Schlagwort-Archive: Hindenburg

Hindenburg-Forum” der Stadt Bonn am 15. Juni 2015

Am 17. April 2012 hat­ten wir an den Rat der Bun­destadt Bonn den Antrag gestellt, dem früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg die ihm während der Naz­i­herrschaft ver­liehene Ehren­bürg­er­würde der Stadt Bonn posthum zu entziehen sowie den Hin­den­burg­platz in Dot­ten­dorf und die Hin­den­bur­gallee in Bad-Godes­berg umzuben­nen. In der Begrün­dung unseres Antrags heißt es u.a.: “Der frühere Reich­spräsi­dent Hin­den­burg muss auf­grund der gegen­wär­ti­gen wissenschaftli­chen Erken­nt­nisse als ver­häng­nisvolle Unheils­gestalt der deutschen Geschichte erachtet wer­den.” In dem Antrag heißt es weit­er: “In ein­er Sit­u­a­tion, in der die demokratis­che Öffentlichkeit nach Wegen und Mit­teln gegen recht­sex­trem­istis­chen Ter­ror und die Ver­bre­itung nation­al­sozial­is­tis­chen Gedankengutes sucht, ist die Ehren­bürg­er­schaft für einen Weg­bere­it­er des NS-Regimes, der wie kaum eine andere Per­son für Demokratiefeindlichkeit und nationale Über­he­blichkeit ste­ht, ein Affront gegenüber den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und gegenüber allen Men­schen, die sich gegen Ras­sis­mus und Neon­azis mutig zur Wehr set­zen. Mit diesem Antrag möcht­en wir den guten Namen der ehe­ma­li­gen Bun­de­shaupt­stadt und jet­zi­gen Bun­desstadt Bonn als ein­er weltof­fe­nen und tol­er­an­ten UN-City, die Men­schen aus allen Län­dern und Kul­turen willkom­men heißt, schützen und vertei­di­gen.”

Nach­dem der Vere­in Wis­senskul­turen bere­its am 15. Juni 2013 gemein­sam mit dem NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum Köln (NS-Dok) eine öffentliche Diskus­sionsver­anstal­tung zu dem umstrit­te­nen The­ma ver­anstal­tet hat (s. den Fly­er zur Ver­anstal­tungsrei­he “Die Auseinan­der­set­zung um Paul von Hin­den­burg”) hat sich zwei Jahre später auch die Stadt Bonn dazu durchgerun­gen, “ein öffentlich­es, plu­ral­is­tisch beset­ztes Forum mit Wis­senschaft­lerin­nen und Wis­senschaftlern und den Antrag­stel­lerin­nen und Antrag­stellern der entsprechen­den Bürg­er­anträge” zu ver­anstal­ten, “um einen Beitrag zur Mei­n­ungs­bil­dung zu leis­ten, Bürg­erin­nen und Bürg­ern Gele­gen­heit zur Mitwirkung zu geben und eine abschließende Beratung in Bezirksvertre­tung und Rat vorzu­bere­it­en.” Dieses Bürg­er­fo­rum fand statt am


Datum: 11. Juni 2015, 18:00 — 21:00 Uhr
Ort: Elis­a­beth-Sel­bert-Gesamtschule, Hin­den­bur­gallee 50, 53175 Bonn

Dokumente zum Download:

Zur Auseinandersetzung um Paul von Hindenburg: Die Macht des Mythos: “Ehre wem Ehre gebührt”?! (15.6.2013)

Anlässlich der Auseinan­der­set­zung um den früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg als Ehren­bürg­er und Namenspa­tron in der Bun­desstadt Bonn (s. unten), hat­ten wir zu zwei Infor­ma­tions- und Diskus­sionsver­anstal­tun­gen ein­ge­laden. Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den gemein­sam vom NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln und Wis­senskul­turen e.V., Bonn, durchge­führt. Der Fly­er für bei­de Ver­anstal­tun­gen liegt hier zum Down­load bere­it. Die Ver­anstal­tun­gen fand an fol­gen­den Tagen statt:

  • Mittwoch 5. Juni 2013: “Die Macht des Mythos: Paul von Hin­den­burg in der deutschen Öffentlichkeit” mit Anna von der Goltz (George­town Uni­ver­si­ty Wash­ing­ton), um 19:00 Uhr, NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln (EL-DE-Haus), Appell­hof­platz 23–25, 50667 Köln, und
  • Sam­stag 15. Juni 2013: “‘Ehre, wem Ehre gebührt’?! Hin­den­burg als Namenspa­tron”, ein Work­shop mit Arbeits­grup­pen zu drei The­men der Auseinan­der­set­zung, um 14:30 Uhr, MIGRApo­lis Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111 Bonn.

Der Vor­trag von Anna von der Goltz am 5. Juni 2013 beleuchtete die Selb­st- und Fremdzuschrei­bun­gen Paul von Hin­den­burgs in der deutschen Öffentlichkeit 1914–1934. Die Ref­er­entin ist Assis­tant Pro­fes­sor für Deutsche Geschichte an der George­town Uni­ver­si­ty in Wash­ing­ton. 2008 erhielt sie den Ernst-Fraenkel-Preis für ihre Studie zum Hin­den­burg-Mythos; 2009 erschien ihr Buch „Hin­den­burg: Pow­er, Myth, and the Rise of the Nazis“ bei Oxford Uni­ver­si­ty Press.

Im Zen­trum der Ver­anstal­tung am 15. Juni 2013, ste­hen drei The­men­bere­iche, die in Arbeits­grup­pen behan­delt wur­den:

  • AG 1: „Straßenkämpfe”? Prak­tis­che Erfahrun­gen mit lokalen Kon­flik­ten um Straßenum­be­nen­nun-
    gen. Am Beispiel der Kon­tro­verse um den Hin­den­burg­platz in Mün­ster. Impul­srefer­at von Michael Sturm, Geschicht­sort Vil­la ten Hom­pel der Stadt Mün­ster.
  • AG 2: Der Gefre­ite Hitler als Tes­ta­mentsvoll­streck­er Hin­den­burgs.
    Impul­srefer­at von Dr. Arnold Mau­r­er, Lehrer der Bon­ner Elis­a­beth-Sel­bert-Gesamtschule an der
    Hin­den­bur­gallee, die eine Schü­lerini­tia­tive zur Umbe­nen­nung der Straße ges­tartet hat­te.
  • AG 3: „Wirk­mächtigkeit des Mythos“. Was verbindet Hin­den­burg, Sar­razin und den NSU?
    Impul­srefer­at von Dr. Thomas Kaut, Wis­senskul­turen e.V.
  • Anschließend erfol­gte eine Zusam­men­fas­sung und Diskus­sion im Plenum.
    Mod­er­a­tion: Dr. Michael Pae­tau und Gerd Pütz

Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den von der Info- und Bil­dungsstelle gegen Recht­sex­trem­is­mus im NS-DOK der Stadt Köln, dem Min­is­teri­um für Fam­i­lie, Kinder, Kul­tur und Sport des Lan­des Nor­drhein-West­falen sowie vom Bun­desmin­is­teri­um für Fam­i­lie, Senioren, Frauen ud Jugend im Rah­men des Bun­de­spro­gramms “TOLERANZ FÖRDERNKOMPETENZ STÄRKEN” gefördert.
Zum Down­load:
Fly­er der Ver­anstal­tungsrei­he “Die Auseinan­der­set­zung um Paul von Hin­den­burg”

hindihinkel

Bürgerausschuss fordert ein klares Zeichen des Bonner Stadtrates gegen Hindenburg

Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur.” (Paul von Hin­den­burg)

Der von unserem Vere­in an den Rat der Bun­destadt Bonn gestellte Antrag, dem früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg die ihm während der Naz­i­herrschaft ver­liehene Ehren­bürg­er­würde der Stadt Bonn posthum zu entziehen, wurde am 29.11.2012 erneut im Bürg­er­auss­chuss berat­en. Lei­der kon­nten sich auch dies­mal die Bürg­er der Stadt Bonn nicht an der Debat­te beteili­gen. Und wieder wurde die Hoff­nung ent­täuscht, dass die poli­tisch Ver­ant­wortlichen dieser Stadt ein deut­lich­es poli­tis­ches Sig­nal aussenden wür­den. Aber immer­hin wurde mehrheitlich beschlossen, dem Rat der Stadt Bonn die Ver­ab­schiedung ein­er Res­o­lu­tion zu empfehlen, in der die 1933 von den Nazis durchgepeitschte Ernen­nung Hin­den­burgs zum Ehren­bürg­er posthum für null und nichtig erk­lärt wird. Und dass es hier­für gute Gründe gibt, zeigt nicht nur die Rolle Hin­den­burgs in der Weimar­er Repub­lik (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von M. Pae­tau), son­dern auch die Art und Weise, in der diese Ehrung 1933 zus­tande gekom­men war (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von T. Kaut).

Wir hat­ten in unserem Antrag gefordert, Hin­den­burg die Ehren­bürg­er­würde abzuerken­nen sowie den Hin­den­burg­platz in Dot­ten­dorf und die Hin­den­bur­gallee in Bad-Godes­berg umzuben­nen. In der Begrün­dung unseres Antrags heißt es u.a.: “Der frühere Reich­spräsi­dent Hin­den­burg muss auf­grund der gegen­wär­ti­gen wissenschaftli­chen Erken­nt­nisse als ver­häng­nisvolle Unheils­gestalt der deutschen Geschichte erachtet wer­den.” In dem Antrag heißt es weit­er: “In ein­er Sit­u­a­tion, in der die demokratis­che Öffentlichkeit nach Wegen und Mit­teln gegen recht­sex­trem­istis­chen Ter­ror und die Ver­bre­itung nation­al­sozial­is­tis­chen Gedankengutes sucht, ist die Ehren­bürg­er­schaft für einen Weg­bere­it­er des NS-Regimes, der wie kaum eine andere Per­son für Demokratiefeindlichkeit und nationale Über­he­blichkeit ste­ht, ein Affront gegenüber den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und gegenüber allen Men­schen, die sich gegen Ras­sis­mus und Neon­azis mutig zur Wehr set­zen. Mit diesem Antrag möcht­en wir den guten Namen der ehe­ma­li­gen Bun­de­shaupt­stadt und jet­zi­gen Bun­desstadt Bonn als ein­er weltof­fe­nen und tol­er­an­ten UN-City, die Men­schen aus allen Län­dern und Kul­turen willkom­men heißt, schützen und vertei­di­gen.”

Doku­mente zum Down­load:

Arbeitskreis “Mythos Hindenburg” (Wintersemester 2011/2012)

Ich schei­de von meinem deutschen Volk in der fes­ten Hoff­nung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Jan­u­ar 1933 führte, zu voller Erfül­lung und Vol­len­dung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.” (Tes­ta­ment P.v. Hin­den­burgs, S. 6 f.) )

In dem Arbeit­skreis wird der immer noch zu beobach­t­ende Mythos, der mit der Per­son Paul von Hin­den­burg ver­bun­den ist, mit seinen Hand­lun­gen und sein­er Rolle als aggres­siv­er Mil­i­tarist im 1. Weltkrieg, bei der Zer­störung der Weimar­er Repub­lik und im Rah­men der Machtüber­tra­gung an den Nation­al­sozial­is­mus behan­delt. Darüber hin­aus fra­gen wir uns aber auch nach der Wirk­mächtigkeit des Mythos Hin­den­burg und die generelle Funk­tion der­ar­tiger Mythen­bil­dung im Kon­text der aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen mit Recht­sex­trem­is­mus und Ras­sis­mus.