Verwirrspiel um JEP

Der kolum­bia­ni­sche Prä­si­dent Iván Duque hat wahr­ge­macht, was er ange­kün­digt hat­te: Das von bei­den Kam­mern des Kon­gres­ses ver­ab­schie­de­te »Ley Estatu­ta­ria de la JEP«, also das­je­ni­ge Gesetz, wel­ches der im Frie­dens­ver­trag von Hava­na ver­ein­bar­ten Son­der­jus­tiz für den Frie­den (»Jus­ti­cia Espe­cial par la Paz«) die erfor­de­li­che ver­fas­sungs­ge­mä­ße Basis ver­lei­hen soll­te, wur­de von ihm nicht unter­schrie­ben son­dern an den Kon­gress zurück­ver­wie­sen.

Er hat sechs Ein­spü­che gegen das Gesetz gel­tend gemacht und damit eine ernst­zu­neh­men­de Kri­se um die Umset­zung des Ver­tra­ges von Havan­na, des »Acue­dro Final para la Ter­mi­nación del Con­flic­to y la Con­struc­ción de una Paz Estable y Dura­de­ra«, aus­ge­löst, die mittl­wei­le auch die UNO und den Inter­na­tio­na­len Gerichts­hof in Den Haag auf den Plan geru­fen hat.

Die »Jus­ti­cia Espe­cial para la Paz« (JEP) ist das Kern­ele­ment der »Jus­ti­cia Tran­si­tio­nal« des Frie­dens­ver­tra­ges. Als Son­der­jus­tiz neben der nor­ma­len natio­na­len Gerichts­bar­keit bedurf­te es einer ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rege­lung. Die wur­de noch von der Vor­gän­ger­re­gie­rung San­tos auf den Weg gebracht aber lan­ge Zeit von den kon­ser­va­ti­ven Kräf­ten im Kon­gress durch Ein­wän­de, Ände­rungs­an­trä­ge und Ver­fas­sungs­an­fra­gen blo­ckiert. Mitt­ler­wei­le wur­de die Geset­zes­vor­la­ge aber von bei­den Kam­mern des Kon­gres­ses ver­ab­schie­det und ist auch vom kolum­bia­ni­schen Ver­fas­sungs­ge­richt als ver­fas­sungs­kon­form erklärt wor­den. Damit war der Weg frei. In der Erwar­tung, dass Kolum­bi­en sich an die in Havan­na ver­ab­schie­de­ten Ver­ein­ba­run­gen hal­ten wür­de, hat­te die JEP ihre Arbeit bereits im ver­gan­ge­nen Jahr auf­ge­nom­men. Rich­ter wur­den ernannt, inter­na­tio­na­le Beob­ach­ter beru­fen (unter ihnen der deut­sche Rechts­wis­sen­schaft­ler Kai Ambos, Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen), ers­te Ankla­gen unter­nom­men, Ver­hö­re durch­ge­führt etc. etc.

Duque hat das Gesetz nun an das Par­la­ment zurück­ver­wie­sen, damit dort erneut über die sechs Arti­kel debat­tiert wird, gegen die der Prä­si­dent Beden­ken vor­ge­bracht hat, sowie über zwei wei­te­re vom ihm ein­ge­brach­te Ände­rungs­an­trä­ge.

Das Vor­ge­hen von Duque hat eine inten­si­ve Dis­kus­si­on nicht nur in Kolum­bi­en son­dern auch inter­na­tio­nal. Über hun­dert Per­sön­lich­kei­ten des öffent­li­chen Lebens, Vetre­ter von diver­sen NGOs, Rechts­an­walts­ver­bän­den sowie Ver­tre­ter bei­der Ver­hand­lungs­de­le­ga­tio­nen der Regie­rung San­tos und der FARC, pro­tes­tier­ten in einem öffent­li­chen Brief an UN-Gene­ral­se­kre­tär Gut­te­res.

Sie­he auch den Arti­kel in
Sema­na v.11.3.2019 sowie die aus­führ­li­che Kri­tik des Anwalts­ver­eins »Colec­tivo de Aboga­dos ‘José Alve­ar Rest­re­po’«.