Archiv der Kategorie: Wissensgesellschaft

Seminar an der Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, “Netze des Wissens — Netze der Macht” (Michael Paetau: Wintersemester 2011/2012)

“Ich set­ze voraus, dass in jed­er Gesellschaft die Pro­duk­tion des Diskurs­es zugle­ich kon­trol­liert, selek­tiert, organ­isiert und kanal­isiert wird — und zwar durch gewis­sen Proze­duren, deren Auf­gabe es ist, die Kräfte und die Gefahren des Diskurs­es zu bändi­gen, sein unberechen­bar Ereignishaftes zu ban­nen, seine schw­er und bedrohliche Mate­ri­al­ität zu umge­hen.” (M. Fou­cault: Ord­nung des Diskurs­es)

In dem Sem­i­nar geht es um eine sozi­ol­o­gis­che Analyse der soge­nan­nten »dig­i­tal­en Rev­o­lu­tion« aus ein­er macht­the­o­retis­chen Per­spek­tive. Es wird angeknüpft an die gegen­wär­tig stat­tfind­e­nen Auseinan­der­set­zun­gen um eine neue Wis­sensor­d­nung der Gesellschaft. Fou­cault hat die Wis­sensor­d­nung als einen spez­i­fisch his­torischen Raum für das, was zu wis­sen und zu kom­mu­nizieren möglich ist, beze­ich­net. Diese Räume bee­in­flussen die Art und Weise, in der die gesellschaftlichen Indi­viduen sich als Sub­jek­te for­men. Hier­an anschließend wollen wir uns der Frage zuwen­den, wie und in welch­er Form, durch welche sozialen, tech­nis­chen und sym­bol­is­chen Fak­toren die Erzeu­gung, die Verteilung, die Spe­icherung und der Zugang von Wis­sen bee­in­flusst wird. Dazu wer­den wir uns im ersten Teil der Ver­anstal­tung mit eini­gen sozi­ol­o­gis­chen Konzepten der »Macht« auseinan­der­set­zen und diese dann im zweit­en Teil auf einige Beispiele des sich vor unseren Augen vol­lziehen­den gegen­wär­ti­gen gesellschaftlichen Trans­for­ma­tion­sprozess anzuwen­den ver­suchen.

Arbeitskreis “Am Kreuzweg der Wissensordnung”
(Wintersemester 2010/2011)

A Spec­tre is haunt­ing multi­na­tion­al cap­i­tal­ism – the spec­tre of free infor­ma­tion. All the pow­ers of ‘glob­al­ism’ have entered into an unholy alliance to exorzise this spec­tre (…) Througout the world the move­ment for free infor­ma­tion announces the arrival of a new social struc­ture, born of the trans­for­ma­tion of bour­geois indus­tri­al soci­ety by the dig­i­tal tech­nol­o­gy of its own inven­tion.” (Eben Moglen: The dot­Com­mu­nist Man­i­festo 2003)

In dem Arbeit­skreis stellen wir uns die Frage: “was ist eigentlich das Rev­o­lu­tionäre” an der soge­nan­nten “dig­i­tal­en Rev­o­lu­tion”? Wer sind die Sub­jek­te dieser Trans­for­ma­tion und was ist ihr Gegen­stand? Wir knüpfen an die Beobach­tung an, dass die Wis­sens­for­ma­tion der Gesellschaft sich insofern an einem Kreuzweg befind­et, als gegen­wär­tig Weichen­stel­lun­gen erfol­gen, die darüber entschei­den, ob die Poten­ziale der Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien genutzt wer­den, um mehr Selb­st­bes­tim­mung der Indi­viduen und größere Trans­parenz der anony­men Sys­teme der Macht herzustellen, oder aber eher umgekehrt eine stärkere Kon­trolle der Bürg­er durch Samm­lung und Auswer­tung der Dat­en, die sie bei all ihren Hand­lun­gen hin­ter­lassen. Darüber hin­aus stellt sich die Frage, inwieweit der freien gemein­schaftlichen Ver­fü­gung zugänglich sein wird, oder aber immer mehr zu ein­er Ware wird, die pro­pri­etären Prinzip­i­en und ökonomis­chen Kalkülen unter­wor­fen sein wird.

Arbeitskreis “Emanzipatorische Potenziale der Wissens-
gesellschaft” (Wintersemester 2009/2010)

Die Dekon­struk­tion aller Sub­jek­tre­f­eren­zen führt uns zur Posi­tion eines Beobachters zweit­er Ord­nung, der es sich zur Gewohn­heit gemacht hat, jew­eils zu fra­gen: wer sieht das?, wer sagt das?” (N. Luh­mann: Die Wis­senschaft der Gesellschaft, 1990)

Dem Arbeit­skreis “Emanzi­pa­torische Poten­ziale der Wis­sens­ge­sel­llschaft” geht es darum, den gegen­wär­ti­gen durch die ras­ante Entwick­lung der Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien aus­gelösten oder zumin­d­est beflügel­ten Tran­si­tion­sprozess, in dem sich die mod­erne Gesellschaft befind­et, zu ver­ste­hen. Wir greifen die vielerorts vertretene These auf, dass die gegen­wär­tig zu beobach­t­ende Tran­si­tion in einen gesellschaftlichen Zus­tand führt, der “Wis­sens­ge­sellschaft” beze­ich­net wer­den kann und fra­gen nach der sozialen Qual­iät eines solchen Tran­si­tion­sprozess­es gemessen an ein­er emanzi­pa­torischen Entwick­lung.