Uribistas und Paramilitarismus verhindern den Friedensschluss

Die Hoff­nung, die Frie­dens­ver­hand­lun­gen in Havan­na mit der Unter­zeich­nung des Ver­tra­ges am 23. März 2016 abzu­schlie­ßen haben sich lei­der vor­erst zer­schla­gen. Wor­an genau es geschei­tert ist, ist unklar, aber durch­ge­si­ckert ist, dass es die Hal­tung zu den rechts­ge­rich­te­ten para­mi­li­tä­ri­schen Ver­bän­den war, über die man sich nicht eini­gen konn­te. Das, was ich in eini­gen der vor­her­ge­hen­den Arti­kel beschrie­ben hat­te, näm­lich dass die Para­mi­li­tärs begon­nen haben, sich in Posi­ti­on zu brin­gen, um das durch den Rück­zug der FARC ent­ste­hen­de Macht­va­ku­um in bestimm­ten Regio­nen aus­zu­fül­len, ist selbst­ver­ständ­lich auch den Ver­hand­lungs­de­le­ga­tio­nen in Hava­na nicht ver­bor­gen geblie­ben. Die­se Ent­wick­lung steht in kras­sem Wider­spruch zu den Zie­len des Frie­dens­pro­zes­ses und bedroht die Hoff­nung aller Betei­lig­ten, v.a. vie­ler zivil­ge­sell­schaft­li­cher Grup­pen. Denn sie sind es vor allem, die unter den Para­mi­li­tärs lei­den. Schon die Ver­gan­gen­heit hat­te gezeigt, dass die Para­mi­li­tärs die offe­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den FARC eher scheu­ten, und statt­des­sen mehr “wei­che” Zie­le ange­grif­fen haben, denen sie Unter­stüt­zung der Gue­ril­la vor­war­fen. Dies waren Gewerk­schaf­ter, Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten, Stu­den­ten, Rep­re­sen­tan­ten von indi­ge­nen Gemein­schaf­ten, kri­ti­sche Jour­na­lis­ten, Rechts­an­wäl­te, NGOs, und sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen, die fast immer unbe­waff­net und wehr­los waren (vgl. Man­fre­do Koes­sel: Gewalt und Habi­tus, Müns­ter 2014, S. 56). Ein Vor­ge­schmack, was der kolum­bia­ni­schen Gesell­schaft blü­hen könn­te, war der soge­nann­te “Paro Arm­a­do” (bewaff­ne­ter Streik) am 29. März 2016. An die­sem Tag patroul­lier­ten in ins­ge­samt 50 kolum­bia­ni­schen Gemein­den schwer bewaff­ne­te Män­ner in neu­en Uni­for­men auf den Stra­ßen und zwan­gen die Bevöl­ke­rung, alle Akti­vi­tä­ten ein­zu­stel­len, die Geschäf­te und Schu­len zu schlie­ßen. Der Ver­kehr kam völ­lig zum Erlie­gen. 6 Poli­zis­ten wur­den umge­bracht, 24 Per­so­nen ver­letzt, Autos wur­den ver­brannt und die Bevöl­ke­rung auf­ge­ru­fen, sich einem von den Uri­bi­s­tas initi­ier­ten Pros­test­marsch am 1. April gegen den Frie­den­pro­zess anzu­schlie­ßen. Die­ser Auf­ruf wur­de angeb­lich von 100.000 Per­so­nen gefolgt. Man mag die­se Zahl ein­schät­zen wie man will, es bleibt das Fak­tum eines tief gespal­te­nen Lan­des. Mit dem Pro­test­marsch ver­such­ten die Bel­li­zis­ten um Alva­ro Uri­be auch Druck auf das Ver­fas­sungs­ge­richt aus­zu­üben, das in Kür­ze dar­über ent­schei­den will, ob das von der Regie­rung San­tos ange­streb­te Refe­ren­dum zur Zustim­mung der in Havan­na aus­ge­han­del­ten Ver­ein­ba­run­gen, ver­fas­sungs­kon­form ist oder nicht.

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