat vorzu­bere­it­en.” Dieses Bürg­er­fo­rum fand statt am


Datum: 11. Juni 2015, 18:00 — 21:00 Uhr
Ort: Elis­a­beth-Sel­bert-Gesamtschule, Hin­den­bur­gallee 50, 53175 Bonn

Dokumente zum Download:

Zur Auseinandersetzung um Paul von Hindenburg: »Die Macht des Mythos: “Ehre wem Ehre gebührt”?!« (15.6.2013)

Anlässlich der Auseinan­der­set­zung um den früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg als Ehren­bürg­er und Namenspa­tron in der Bun­desstadt Bonn (s. unten), hat­ten wir zu zwei Infor­ma­tions- und Diskus­sionsver­anstal­tun­gen ein­ge­laden. Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den gemein­sam vom NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln und Wis­senskul­turen e.V., Bonn, durchge­führt. Der Fly­er für bei­de Ver­anstal­tun­gen liegt hier zum Down­load bere­it. Die Ver­anstal­tun­gen fand an fol­gen­den Tagen statt:

  • Mittwoch 5. Juni 2013: “Die Macht des Mythos: Paul von Hin­den­burg in der deutschen Öffentlichkeit” mit Anna von der Goltz (George­town Uni­ver­si­ty Wash­ing­ton), um 19:00 Uhr, NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln (EL-DE-Haus), Appell­hof­platz 23–25, 50667 Köln, und
  • Sam­stag 15. Juni 2013: “ ‘Ehre, wem Ehre gebührt’?! Hin­den­burg als Namenspa­tron”, ein Work­shop mit Arbeits­grup­pen zu drei The­men der Auseinan­der­set­zung, um 14:30 Uhr, MIGRApo­lis Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111 Bonn.

Der Vor­trag von Anna von der Goltz am 5. Juni 2013 beleuchtete die Selb­st- und Fremdzuschrei­bun­gen Paul von Hin­den­burgs in der deutschen Öffentlichkeit 1914–1934. Die Ref­er­entin ist Assis­tant Pro­fes­sor für Deutsche Geschichte an der George­town Uni­ver­si­ty in Wash­ing­ton. 2008 erhielt sie den Ernst-Fraenkel-Preis für ihre Studie zum Hin­den­burg-Mythos; 2009 erschien ihr Buch „Hin­den­burg: Pow­er, Myth, and the Rise of the Nazis“ bei Oxford Uni­ver­si­ty Press.

Im Zen­trum der Ver­anstal­tung am 15. Juni 2013, ste­hen drei The­men­bere­iche, die in Arbeits­grup­pen behan­delt wurden:

  • AG 1: „Straßenkämpfe”? Prak­tis­che Erfahrun­gen mit lokalen Kon­flik­ten um Straßenumbenennun-
    gen. Am Beispiel der Kon­tro­verse um den Hin­den­burg­platz in Mün­ster. Impul­srefer­at von Michael Sturm, Geschicht­sort Vil­la ten Hom­pel der Stadt Münster.
  • AG 2: Der Gefre­ite Hitler als Tes­ta­mentsvoll­streck­er Hindenburgs.
    Impul­srefer­at von Dr. Arnold Mau­r­er, Lehrer der Bon­ner Elis­a­beth-Sel­bert-Gesamtschule an der
    Hin­den­bur­gallee, die eine Schü­lerini­tia­tive zur Umbe­nen­nung der Straße ges­tartet hatte.
  • AG 3: „Wirk­mächtigkeit des Mythos“. Was verbindet Hin­den­burg, Sar­razin und den NSU?
    Impul­srefer­at von Dr. Thomas Kaut, Wis­senskul­turen e.V.
  • Anschließend erfol­gte eine Zusam­men­fas­sung und Diskus­sion im Plenum.
    Mod­er­a­tion: Dr. Michael Pae­tau und Gerd Pütz

Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den von der Info- und Bil­dungsstelle gegen Recht­sex­trem­is­mus im NS-DOK der Stadt Köln, dem Min­is­teri­um für Fam­i­lie, Kinder, Kul­tur und Sport des Lan­des Nor­drhein-West­falen sowie vom Bun­desmin­is­teri­um für Fam­i­lie, Senioren, Frauen ud Jugend im Rah­men des Bun­de­spro­gramms “TOLERANZ FÖRDERNKOMPETENZ STÄRKEN” gefördert.
Zum Down­load:
Fly­er der Ver­anstal­tungsrei­he “Die Auseinan­der­set­zung um Paul von Hindenburg”

hindihinkel

Bürgerausschuss fordert ein klares Zeichen des
Bonner Stadtrates gegen Hindenburg

Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur.” (Paul von Hindenburg)

Der von unserem Vere­in an den Rat der Bun­destadt Bonn gestellte Antrag, dem früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg die ihm während der Naz­i­herrschaft ver­liehene Ehren­bürg­er­würde der Stadt Bonn posthum zu entziehen, wurde am 29.11.2012 erneut im Bürg­er­auss­chuss berat­en. Lei­der kon­nten sich auch dies­mal die Bürg­er der Stadt Bonn nicht an der Debat­te beteili­gen. Und wieder wurde die Hoff­nung ent­täuscht, dass die poli­tisch Ver­ant­wortlichen dieser Stadt ein deut­lich­es poli­tis­ches Sig­nal aussenden wür­den. Aber immer­hin wurde mehrheitlich beschlossen, dem Rat der Stadt Bonn die Ver­ab­schiedung ein­er Res­o­lu­tion zu empfehlen, in der die 1933 von den Nazis durchgepeitschte Ernen­nung Hin­den­burgs zum Ehren­bürg­er posthum für null und nichtig erk­lärt wird. Und dass es hier­für gute Gründe gibt, zeigt nicht nur die Rolle Hin­den­burgs in der Weimar­er Repub­lik (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von M. Pae­tau), son­dern auch die Art und Weise, in der diese Ehrung 1933 zus­tande gekom­men war (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von T. Kaut).

Wir hat­ten in unserem Antrag gefordert, Hin­den­burg die Ehren­bürg­er­würde abzuerken­nen sowie den Hin­den­burg­platz in Dot­ten­dorf und die Hin­den­bur­gallee in Bad-Godes­berg umzuben­nen. In der Begrün­dung unseres Antrags heißt es u.a.: “Der frühere Reich­spräsi­dent Hin­den­burg muss auf­grund der gegen­wär­ti­gen wissenschaftli­chen Erken­nt­nisse als ver­häng­nisvolle Unheils­gestalt der deutschen Geschichte erachtet wer­den.” In dem Antrag heißt es weit­er: “In ein­er Sit­u­a­tion, in der die demokratis­che Öffentlichkeit nach Wegen und Mit­teln gegen recht­sex­trem­istis­chen Ter­ror und die Ver­bre­itung nation­al­sozial­is­tis­chen Gedankengutes sucht, ist die Ehren­bürg­er­schaft für einen Weg­bere­it­er des NS-Regimes, der wie kaum eine andere Per­son für Demokratiefeindlichkeit und nationale Über­he­blichkeit ste­ht, ein Affront gegenüber den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und gegenüber allen Men­schen, die sich gegen Ras­sis­mus und Neon­azis mutig zur Wehr set­zen. Mit diesem Antrag möcht­en wir den guten Namen der ehe­ma­li­gen Bun­de­shaupt­stadt und jet­zi­gen Bun­desstadt Bonn als ein­er weltof­fe­nen und tol­er­an­ten UN-City, die Men­schen aus allen Län­dern und Kul­turen willkom­men heißt, schützen und verteidigen.”

Doku­mente zum Download: 

Arbeitskreis »Mythos Hindenburg«
(Wintersemester 2011/2012)

Ich schei­de von meinem deutschen Volk in der fes­ten Hoff­nung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Jan­u­ar 1933 führte, zu voller Erfül­lung und Vol­len­dung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.” (Tes­ta­ment P.v. Hin­den­burgs, S. 6 f.) )

In dem Arbeit­skreis wird der immer noch zu beobach­t­ende Mythos, der mit der Per­son Paul von Hin­den­burg ver­bun­den ist, mit seinen Hand­lun­gen und sein­er Rolle als aggres­siv­er Mil­i­tarist im 1. Weltkrieg, bei der Zer­störung der Weimar­er Repub­lik und im Rah­men der Machtüber­tra­gung an den Nation­al­sozial­is­mus behan­delt. Darüber hin­aus fra­gen wir uns aber auch nach der Wirk­mächtigkeit des Mythos Hin­den­burg und die generelle Funk­tion der­ar­tiger Mythen­bil­dung im Kon­text der aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen mit Recht­sex­trem­is­mus und Rassismus.