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Santos bietet bilaterale Waffenruhe an, verstärkt aber gleichzeitig die Militäroperationen

Ob es sich lediglich um einen propagandistischen Vorstoß des Präsidenten im Kontext der Vereinbarung vom 23. September handle, oder um eine ernst zunehmende Ankündigung wird in den kolumbianischen Medien kontrovers diskutiert. Am 28. Oktober hatte die kolumbianische Regierung erstmals ihre Bereitschaft zu einer beidseitigen Waffenruhe erklärt. Präsident Santos bot der FARC einen bilateralen und international überwachten Waffenstillstand an, der am 1. Januar 2016 in Kraft treten könnte (Semana v. 28.10.2015: „Santos propone cese bilateral con las FARC desde el primero de enero“). Allerdings knüpfte der Präsident die Waffenruhe an bestimmte Bedingungen, wie beispielsweise die Konzentration aller FARC-Kämpfer an einem bestimmten Ort, was bei der FARC zu Verwirrung und Ablehnung geführt hat (Delegación de Paz de las FARC-EP: „Cese al fuego bilateral“ v. 31.10.2015). Und gleichzeitig wird diese Ankündigung begleitet von verstärkten Angriffen der Streitkräfte auf FARC-Stellungen in den letzten Wochen, was in der Öffentlichkeit Besorgnis auslöste, die FARC könnte ihre im Juli verkündete erneute einseitige Waffenruhe beenden und wieder aktive Militäroperationen beginnen. Jedenfalls wandte sich die FARC mit einem an die Mitglieder des kolumbianischen Kongresses gerichteten offenen Brief an die Öffentlichkeit und forderte die sofortige Einschaltung der drei internationalen Sonderbeauftragten für den Friedensprozess in Kolumbien, den US-Amerikaner Bernard Aronson, den Sonderbeauftragten der deutschen Bundesregierung, Tom Königs, sowie den EU-Sondergesandten Eamon Gilmore. Sie sollen über die Schwierigkeiten zur Einhaltung der Waffenruhe informiert werden, die von Tag zu Tag größer würden (Delegación de Paz de las FARC-EP: „Saludo a la Delegación del Congreso“ v. 30.10.2015; und Delegación de Paz de las FARC-EP: „Peligra tregua unilateral“, Comunicados Delegación FARC v. 31.10.2015).