Arbeitskreis “Frieden für Kolumbien” konstituiert

Gestern, am 13. Novem­ber 2017, wurde der neue Arbeit­skreis Kolumbi­en gegrün­det, der von Wis­senskul­turen e.V. und dem inter­na­tionalen Frauen­zen­trum Bonn e.V. (ifz) gemein­sam getra­gen wird.

Der zen­trale Fokus des Arbeit­skreis­es ist der gegen­wär­tig in Kolumbi­en stat­tfind­ende Frieden­sprozess. In den bei­den Ver­anstal­tun­gen mit Ulrich Koll­witz und San­dra Isaza Giral­do vom Okto­ber 2017 war deut­lich gewor­den, wie zer­brech­lich der Frieden­sprozess in Kolumbi­en ist. Dieses Ein­schätzung wird durch neuere Berichte aus Kolumbi­en bestärkt (Vgl.:Kolumbian­is­ches Tage­buch). Damit der Frieden­sprozess nicht scheit­ert, braucht Kolumbi­en unter anderem inter­na­tionale Unter­stützung, und zwar nicht allein durch staatliche und/oder supra-staatliche Insti­tu­tio­nen, wie sie von der UN, den Sig­natar­mächt­en Kuba und Nor­we­gen und anderen Staat­en, wie beispiel­sweise Deutsch­land durch einen Son­der­beauf­tragten und dem Auf­bau eines Friedensin­sti­tutes, geleis­tet wer­den, son­dern auch durch die Zivilge­sellschaft. In Kolumbi­en selb­st sind die Aktiv­itäten der ver­schiede­nen zivilge­sellschaftlichen Grup­pen und sozialen Bewe­gun­gen ein ganz wichtiger Fak­tor für die Frage, in welche Rich­tung sich die Debat­te um die Gestal­tung des Friedens in Kolumbi­en entwick­eln wird. Mit unseren Aktiv­itäten wollen wir einen Beitrag zum Gelin­gen des Frieden­sprozess­es mit all seinen — nicht uner­he­blichen — gesellschaft­spoli­tis­chen Imp­lika­tio­nen, wie sie im “Acuer­do Final” zwis­chen der Regierung und den FARC vere­in­bart wor­den sind, leis­ten.

Um uns hier ein­brin­gen zu kön­nen und einen Beitrag leis­ten zu kön­nen, wollen wir zunächst ein­mal zwei­gleisig ver­fahren: Zum einen wollen wir inner­halb des Arbeit­skreis­es gemein­sames Wis­sen über das was in Kolumbi­en passiert, gener­ieren (Innen­per­spek­tive). Zum anderen wollen wir geeignete For­mat­en find­en, mit denen wir uns in den Frieden­sprozess ein­brin­gen kön­nen. Dazu gehört auch die Unter­stützung geeigneter Pro­jek­te, und zwar in Kolumbi­en selb­st aber auch in Deutsch­land (Außen­per­spek­tive). Zu bei­den Punk­ten wurde eine Rei­he von Vorschlä­gen disku­tiert, über die noch nicht abschließend entsch­ieden wurde, weil erstens die Infor­ma­tions­ba­sis nicht aus­re­ichend vorhan­den war und zweit­ens, weil wir den Mei­n­un­gen der­jeni­gen, die sich für den AK inter­essieren aber beim ersten Tre­f­fen nicht anwe­send kein kon­nten, nicht vor­greifen woll­ten.

Innen- und Außen­per­spek­tive wollen wir in jed­er unser­er Sitzung miteinan­der verbinden. D.h. wir begin­nen die Sitzun­gen des Arbeit­skreis­es mit der Reflex­ion eines bes­timmten The­mas, das mit der gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion in direk­tem oder indi­rek­tem Zusam­men­hang ste­ht (30 bis 45 Minuten). Hierzu wird jew­eils von einem Arbeistkreis­mit­glied ein kurzes Impul­srefer­at vor­bere­it­et. Eine Liste von poten­ziellen The­men, die sukzes­sive abgear­beit­et wer­den soll, wurde gestern erstellt. Wir begin­nen beim näch­sten Tre­f­fen mit der Geschichte des Kon­flik­tes (seit 1948). Hierzu hat sich Michael Pae­tau bere­it erk­lärt, eine Ein­führung zu geben. Weit­er­führende Infor­ma­tio­nen lassen sich in unserem Kolumbian­is­chen Tage­buch nach­le­sen.

Das näch­ste Tre­f­fen des Arbeit­skreis­es find­et statt am
Dien­stag, den 28. Novem­ber, 18:00 Uhr
Ort: IFZ, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn

Rechtspopulismus und neoliberale Hegemonie

Das Wahlergeb­nis der gestri­gen Bun­destagswahl müssen demokratisch gesin­nte Men­schen in diesem Land erst­mal ver­dauen. Unser Mit­glied Gerd Pütz gibt in dem fol­gen­den Beitrag eine Ein­schätzung über den Zusam­men­hang der recht­spop­ulis­tis­chen Ein­twick­lung und der nun schon seit vie­len Jahren andauern­den ide­ol­o­gis­chen Hege­monie des Neolib­er­al­is­mus

Mit dem Fin­ger auf die Gefol­gschaft von Pegi­da & Co. zu zeigen und seinen Ekel vor ihrem
Ras­sis­mus zum Aus­druck zu brin­gen, mag als spon­tane Hand­lung des poli­tisch kor­rek­ten und moralisch empörten demokratis­chen Klein­bürg­ers ver­ständlich sein. Für die Analyse der Ursachen des Auf­schwungs der Recht­en und die Entwick­lung ein­er wirk­samen Gegen­strate­gie ist die öffentlich demon­stri­erte und häu­fig mit Ver­ach­tung vor­ge­tra­gene Empörungsrhetorik eher kon­trapro­duk­tiv. Wer über die Hege­monie des Neolib­er­al­is­mus und die Deklassierung ganz­er Bevölkerungs­grup­pen schweigt, soll vom Recht­spop­ulis­mus nicht reden. Rechte Dem­a­gogie lässt sich nur nach­haltig bekämpfen, wenn der soziale und poli­tis­che Hin­ter­grund des recht­en Protests aus­geleuchtet wird. Die fol­gen­den The­sen greifen einige Aspek­te dieses Hin­ter­grunds, der durch die finanzkap­i­tal­is­tis­che Phase des Kap­i­tal­is­mus geprägt ist, auf und kon­stru­ieren den para­dox­en Inter­esse­naus­gle­ich zwis­chen neolib­eraler Hege­monie und Recht­spop­ulis­mus. Weit­er­lesen

Ein Blick zurück kann ein Blick nach vorne sein:
Dorothy Counts vor 60 Jahren

Ein Beitrag von Dominik van Os, Arn­heim, Nieder­lande.

So, wie es da ste­ht und wie es sei­ther immer mal wieder kol­portiert wird, kann es sich schon mal nicht zuge­tra­gen haben. Es sei ein Foto gewe­sen, schreibt der große James Bald­win in seinem Essay ‚No Name in the Street‘, das in ihm den Entschluss habe reifen lassen, nach neun Jahren in Paris wieder in die USA zurück­zukehren, um vor Ort seine Stimme für das Civ­il Rights Move­ment in den Ring zu wer­fen. Ein ikonis­ches Foto, das um die Welt ging, und das Bald­win im Herb­st 1956 auf seinem Weg zu ein­er Tagung an der Sor­bonne auf den Titel­blät­tern der aus­liegen­den Zeitun­gen gese­hen haben will: Die Abbil­dung der fün­fzehn­jähri­gen Dorothy Counts, gehänselt und bespuckt von einem Mob weißer Schüler, wie sie sich stoisch ihren Weg bah­nt, um als erste dunkel­häutige Schü­lerin an der Har­ry Hard­ing High School in Char­lotte, North Car­oli­na, unter­richtet zu wer­den. Ein Meilen­stein der afroamerikanis­chen Bürg­er­rechts­be­we­gung, weil in diesem einen Bild der zu über­windende Hass eben­so einge­fan­gen ist wie die Entschlossen­heit, sich davon nicht mehr aufhal­ten zu lassen. Nur, dass Bald­win dieses Foto nicht im Herb­st 1956 gese­hen haben kann, weil die Deseg­re­ga­tion der Hard­ing High erst rund zwölf Monate später stat­tfand, näm­lich am 4. Sep­tem­ber 1957. Heute vor mehr als sechzig Jahren. Weit­er­lesen

Fachgespräch “Neue Wege in der Bildungsarbeit im
kolumbianischen Friedensprozess” (19.10.2017)

In Zusam­me­nar­beit mit dem inter­na­tionalen Frauen­zen­trum Bonn e.V. (ifz),  dem Lateinameri­ka-Zen­trum e.V. und dem Frauen­net­zw­erk für Frieden e.V.  laden wir anlässlich des Besuchs von San­dra Isaza Giral­do zu einem Fachge­spräch über Kolumbi­en ein. Der Schw­er­punkt wird dies­mal auf der Rolle der Frauen im Frieden­sprozess liegen. Die während der Ver­hand­lun­gen in Havana gebildete Gen­der-Kom­mis­sion hat mit­tler­weile eine eigene Dynamik erzeugt, die dazu beiträgt, dass immer mehr Frauen auf dem Lande — ganz im Sinne des Friedensver­trages — mehr Rechte und stärkere Par­tizipa­tion und Repräsen­ta­tion auf allen gesellschaftlichen und poli­tis­chen Ebe­nen ein­fordern.

San­dra Isaza Giral­do ist Erziehungswis­senschaft­lerin und Vor­sitzende des Net­zw­erkes des “Red Fem­i­nista Anti­mil­i­tarista, Medel­lín” und bereist gegen­wär­tig Deutsch­land, um hier über die Sit­u­a­tion in ihrem Heimat­land zu bericht­en. Sie wird ins­beson­dere über den gegen­wär­ti­gen Stand des Frieden­sprozess­es und ihre Erfahrun­gen mit Basisor­gan­i­sa­tio­nen, Frauen, Bäuerin­nen, Kindern und Jugendlichen bericht­en.

Datum: Don­ner­stag, den 19. Okto­ber 2017 von 11:00 – 13:00 Uhr
Ort: ifz, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn.

Down­load des aus­führlichen Ein­ladungs­fly­ers

Für nähere Infor­ma­tio­nen über die im Friedensver­trag zwis­chen der Regierung und der Gueril­la aus­ge­han­del­ten Inhalte siehe auf unser­er Web­site das “Kolumbian­is­che Tage­buch” .

Veranstaltungsreihe Kolumbien (VI):
Der Frieden wird das Land verändern (11.10.2017)

Vor­trags- und Diskus­sionsver­anstal­tung von »Wis­senskul­turen e.V.« und dem  »Inter­na­tionalen Frauen­zen­trum Bonn (IFZ)«. Ref­er­ent: Ulrich Koll­witz, Quib­do, Kolumbi­en.

Datum: Mittwoch, den 11. Okto­ber 2017, 19:00 — 21:00 Uhr
Ort: IFZ-Bonn, Quan­tiusstraße 8, 53115 Bonn

Mit der Unterze­ich­nung des Friedens­abkom­mens zwis­chen der kolumbian­is­chen Regierung und der FARC-Gueril­la sowie der Ver­lei­hung des Frieden­sno­bel­preis­es an Präsi­dent San­tos ist Kolumbi­en in den let­zten Monat­en stärk­er in den Fokus der deutschen Medi­en ger­at­en, als es jahre­lang zuvor der Fall war. Doch nach wie vor sind Berichte über Einzel­heit­en, Hin­ter­gründe, Umset­zung­sprob­leme und -wider­stände eher sel­ten.

Mit dem »Acuer­do Final« der Ver­hand­lun­gen in Havan­na ist ein Doku­ment ent­standen, das eine Vision für ein neues Kolumbi­en enthält, Die Umset­zung dieses über 300 Seit­en lan­gen Ver­trages würde zum Teil gravierende Verän­derun­gen in nahezu allen Teilen der Gesellschaft bedeuten. Demen­sprechend groß ist auch der Wider­stand bei den­jeni­gen gesellschaftlichen Kräften, die eine Ein­schränkung oder gar den Ver­lust ihrer Priv­i­legien befürcht­en und die eine Verän­derung unter allen Umstän­den ver­mei­den wollen.

Der Frieden in Kolumbi­en ist noch keineswegs gesichert. In unser­er gemein­samen Ver­anstal­tung des Vere­ins »Wis­senskul­turen e.V.« und dem »Inter­na­tionalen Frauen­zen­trum Bonn (IFZ)«, wollen wir einen inten­siv­eren Blick auf den Frieden­sprozess wer­fen. Wir wollen sowohl über die Inhalte des Friedens­abkom­mens als auch über die Schwierigkeit­en zu sein­er Umset­zung bericht­en und disku­tieren. Dabei set­zen wir einen regionalen Schw­er­punkt auf die Ereignisse in der Paz­i­fikre­gion Chocó. Mit Ulrich Koll­witz, vom »Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz« in Quib­do, der für seine über vierzigjährige engagierte Arbeit mit den Betrof­fe­nen des Kon­flik­tes 2007 mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz aus­geze­ich­net wurde, begrüßen wir einen Ref­er­enten, der aus erster Quelle bericht­en wird.

Wer sich im Voraus unser­er Ver­anstal­tung etwas näher über die im Friedensver­trag zwis­chen der Regierung und der Guereil­la aus­ge­han­del­ten Inhalte informieren möchte, kann einen Blick in das bei uns erscheinende “Kolumbian­is­che Tage­buch” wer­fen.

14th International Conference of Sociocybernetics,
Medellin, Colombia, June 20–24, 2017

A Con­fer­ence of Socio­cy­ber­net­ics is a unique and ide­al aca­d­e­m­ic forum for dis­cussing on inno­va­tion and social con­flicts, one that goes beyond the bound­aries of tra­di­tion­al dis­ci­plines. The Con­fer­ence has no par­al­lel ses­sions, thus we encour­age all par­tic­i­pants to con­tribute to and prof­it from the full stream of dis­cus­sions dur­ing the Con­fer­ence, which, as a devel­op­ing con­ver­sa­tion, usu­al­ly embraces all of the pre­sen­ta­tions, sys­tem­i­cal­ly and over-arch­ing­ly. The goal of the 2017 Con­fer­ence is, there­fore, bring researchers from dif­fer­ent dis­ci­plines togeth­er to explore, with­in a socio­cy­ber­net­ics approach, the chal­lenges and oppor­tu­ni­ties relat­ed to the com­plex rela­tion­ships between inno­va­tion and social con­flicts.

We invite the sub­mis­sion of pro­pos­als to dis­cuss inno­va­tion and social con­flicts from a socio­cy­ber­net­ics per­spec­tive. Top­ics may include:

  • Con­flict res­o­lu­tion
  • Cul­ture clash and sys­temic change
  • Cybercultur@ and knowl­edge com­mu­ni­ties
  • Inno­va­tion sys­tems
  • Inno­va­tion vs. Tra­di­tion
  • Media, protests and polit­i­cal action
  • New forms of social orga­ni­za­tion
  • News pro­duc­tion, cir­cu­la­tion and con­sump­tion
  • Pri­va­cy, con­trol and sur­veil­lance
  • Sim­u­la­tion and com­pu­ta­tion­al social sci­ence
  • Sus­tain­able Devel­op­ment

Con­fer­ence Web­site:
The Details of the Con­fer­ence can be obtained here!

 

Netzwerk Weltoffen: Europas Entwicklung nach Rechts
und die Auswirkungen auf die Asyl- und Migrationspoltik

Das Bon­ner Flüchtlingspoli­tis­che Net­zw­erk weltof­fen und die Evan­ge­lis­che Migra­tions-Flüchtlingsar­beit Bonn (EMFA)-Inte­gra­tionsagen­tur laden ein zur Diskus­sion:

Zunehmende Entwick­lung nach Rechts
und die Auswirkun­gen auf die Asyl- und Migra­tionspoli­tik

Mon­tag, 5. Sep­tem­ber 2016, 19 Uhr
MIGRApo­lis – Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16 — 18, Bonn
Ref­er­ent: Jörg Kro­nauer

Es ist noch kein Jahr her, da staunte ganz Europa über den „Som­mer des Willkom­mens“ in Deutsch­land: Tausende Bürg­erin­nen und Bürg­er sahen und sehen sich aufgerufen, die aus den Krisen­her­den der Welt nach Deutsch­land Flüch­t­en­den zu unter­stützen und ihnen die Teil­habe am Leben in Deutsch­land zu ermöglichen. Doch zunehmend melde­ten sich Grup­pierun­gen mit unver­hohlen frem­den­feindlichen, nation­al­is­tis­chen und ras­sis­tis­chen Parolen zu Wort. Auch bei den Parteien im Bun­destag mehrten sich die Stim­men der­er, die restrik­tive Maß­nah­men gegen die Flüchtlinge fordern. Hinzu kom­men die unge­niert im Inter­net geäußerten Has­s­parolen, Bran­dan­schläge, Gewalt­de­lik­te und Über­griffe gegen Geflüchtete und ihre Unterkün­fte. Das Bun­deskrim­i­nalamt reg­istri­erte bis Anfang August 613 solch­er Delik­te. Und es ist zu befürcht­en, dass der flüchtlings­feindliche Trend im Zuge der bevorste­hen­den Bun­destags- und Land­tagswahlen noch zunimmt. Ganz zu schweigen davon, dass die Entwick­lung in den Län­dern der EU wenig Hoff­nung macht.

In der Ver­anstal­tung wollen wir vor allem zwei Punk­te ansprechen:

Erstens die Frage der Recht­sen­twick­lung selb­st (hier scheint v.a. die neue, sub­tile Form des Recht­sradikalis­mus inter­es­sant zu sein, die nicht immer sofort als “rechts” erkennbar ist, wie z.B. bei den “Iden­titären”, die Begriffe ver­wen­den, die vie­len Leuten auf den ersten Blick ganz und gar unverdächtig erscheinen, aber bei genauem Hin­se­hen knall­harte Apartheit­skonzepte zum Aus­druck brin­gen (z.B. “Ethno­plu­ral­is­mus”). Es ist ja unüberse­hbar, dass hier mit­tler­weile ein Rin­gen um ide­ol­o­gis­che Hege­monie begonnen hat, sich aber nur sehr unscharf zeigt, wer und wessen Inter­essen genau dahin­ter ste­hen. Welche Rolle spie­len (lib­erale ?) Think-Tanks wie z.B. die Hayek-Gesellschaft? Und warum fall­en die Men­schen darauf rein, obwohl — wie ein Blick in das Wahl­pro­gramm der AfD rasch zeigen kön­nte — da eine Poli­tik betrieben wer­den soll, die den Inter­essen der Wäh­ler zuwider läuft.

Der zweite Prob­lemkom­plex soll sich mit der Frage befassen, was das für die Migra­tions- und Asylpoli­tik bedeutet. Es bee­in­flusst ja zweifel­los die Ein­stel­lung der Bevölkerung zur Frage von Migra­tion und Asysl, und es bee­in­flusst ja sog­ar die Hil­fs­bere­itschaft. In diesem Block soll es um fol­gende Fra­gen gehen: Ist Inte­gra­tion unter diesen Vorze­ichen noch möglich? Ist Inte­gra­tion über­haupt noch gewollt? Kön­nen die nach Deutsch­land Geflüchteten hier über­haupt noch Sicher­heit und Per­spek­tive find­en? Wie gehen die ehre­namtlichen Helferin­nen und Helfer mit dieser Entwick­lung um? Was lässt sich tun, um zu ver­mei­den, dass sich die schon beste­hende Frem­den­feindlichkeit weit­er ver­stärkt und stattdessen das Kli­ma der Offen­heit und Auf­nah­me­bere­itschaft lebendig gehal­ten wird? Welche Möglichkeit­en gibt es, die Entwick­lung nach Rechts zu stop­pen?

Third “ISA-Forum of Sociology” in Vienna, July 10 -14, 2016

Session 11 of Research Committee on Sociocybernetics (RC51):
»Steering of Transitional Justice: The Question of
Civil Societal’s Democracy«

Tran­si­tion­al Jus­tice is a very high com­plex approach to achiev­ing jus­tice in times of tran­si­tion from con­flict and/or state repres­sion. It needs a strong goal-ori­ent­ed but also empa­thet­ic and flex­i­bel steer­ing process, which has to achieve account­abil­i­ty and redress­ing vic­tims, tran­si­tion­al jus­tice pro­vides recog­ni­tion of the rights of vic­tims, pro­motes civic trust and strength­ens the demo­c­ra­t­ic rule of law. But the ade­quate con­sid­er­a­tion of the com­plex­i­ty of all exist­ing dri­ving-fac­tors is very dif­fi­cult and requieres usu­al­ly a sec­ond order obser­va­tion process by includ­ing a vari­ety of social move­ments of civ­il soci­ety. But this requiere­ment seems to be after all avail­able expe­ri­ences the weak point of tran­si­tion­al jus­tice. The ses­sion will dis­cuss papers which describes prac­ti­cal expe­ri­ences and sci­en­tif­ic analy­sis of steer­ing process­es of tran­si­tion jus­tice and wants to analyse this weak-point and ask­ing for solu­tions from a socio­cy­ber­net­ic point of view.


Organ­is­er:

Michael PAETAU, Cen­ter for Socio­cy­ber­net­ics Stud­ies, Ger­many — michael.paetau[ät]sociocybernetics.eu and

Pedro J. ESCRICHE, Uni­ver­si­dad de Zaragoza, Spain, pescrich[ät]unizar.es

For more infor­ma­tion: https://isaconf.confex.com/isaconf/forum2016/webprogrampreliminary/Symposium305.html

Hindenburg-Forum” der Stadt Bonn am 15. Juni 2015

Am 17. April 2012 hat­ten wir an den Rat der Bun­destadt Bonn den Antrag gestellt, dem früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg die ihm während der Naz­i­herrschaft ver­liehene Ehren­bürg­er­würde der Stadt Bonn posthum zu entziehen sowie den Hin­den­burg­platz in Dot­ten­dorf und die Hin­den­bur­gallee in Bad-Godes­berg umzuben­nen. In der Begrün­dung unseres Antrags heißt es u.a.: “Der frühere Reich­spräsi­dent Hin­den­burg muss auf­grund der gegen­wär­ti­gen wissenschaftli­chen Erken­nt­nisse als ver­häng­nisvolle Unheils­gestalt der deutschen Geschichte erachtet wer­den.” In dem Antrag heißt es weit­er: “In ein­er Sit­u­a­tion, in der die demokratis­che Öffentlichkeit nach Wegen und Mit­teln gegen recht­sex­trem­istis­chen Ter­ror und die Ver­bre­itung nation­al­sozial­is­tis­chen Gedankengutes sucht, ist die Ehren­bürg­er­schaft für einen Weg­bere­it­er des NS-Regimes, der wie kaum eine andere Per­son für Demokratiefeindlichkeit und nationale Über­he­blichkeit ste­ht, ein Affront gegenüber den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und gegenüber allen Men­schen, die sich gegen Ras­sis­mus und Neon­azis mutig zur Wehr set­zen. Mit diesem Antrag möcht­en wir den guten Namen der ehe­ma­li­gen Bun­de­shaupt­stadt und jet­zi­gen Bun­desstadt Bonn als ein­er weltof­fe­nen und tol­er­an­ten UN-City, die Men­schen aus allen Län­dern und Kul­turen willkom­men heißt, schützen und vertei­di­gen.”

Nach­dem der Vere­in Wis­senskul­turen bere­its am 15. Juni 2013 gemein­sam mit dem NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum Köln (NS-Dok) eine öffentliche Diskus­sionsver­anstal­tung zu dem umstrit­te­nen The­ma ver­anstal­tet hat (s. den Fly­er zur Ver­anstal­tungsrei­he “Die Auseinan­der­set­zung um Paul von Hin­den­burg”) hat sich zwei Jahre später auch die Stadt Bonn dazu durchgerun­gen, “ein öffentlich­es, plu­ral­is­tisch beset­ztes Forum mit Wis­senschaft­lerin­nen und Wis­senschaftlern und den Antrag­stel­lerin­nen und Antrag­stellern der entsprechen­den Bürg­er­anträge” zu ver­anstal­ten, “um einen Beitrag zur Mei­n­ungs­bil­dung zu leis­ten, Bürg­erin­nen und Bürg­ern Gele­gen­heit zur Mitwirkung zu geben und eine abschließende Beratung in Bezirksvertre­tung und Rat vorzu­bere­it­en.” Dieses Bürg­er­fo­rum fand statt am


Datum: 11. Juni 2015, 18:00 — 21:00 Uhr
Ort: Elis­a­beth-Sel­bert-Gesamtschule, Hin­den­bur­gallee 50, 53175 Bonn

Dokumente zum Download:

Veranstaltungsreihe Kolumbien (V): Chocó — Eine kolumbianische Region im Schatten der Globalisierung (21.05.2015)

Wenig beachtet von der Öffentlichkeit und den inter­na­tionalen Medi­en find­et im Chocó, ein­er im paz­i­fis­chen Küs­ten­tiefland liegen­den Region Kolumbi­ens, eine Auseinan­der­set­zung um die Autonomie der bäuer­lichen Gemein­den und um die dro­hende Zer­störung der natür­lichen Lebens­grund­la­gen der ansäs­si­gen Bevölkerung statt. Eine Auseinan­der­set­zung, die uns alle ange­ht. Denn: Der tro­pis­che Regen­wald des Chocó ist eine der wasser­re­ich­sten Gegen­den der Welt. Auf 46.500 km² Fläche befind­et sich eine Pflanzen- und Tier­welt, die an Vielfalt und Schön­heit einzi­gar­tig ist. Der Natur­park Katios am Río Atra­to wurde von der UNESCO zum Naturerbe der Men­schheit ernan­nt. Seine Erhal­tung ste­ht exem­plar­isch für den Schutz der Natur in allen Teilen unser­er Erde. Unsere 5. Kolumbi­en-Ver­anstal­tung fand wieder mit wieder Ursu­la Holzapfel und Ulrich Koll­witz von dem “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Dep. Choco, Kolumbi­en, die wir auch schon bei den drei voraus­ge­gan­genen Ver­anstal­tun­gen zu Gast hat­ten. Die Ver­anstal­tung fand am 21. Mai 2015 in der “Alten Kaplanei” der Pfar­rei Sankt Sebas­t­ian in Bonn-Pop­pels­dorf, Ster­nen­burgstraße 27, statt.

Zum Down­load der Ver­anstal­tungsankündi­gung:
Fly­er der Ver­anstal­tung in Bonn am 21. Mai 2015

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Veranstaltungsreihe Kolumbien (IV): Kolumbien wehrt sich gegen Naturzerstörung (10.10.2013)

Unsere 4. Kolumbi­en-Ver­anstal­tung befasste sich mit den aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen des Jahres 2013 in dem südamerikanis­chen Land, vor allem mit dem wach­senden Wider­stand gegen die Umweltzer­störung und den Protesten der Land­bevölkerung gegen ihre zunehmende Ver­ar­mung auf­grund von Bil­ligim­porten und Frei­han­delsabkom­men. Diese Auseinan­der­set­zun­gen haben sich in den let­zten Monat­en auf mehrere Regio­nen Kolumbi­ens aus­gedehnt. Unsere Diskus­sion beyog sich beispiel­haft auf die Region Choco, wo die Gold­mi­ne­naus­beu­tung Boden und Regen­wald zer­stört und damit auch die Lebens­grund­la­gen der Afro- und indi­ge­nen Bevölkerung bedro­ht. Als Ref­er­enten kon­nten wir wieder Ulrich Koll­witz und Ursu­la Holzapfel, von dem “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Dep. Choco, Kolumbi­en, gewin­nen, deren ken­nt­nis­re­iche und detail­lierte Beschrei­bung der Prob­leme uns bere­its bei den bei­den ver­gan­genen Ver­anstal­tun­gen begeis­tert hat. Für ihre Arbeit im Depar­ta­ment Chocó waren bei­de im Jahre 2007 mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz aus­geze­ich­net wor­den.

Die Ver­anstal­tung fand in Koop­er­a­tion mit der Infor­ma­tion­sstelle Lateinameri­ka (ILA) und dem Ibero Club Bonn statt. Don­ner­stag, den 10. Okto­ber 2013, 19:00 Uhr; Ort: Kapi­tel­saal der Katholis­chen Hochschul­ge­meinde Bonn/Sankt Remigius, Brüder­gasse 8, Bonn. Lage­plan Sankt Remigius

choco_vorher
choco_nachher

Regen­wald im Choco: vor und nach dem ille­galen Gold­ab­bau

Zur Auseinandersetzung um Paul von Hindenburg: Die Macht des Mythos: “Ehre wem Ehre gebührt”?! (15.6.2013)

Anlässlich der Auseinan­der­set­zung um den früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg als Ehren­bürg­er und Namenspa­tron in der Bun­desstadt Bonn (s. unten), hat­ten wir zu zwei Infor­ma­tions- und Diskus­sionsver­anstal­tun­gen ein­ge­laden. Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den gemein­sam vom NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln und Wis­senskul­turen e.V., Bonn, durchge­führt. Der Fly­er für bei­de Ver­anstal­tun­gen liegt hier zum Down­load bere­it. Die Ver­anstal­tun­gen fand an fol­gen­den Tagen statt:

  • Mittwoch 5. Juni 2013: “Die Macht des Mythos: Paul von Hin­den­burg in der deutschen Öffentlichkeit” mit Anna von der Goltz (George­town Uni­ver­si­ty Wash­ing­ton), um 19:00 Uhr, NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum der Stadt Köln (EL-DE-Haus), Appell­hof­platz 23–25, 50667 Köln, und
  • Sam­stag 15. Juni 2013: “‘Ehre, wem Ehre gebührt’?! Hin­den­burg als Namenspa­tron”, ein Work­shop mit Arbeits­grup­pen zu drei The­men der Auseinan­der­set­zung, um 14:30 Uhr, MIGRApo­lis Haus der Vielfalt, Brüder­gasse 16–18, 53111 Bonn.

Der Vor­trag von Anna von der Goltz am 5. Juni 2013 beleuchtete die Selb­st- und Fremdzuschrei­bun­gen Paul von Hin­den­burgs in der deutschen Öffentlichkeit 1914–1934. Die Ref­er­entin ist Assis­tant Pro­fes­sor für Deutsche Geschichte an der George­town Uni­ver­si­ty in Wash­ing­ton. 2008 erhielt sie den Ernst-Fraenkel-Preis für ihre Studie zum Hin­den­burg-Mythos; 2009 erschien ihr Buch „Hin­den­burg: Pow­er, Myth, and the Rise of the Nazis“ bei Oxford Uni­ver­si­ty Press.

Im Zen­trum der Ver­anstal­tung am 15. Juni 2013, ste­hen drei The­men­bere­iche, die in Arbeits­grup­pen behan­delt wur­den:

  • AG 1: „Straßenkämpfe”? Prak­tis­che Erfahrun­gen mit lokalen Kon­flik­ten um Straßenum­be­nen­nun-
    gen. Am Beispiel der Kon­tro­verse um den Hin­den­burg­platz in Mün­ster. Impul­srefer­at von Michael Sturm, Geschicht­sort Vil­la ten Hom­pel der Stadt Mün­ster.
  • AG 2: Der Gefre­ite Hitler als Tes­ta­mentsvoll­streck­er Hin­den­burgs.
    Impul­srefer­at von Dr. Arnold Mau­r­er, Lehrer der Bon­ner Elis­a­beth-Sel­bert-Gesamtschule an der
    Hin­den­bur­gallee, die eine Schü­lerini­tia­tive zur Umbe­nen­nung der Straße ges­tartet hat­te.
  • AG 3: „Wirk­mächtigkeit des Mythos“. Was verbindet Hin­den­burg, Sar­razin und den NSU?
    Impul­srefer­at von Dr. Thomas Kaut, Wis­senskul­turen e.V.
  • Anschließend erfol­gte eine Zusam­men­fas­sung und Diskus­sion im Plenum.
    Mod­er­a­tion: Dr. Michael Pae­tau und Gerd Pütz

Bei­de Ver­anstal­tun­gen wur­den von der Info- und Bil­dungsstelle gegen Recht­sex­trem­is­mus im NS-DOK der Stadt Köln, dem Min­is­teri­um für Fam­i­lie, Kinder, Kul­tur und Sport des Lan­des Nor­drhein-West­falen sowie vom Bun­desmin­is­teri­um für Fam­i­lie, Senioren, Frauen ud Jugend im Rah­men des Bun­de­spro­gramms “TOLERANZ FÖRDERNKOMPETENZ STÄRKEN” gefördert.
Zum Down­load:
Fly­er der Ver­anstal­tungsrei­he “Die Auseinan­der­set­zung um Paul von Hin­den­burg”

hindihinkel

Veranstaltungsreihe Kolumbien (III): Deutsch-Kolumbianische Theaterproduktion: Wiedergutmachung — Innehalten um weitergehen zu können. Eine lebendige Ausstellung (6.6.2013)

Nach mehr als 50 Jahren Bürg­erkrieg in Kolumbi­en find­en seit eini­gen Monat­en Friedensver­hand­lun­gen statt. Was es heißt, in diesem zer­ris­se­nen Land von Gerechtigkeit und Wiedergut­machung zu sprechen, bracht­ngen die Kün­stler des the­ater­päd­a­gogis­chen Pro­jek­ts des Zivilen Friedens­di­en­stes (Arbeits­ge­mein­schaft für Entwick­lung­shil­fe e.V. (AGEH)), der “Cor­po­ración Juridi­ca Lib­er­tad” und des Kollek­tivs “Bar­racu­da Carmela” in ein­er mul­ti­me­di­alen Insze­nierung zum Aus­druck. In dem The­ater­stück trat­en die Kün­stler Inge Kleut­gens, Catali­na Med­i­na und Felipe Ver­gara als “lebende Bilder” in einen Dia­log mit den Werken des kolumbian­is­chen Malers Sanchez Caballero auf. Sie lei­ht­en den Bildern ihre Kör­p­er und ihre Stim­men. Das Stück ver­mit­telte eine andere Form der Reflex­ion des gegen­wär­ti­gen sozialen und poli­tis­chen Kon­flik­ts in Kolumbi­en. Es wurde in spanis­ch­er und deutsch­er Sprache aufge­führt. Spanis­che Texte wer­den ins Deutsche übersetzt.Einen kurzen Ein­blick in das Stück find­et man in diesem: Video. Details zu der Ver­anstal­tung lassen sich hier im Fly­er. nach­le­sen.

Ver­anstal­ter waren das Inter­na­tionale Frauen­zen­trum Bonn und die terre des hommes Gruppe/Bonn in Koop­er­a­tion mit dem Bon­ner Net­zw­erk für Entwick­lung, dem Ibero-Club Bonn e.V., der Deutschen Gesellschaft für Inter­na­tionale Zusam­me­nar­beit (GIZ) GmbH, dem Frauen­net­zw­erk für Frieden, dem Lateinameri­ka Zen­trum Bonn, der Infor­ma­tion­sstelle Lateinameri­ka (ILA), der Amnesty Inter­na­tion­al Hochschul­gruppe Bonn und dem Vere­in Wis­senskul­turen e.V. Die The­ater­tournee wurde gefördert von: Brot für die Welt, Mis­ere­or und der AGEH.

Zum Down­load:
Fly­er der Ver­anstal­tung in Bonn am 6. Juni 2013

Bürgerausschuss fordert ein klares Zeichen des Bonner Stadtrates gegen Hindenburg

Der Krieg bekommt mir wie eine Badekur.” (Paul von Hin­den­burg)

Der von unserem Vere­in an den Rat der Bun­destadt Bonn gestellte Antrag, dem früheren Reich­spräsi­den­ten Paul von Hin­den­burg die ihm während der Naz­i­herrschaft ver­liehene Ehren­bürg­er­würde der Stadt Bonn posthum zu entziehen, wurde am 29.11.2012 erneut im Bürg­er­auss­chuss berat­en. Lei­der kon­nten sich auch dies­mal die Bürg­er der Stadt Bonn nicht an der Debat­te beteili­gen. Und wieder wurde die Hoff­nung ent­täuscht, dass die poli­tisch Ver­ant­wortlichen dieser Stadt ein deut­lich­es poli­tis­ches Sig­nal aussenden wür­den. Aber immer­hin wurde mehrheitlich beschlossen, dem Rat der Stadt Bonn die Ver­ab­schiedung ein­er Res­o­lu­tion zu empfehlen, in der die 1933 von den Nazis durchgepeitschte Ernen­nung Hin­den­burgs zum Ehren­bürg­er posthum für null und nichtig erk­lärt wird. Und dass es hier­für gute Gründe gibt, zeigt nicht nur die Rolle Hin­den­burgs in der Weimar­er Repub­lik (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von M. Pae­tau), son­dern auch die Art und Weise, in der diese Ehrung 1933 zus­tande gekom­men war (s. unter “Doku­mente zum Down­load” den Beitrag von T. Kaut).

Wir hat­ten in unserem Antrag gefordert, Hin­den­burg die Ehren­bürg­er­würde abzuerken­nen sowie den Hin­den­burg­platz in Dot­ten­dorf und die Hin­den­bur­gallee in Bad-Godes­berg umzuben­nen. In der Begrün­dung unseres Antrags heißt es u.a.: “Der frühere Reich­spräsi­dent Hin­den­burg muss auf­grund der gegen­wär­ti­gen wissenschaftli­chen Erken­nt­nisse als ver­häng­nisvolle Unheils­gestalt der deutschen Geschichte erachtet wer­den.” In dem Antrag heißt es weit­er: “In ein­er Sit­u­a­tion, in der die demokratis­che Öffentlichkeit nach Wegen und Mit­teln gegen recht­sex­trem­istis­chen Ter­ror und die Ver­bre­itung nation­al­sozial­is­tis­chen Gedankengutes sucht, ist die Ehren­bürg­er­schaft für einen Weg­bere­it­er des NS-Regimes, der wie kaum eine andere Per­son für Demokratiefeindlichkeit und nationale Über­he­blichkeit ste­ht, ein Affront gegenüber den Opfern des Nation­al­sozial­is­mus und gegenüber allen Men­schen, die sich gegen Ras­sis­mus und Neon­azis mutig zur Wehr set­zen. Mit diesem Antrag möcht­en wir den guten Namen der ehe­ma­li­gen Bun­de­shaupt­stadt und jet­zi­gen Bun­desstadt Bonn als ein­er weltof­fe­nen und tol­er­an­ten UN-City, die Men­schen aus allen Län­dern und Kul­turen willkom­men heißt, schützen und vertei­di­gen.”

Doku­mente zum Down­load:

Constanza Paetau mit den Rheinlandtaler ausgezeichnet

Über die Ver­lei­hung des Rhein­land­talers an unser Mit­glied Con­stan­za Ruiz de Pae­tau haben wir uns sehr gefreut. Mit dem Rhein­land­taler zeich­net der Land­schaftsver­band Rhein­land seit 1975 jedes Jahr Per­sön­lichkeit­en aus, die sich in beson­der­er Weise um die kul­turelle Entwick­lung des Rhein­lan­des ver­di­ent gemacht haben. 2013 wurde unser Vere­ins­mit­glied Con­stan­za Pae­tau “für Ver­di­en­ste um das multi­na­tionale Zusam­men­leben und friedliche Miteinan­der zwis­chen einzel­nen Völk­er­grup­pen auf kul­turellem Gebi­et im Rhein­land” mit dieser Ausze­ich­nung geehrt. Con­stan­za Pae­tau war 1999 Grün­dungsmit­glied und langjährige Vor­sitzende des Inter­na­tionalen Frauen­zen­trums Bonn (IFZ), in dem Frauen aus Europa, Afri­ka, Ameri­ka und Asien engagiert sind und das sich als Ort interkul­tureller Begeg­nung ver­ste­ht. “Sie helfen den Frauen, sich in der neuen Heimat einzuleben und ermuti­gen sie, sich zu engagieren und selb­st aktiv zu wer­den”, hob der Vor­sitzende der Land­schaftsver­samm­lung Rhein­land, Pro­fes­sor Dr. Jür­gen Wil­helm in sein­er Lau­da­tio her­vor.

In Ihrer Dankesrede sagte Con­stan­za Pae­tau u.a.:

Wir müssen uns alle für die neue Vielfalt öff­nen und dabei Vielfalt nicht nur bezo­gen auf Eth­niz­ität begreifen, son­dern auf neue Lebens­for­men und Anschau­un­gen. Und wenn wir es gemein­sam schaf­fen, unsere eige­nen Bar­ri­eren abzubauen und eine Kul­tur der Wertschätzung von Unter­schiedlichkeit zu etablieren, nur so wird unsere Gesellschaft wirk­lich tol­er­an­ter wer­den und es wird ein „Wir Gefühl“ geschaf­fen, das von allen Mit­glieder der Gesellschaft getra­gen wird. Ein „Wir-Gefühl“, das heute von Per­so­n­en mit Migra­tionsh­in­ter­grund häu­fig ver­misst wird.” (Con­stan­za Pae­tau in ihrer Dankesrede)

Weit­ere Infor­ma­tio­nen zur Ver­anstal­tung des Rhein­land­talers 2013:

Veranstaltungsreihe Kolumbien (II): Der Kampf um die Selbstbehauptung der indigenen und afrokolumbianischen Bevölkerung im Chocó” (6.6.2012)

Ver­anstal­tung mit Ulrich Koll­witz und Ursu­la Holzapfel, “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Kolumbi­en, die über die Auseinan­der­set­zun­gen um Selb­st­be­haup­tung und Men­schen­rechte im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Chocó berichteten. (Mittwoch, den 6. Juni 2012, Räu­men des Haus­es Migrapo­lis, Brüder­gasse 16–18 , 53111 Bonn)

Wie bere­its auf unser­er ersten Ver­anstal­tung zu Kolumbi­en im Okto­ber 2010 aus­führlich dargestellt, ist die Sit­u­a­tion im Chocó seit vie­len Jahren durch Zer­störung der Umwelt, zunehmende poli­tis­che Kor­rup­tion sowie ständi­ge Gewalt von Paramil­itärs, reg­ulär­er Armee und Gueril­la gegen die haupt­säch­lich afrokolumbian­is­chen und indi­ge­nen Gemein­schaften geprägt. Die Diözese Quib­dó und die NGO Human Rights Every­where führen seit Jahren Pro­jek­te zur Unter­stützung der Selb­st­be­haup­tung dieser Gemein­schaften auf kollek­tiv­en Landbe­sitz und zur Vertei­di­gung ele­mentar­er Men­schen­rechte durch und ver­fü­gen deshalb über erstk­las­sige Infor­ma­tio­nen über die dor­tige Sit­u­a­tion. Mit unser­er Ver­anstal­tung wollen wir über die Sit­u­a­tion im Chocó informieren und das Engage­ment der Men­schen in diesen Pro­jek­ten unter­stützen. Als Ref­er­enten unser­er Infor­ma­tions- und Sol­i­dar­itätsver­anstal­tung kon­nten wir wieder — wie schon vor anderthalb Jahren — Ulrich Koll­witz, den Vertreter der Diözese, gewin­nen,  die bei­de in lebendi­ger Weise über Land, Men­schen und den Kampf für soziale Gerechtigkeit berichteten.

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Seminar an der Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie “Kommunikation – interdisziplinäre Einführung in einen medienwissenschaftlichen Grundbegriff”
(Michael Paetau: Sommersemester 2012)

Kom­mu­nika­tion wird seit jeher eine wichtige Rolle beigemessen, aber erst im 20. Jahrhun­dert wird sie eigen­ständi­ger Gegen­stand wis­senschaftlich­er Forschung” (D. Baeck­er: Kom­mu­nika­tion, 2005)

Das Sem­i­nar bietet eine grund­ständi­ge Ein­führung in den für die Medi­en­wis­senschaft zen­tralen Begriff der Kom­mu­nika­tion. Dem inter­diszi­plinären Charak­ter dieses Fachs fol­gend wer­den die Sichtweisen ver­schieden­er Wis­senschafts­diszi­plinen berück­sichtigt. Dabei wird autorenori­en­tiert vorge­gan­gen. Neben unter­schiedlichen sozial­wis­senschaftlichen Ansätzen zur Kom­mu­nika­tion­s­the­o­rie (Sim­mel, Mead, Goff­man, Unge­heuer, Haber­mas, Luh­mann) kom­men auch sprach­wis­senschaftliche (Büh­ler, Austin, Sear­le, Grice) und natur­wis­senschaftliche (Shan­non, Stonier, Mat­u­rana) Ansätze zu Wort.

Seminar an der Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie “Kulturgeschichte des Internet” (Michael Paetau: Sommersemster 2012)

Inter­net soll frei sein” (Bange­mann, M. et al.: Europe and the glob­al infor­ma­tion soci­ety. Rec­om­men­da­tions to the Euro­pean Coun­cil. May 1994)

Die Nutzung des Inter­net und der damit ver­bun­dene Wan­del der gesellschaftlichen Kom­mu­nika­tionsver­hält­nisse verän­dert eine ganze Rei­he von bis­lang oft unhin­ter­fragt akzep­tierten Vorstel­lun­gen über die Welt, von Ver­hal­tensweisen, Wahrnehmungsmustern, Begrif­f­en und sozialen Sinnbezü­gen. Diesen zum Teil sehr ras­an­ten und tief­greifend­en kul­turellen Wand­lung­sprozess wollen wir in dem Sem­i­nar anhand der seman­tis­chen Entwick­lung von Begrif­f­en bzw. Begriff­s­paaren wie Vir­tu­al­ität und Real­ität, Raum und Zeit, Inter­ak­tion und Kom­mu­nika­tion, Erin­nern und Vergessen, Pri­vatheit und Öffentlichkeit, Indi­vid­u­al­ität und Gemein­schaft, Eigen­tum, Frei­heit und anderen mehr beschreiben und in Bezug zu der sich in den let­zten Jahren vol­l­zo­ge­nen und sich weit­er vol­lziehen­den medi­alen Entwick­lung sozi­ol­o­gisch analysieren.

Arbeitskreis “Wissensallmende und Neue Medien” (Sommersemester 2012)

Com­mons bieten uns die Möglichkeit, die Dinge so beim Namen zu nen­nen, dass wir nicht blin­d­lings die Fik­tio­nen der alten Ord­nung wieder­holen.” (S. Hel­frich & D. Bol­lier: Com­mons als trans­for­ma­tive Kraft, Biele­feld 2012)

Die Diskus­sion um die Entwick­lungschan­cen der soge­nan­nten “Wis­sensall­mende” ist einge­bet­tet in die generellere Diskus­sion um Geme­ingüter bzw. die “Com­mons”. Durch die Ver­lei­hung des Nobel­preis­es für Wirtschaft im Jahre 2009 an Eli­nor Ostrom hat diese Diskus­sion einen enor­men Auf­schwung genom­men. Im AK »Wis­sensall­mende« befassen wir uns mit der Frage, was ist eine Wis­sensall­mende, wie kön­nte sie genau ausse­hen und welche Über­lebens­möglichkeit hätte sie in ein­er Welt, die durch die Hege­monie ein­er waren­pro­duzieren­den, und damit an der Schaf­fung von Mehrw­ert ori­en­tierten Gesellschaft geprägt ist. Wir begin­nen mit einem Aus­flug in die Geschichte und fra­gen: welche Bedeu­tung hat die All­mende in früheren Epochen des Feu­dal­is­mus und des auf­streben­den Indus­triekap­i­tal­is­mus tat­säch­lich gespielt. Wie kön­nte die Utopie ein­er Wis­sensall­mende ausse­hen? Und in welchem Ver­hält­nis ste­hen Imma­te­ri­al­güter (wie z.B. Wis­sen) und materielle Güter (z.B. Pro­duk­te, in denen hochkom­plex­es Wis­sen inko­r­pori­ert ist)?

Arbeitskreis “Mythos Hindenburg” (Wintersemester 2011/2012)

Ich schei­de von meinem deutschen Volk in der fes­ten Hoff­nung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Jan­u­ar 1933 führte, zu voller Erfül­lung und Vol­len­dung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.” (Tes­ta­ment P.v. Hin­den­burgs, S. 6 f.) )

In dem Arbeit­skreis wird der immer noch zu beobach­t­ende Mythos, der mit der Per­son Paul von Hin­den­burg ver­bun­den ist, mit seinen Hand­lun­gen und sein­er Rolle als aggres­siv­er Mil­i­tarist im 1. Weltkrieg, bei der Zer­störung der Weimar­er Repub­lik und im Rah­men der Machtüber­tra­gung an den Nation­al­sozial­is­mus behan­delt. Darüber hin­aus fra­gen wir uns aber auch nach der Wirk­mächtigkeit des Mythos Hin­den­burg und die generelle Funk­tion der­ar­tiger Mythen­bil­dung im Kon­text der aktuellen Auseinan­der­set­zun­gen mit Recht­sex­trem­is­mus und Ras­sis­mus.

Seminar an der Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, “Mediatisierung von Wissenskulturen”, (Michael Paetau: Wintersemester 2011/2012)

In jed­er his­torischen Sit­u­a­tion entwick­eln Gesellschaften beson­dere soziale Mech­a­nis­men, die den Umgang mit ihrem Wis­sen steuern. Hier wird entsch­ieden welch­es Wis­sen bewahrt, welch­es vergessen oder welch­es gar voll­ständig ver­nichtet wird, und in welch­er Weise dies geschieht. In diesem Sinne sind alle Gesellschaften Wis­sens­ge­sellschaften. Es wer­den Struk­turen aufge­baut, in denen das Wis­sen pro­duziert, verteilt, angewen­det, gespe­ichert, wiederge­fun­den und vergessen­wird.” (Wis­senskul­turen e.V., 2008)

Wis­senskul­turen sind in den let­zten Jahren mehr und mehr zum Gegen­stand ein­er inter­diszi­plinären Forschung gewor­den. Dabei geht es um die Frage, welche sozialen, tech­nis­chen und sym­bol­is­chen Fak­toren den Umgang ein­er Gesellschaft mit ihrem Wis­sen hin­sichtlich sein­er Erzeu­gung, sein­er Spe­icherung, sein­er Verteilung und seines Zugangs bee­in­flussen. Das in diesen vier all­ge­meinen Dimen­sio­nen ein­er jeden Wis­sens­for­ma­tion zu iden­ti­fizierende Kul­turelle lässt sich zwar als »hand­lung­sori­en­tierende Sinnkon­struk­tion« (T. Luck­mann) ver­ste­hen, gle­ich­wohl ist es weit davon ent­fer­nt als etwas Homo­genes und als »one true self« (S. Hall) gel­ten zu kön­nen. Im Sinne der »Cul­tur­al Stud­ies« und – in deren Folge – der neueren »Sub­cul­tur­al Stud­ies« lassen sich Wis­senskul­turen eher als dif­fer­en­tielle und hybride Syn­drome beze­ich­nen, die einen rel­e­van­ten Ein­fluss auf andere gesellschaftliche Bere­iche ausüben (z.B. auf die öffentliche Mei­n­ung, auf den Zugang zu Bil­dung, auf die Frei­heit der Kun­st, auf Geschlechter­ver­hält­nisse, ras­sis­tis­che und sex­uelle Diskri­m­inierungsphänomene aber auch auf gesellschaftliche Machtver­hält­nisse) und umgekehrt natür­lich auch selb­st von diesen bee­in­flusst wer­den (z.B. von infor­ma­tions- und kom­mu­nika­tions-tech­nis­chen Sys­te­men oder von den Rechtsver­hält­nis­sen ein­er Gesellschaft). Dieses Sem­i­nar stellt die Frage der Medi­atisierung von Wis­senskul­turen in das Zen­trum der Diskus­sion. Es geht um die Beschrei­bung und die Analyse des mit dem Ein­satz neuer Medi­en ver­bun­de­nen Wan­dels in der Art und Weise, wie die Gesellschaft mit ihrem Wis­sen umge­ht. Dazu wer­den wir Ver­schiebun­gen auf­spüren, die sich in – aus­gewählten – Bere­ichen der Wis­senskul­tur fest­stellen lassen. Dabei soll neben der Berück­sich­ti­gung einiger – für die Entwick­lungs­geschichte der Medi­en und der Medi­en­tech­nik rel­e­van­ter — his­torisch­er Beispiele (z.B. R. Stall­man 1985; E. Ray­mond 1999; L. Lessig 2004) vor allem auf aktuelle Beispiele einge­gan­gen wer­den. Denkbar sind The­men wie »Social-Media-Tech­nolo­gies«, Fra­gen des soge­nan­nten »geisti­gen Eigen­tums«, die »Post-Pri­va­cy-Debat­te«, »Vor­rats­daten­spe­icherung«, »Wik­iLeaks« u.a.m..

Seminar an der Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, “Netze des Wissens — Netze der Macht” (Michael Paetau: Wintersemester 2011/2012)

“Ich set­ze voraus, dass in jed­er Gesellschaft die Pro­duk­tion des Diskurs­es zugle­ich kon­trol­liert, selek­tiert, organ­isiert und kanal­isiert wird — und zwar durch gewis­sen Proze­duren, deren Auf­gabe es ist, die Kräfte und die Gefahren des Diskurs­es zu bändi­gen, sein unberechen­bar Ereignishaftes zu ban­nen, seine schw­er und bedrohliche Mate­ri­al­ität zu umge­hen.” (M. Fou­cault: Ord­nung des Diskurs­es)

In dem Sem­i­nar geht es um eine sozi­ol­o­gis­che Analyse der soge­nan­nten »dig­i­tal­en Rev­o­lu­tion« aus ein­er macht­the­o­retis­chen Per­spek­tive. Es wird angeknüpft an die gegen­wär­tig stat­tfind­e­nen Auseinan­der­set­zun­gen um eine neue Wis­sensor­d­nung der Gesellschaft. Fou­cault hat die Wis­sensor­d­nung als einen spez­i­fisch his­torischen Raum für das, was zu wis­sen und zu kom­mu­nizieren möglich ist, beze­ich­net. Diese Räume bee­in­flussen die Art und Weise, in der die gesellschaftlichen Indi­viduen sich als Sub­jek­te for­men. Hier­an anschließend wollen wir uns der Frage zuwen­den, wie und in welch­er Form, durch welche sozialen, tech­nis­chen und sym­bol­is­chen Fak­toren die Erzeu­gung, die Verteilung, die Spe­icherung und der Zugang von Wis­sen bee­in­flusst wird. Dazu wer­den wir uns im ersten Teil der Ver­anstal­tung mit eini­gen sozi­ol­o­gis­chen Konzepten der »Macht« auseinan­der­set­zen und diese dann im zweit­en Teil auf einige Beispiele des sich vor unseren Augen vol­lziehen­den gegen­wär­ti­gen gesellschaftlichen Trans­for­ma­tion­sprozess anzuwen­den ver­suchen.

Arbeitskreis “Wissensgeschichte des Liberalismus” (Sommersemster 2011)

Es ist schon eige­nar­tig, dass diesel­ben Leute, die in geschlif­f­enene Worten von poli­tis­ch­er Frei­heit sprechen und das Recht auf Steuer­erhe­bung für ein unveräußer­lich­es Men­schen­recht hal­ten, keine Skru­pel haben, einen Großteil ihnen ähn­lich­er Geschöpfe Bedin­gun­gen zu unter­w­er­fen, in denen diese nicht nur allen Eigen­tums, son­dern auch fast aller Rechte beraubt sind.” (John Mil­lar, schot­tis­ch­er Aufk­lär­er 1771)

Der AK »Wis­sens­geschichte des Lib­er­al­is­mus« des Vere­ins »Wis­senskul­turen e.V.« beschäftigt sich mit den philosophis­chen Grund­la­gen, der Her­aus­bil­dung des freien Welthandels und die Entwick­lung Eng­lands zur dom­i­nan­ten Welt­macht im 18. Jahrhun­dert, die Auseinan­der­set­zun­gen inner­halb des Lib­er­al­is­mus im Zusam­men­hang mit der amerikanis­chen Rev­o­lu­tion, über Sklaven­han­del und Sklaven­hal­tung in den USA und den europäis­chen Kolonien sowie über die Leibeigen­schaft in Europa selb­st. Wir wollen auch die Bedeu­tung lib­eralen Denkens in der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion und danach unter­suchen, die Auswirkun­gen auf die Unab­hängigkeits­be­we­gung in Südameri­ka, sowie die Rolle des Lib­er­al­is­mus im Zusam­men­hang mit der deutschen und ital­ienis­chen Nation­al­be­we­gung des 19. Jahrhun­derts. Betra­ch­tun­gen zur zeitweili­gen Zurück­drän­gens lib­eralen Denkens in der ersten Hälfte des 20. Jahhrun­derts und sein­er erneuten Durch­set­zung in der zweit­en Hälfte des 20. Jah­hun­derts run­den das Pro­gramm dieses Arbeit­skreise ab.

Veranstaltungsreihe Kolumbien (I): “Choco — Der Kampf um die Menschenrechte in Kolumbien” (25.10.2010)

Dieser Vor­trag von Ulrich Koll­witz, “Equipo Misionero Jus­ti­cia y Paz” in Quib­do, Kolumbi­en, war der Auf­takt zu ein­er Rei­he von Ver­anstal­tun­gen zum The­men­schw­er­punkt “Kolumbi­en”, die wir in den fol­gen­den Jahren in los­er Rei­hen­folge durch­führen. Ulrich Koll­witz berichtete über die Sit­u­a­tion der Men­schen­rechte in Kolumbi­en und die Arbeit der Equipo Misionero im kolumbian­is­chen Depar­ta­men­to Chocó. (Mon­tag, den 25. Okto­ber 2010, im Bon­ner Insti­tut für Migra­tions­forschung und Interkul­turelles Ler­nen (BIM) e.V., Thomas-Mann-Str. 1, 53111 Bonn)

Im Depar­ta­men­to Chocó, im kolumbian­is­chen Regen­wald zwis­chen Paz­i­fik- und Atlantik im Nor­den Südamerikas gele­gen, haben Megapro­jek­te der kolumbian­is­chen Regierung und nor­damerikanis­ch­er Inter­es­sen­grup­pen zu mas­siv­en sozialen Auseinan­der­set­zun­gen, begleit­et von Land­vertrei­bung und Ver­ar­mung der ansäs­si­gen afro-kolumbian­is­chen und indi­ge­nen Gemein­schaften geführt. Paramil­itärische Grup­pen, die teil­weise offen von den reg­ulären Stre­itkräften unter­stützt wer­den, und linke Gueril­la­grup­pen liefern sich eine erbit­terte mil­itärische Auseinan­der­set­zung, unter der vor allem die Zivil­bevölkerung zu lei­den hat. Einige Gemein­schaften ver­suchen sich gegen diese Spi­rale der Gewalt zur Wehr zu set­zen. Sie ver­suchen, durch sol­i­darisches Han­deln die sozialen und gesellschaftlichen Bedin­gun­gen für ein selb­st­bes­timmtes Leben in Frieden und Frei­heit zu entwick­eln. In seinem beein­druck­enden Vor­trag, der von vie­len Fotos der Land­schaft und des sozialen Lebens in dieser imponieren­den Region unter­stützt wurde, berichtete Ulrich Koll­witz von diesem Ver­suchen und wie die “Equipo Misionero Vida Jus­ti­cia y Paz” die Gemein­schaften in ihrem Über­leben­skampf zu unter­stützen.

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Arbeitskreis “Am Kreuzweg der Wissensordnung”
(Wintersemester 2010/2011)

A Spec­tre is haunt­ing multi­na­tion­al cap­i­tal­ism – the spec­tre of free infor­ma­tion. All the pow­ers of ‘glob­al­ism’ have entered into an unholy alliance to exorzise this spec­tre (…) Througout the world the move­ment for free infor­ma­tion announces the arrival of a new social struc­ture, born of the trans­for­ma­tion of bour­geois indus­tri­al soci­ety by the dig­i­tal tech­nol­o­gy of its own inven­tion.” (Eben Moglen: The dot­Com­mu­nist Man­i­festo 2003)

In dem Arbeit­skreis stellen wir uns die Frage: “was ist eigentlich das Rev­o­lu­tionäre” an der soge­nan­nten “dig­i­tal­en Rev­o­lu­tion”? Wer sind die Sub­jek­te dieser Trans­for­ma­tion und was ist ihr Gegen­stand? Wir knüpfen an die Beobach­tung an, dass die Wis­sens­for­ma­tion der Gesellschaft sich insofern an einem Kreuzweg befind­et, als gegen­wär­tig Weichen­stel­lun­gen erfol­gen, die darüber entschei­den, ob die Poten­ziale der Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien genutzt wer­den, um mehr Selb­st­bes­tim­mung der Indi­viduen und größere Trans­parenz der anony­men Sys­teme der Macht herzustellen, oder aber eher umgekehrt eine stärkere Kon­trolle der Bürg­er durch Samm­lung und Auswer­tung der Dat­en, die sie bei all ihren Hand­lun­gen hin­ter­lassen. Darüber hin­aus stellt sich die Frage, inwieweit der freien gemein­schaftlichen Ver­fü­gung zugänglich sein wird, oder aber immer mehr zu ein­er Ware wird, die pro­pri­etären Prinzip­i­en und ökonomis­chen Kalkülen unter­wor­fen sein wird.