Vereinbarung in Havanna: Ende der Kämpfe im März 2016

Am Mitt­woch, den 23. Sep­tem­ber wur­de in Havan­na die Unter­zeich­nung einer von Beob­ach­tern als “his­to­risch” bezeich­ne­ten Ver­ein­ba­rung zwi­schen der kolum­bia­ni­schen Regie­rung und der FARC bekannt­ge­ge­ben, in der die Been­di­gung aller Kämp­fe für spä­tes­tens März 2016 beschlos­sen wur­de. Mit der Unter­zeich­nung eines “Abkom­men über die Schaf­fung einer Son­der­ge­richts­bar­keit für den Frie­den”, in dem die wich­tigs­ten Rege­lun­gen für eine Straf­ver­fol­gung und Amnes­tie für die Betei­lig­ten am bewaff­ne­ten Kon­flikt fest­ge­legt ist, wur­de höchst­wahr­schein­lich ein ent­schei­den­der Grund­stein für einen Durch­bruch der Frie­dens­ver­hand­lun­gen gelegt. Gera­de die­se Fra­ge wie juris­tisch mit den Per­so­nen zu ver­fah­ren sei, denen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ange­las­tet wer­den, war in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten zu einem der wich­tigs­ten und umstrit­tens­ten Ver­hand­lungs­punk­te in Havan­na. Grund­sätz­li­che stimm­ten bei­de Sei­ten über­ein, es müs­se eine spe­zi­el­le Recht­spre­chung für den Über­gang zum Frie­den geschaf­fen wer­den, die sowohl aus nor­ma­len Gerich­ten als auch aus einem Son­der­tri­bu­nal bestehen wer­de. Die­se Gre­mi­en sol­len vor allem aus kolum­bia­ni­schen Rich­tern bestehen, aller­dings unter Mit­wir­kung aus­län­di­scher Juris­ten, die aber in der Min­der­heit blei­ben sol­len. Die Funk­ti­on die­ser Mecha­nis­men soll laut Ver­ein­ba­rung dar­in bestehen, die bis­lang anhal­ten­de Straf­lo­sig­keit zu been­den, die Wahr­heit über die Gescheh­nis­se ans Licht zu brin­gen, zur Ent­schä­di­gung der Opfer bei­zu­tra­gen, die Ver­ur­tei­lung und Bestra­fung der Ver­ant­wort­li­chen für schwe­re Ver­bre­chen, die wäh­rend des Kon­flikts began­gen wur­den, zu ermög­li­chen, sowie sicher­zu­stel­len, dass sich die­se nicht wie­der­ho­len“ (El Espec­ta­dor v. 24.9.2015). Die Son­der­jus­tiz für den Frie­den, die in den kolum­bia­ni­schen Medi­en auch als “Wahr­heits­kom­mis­si­on” titu­liert wird, soll nicht nur zustän­dig sein für Mit­glie­der der Guer­ril­la, son­dern gleich­falls für alle Per­so­nen im Staats­dienst, die im Kon­text des Krie­ges Ver­bre­chen began­gen haben. Schließ­lich wird in der gemein­sa­men Erklä­rung aner­kannt, dass die Umwand­lung der FARC in eine lega­le poli­ti­sche Bewe­gung ein gemein­sa­mes Ziel sei, das von der Regie­rung unter­stützt wer­de. Prä­si­dent San­tos und der obers­te Chef der FARC, Timo­león Jimé­nez ali­as  „Timo­chen­ko“, waren anläss­lich der Unter­zeich­nung, die in Anwe­sen­heit von Kubas Staats- und Regie­rungs­chef Raúl Cas­tro statt­fand, eigens nach Havan­na gereist. Seit die Gesprä­che in Havan­na began­nen, hat die Regie­rung San­tos aner­kannt, dass in Kolum­bi­en Krieg herrscht und die FARC eine Rebel­len­grup­pe mit poli­ti­schen Zie­len ist. Damit unter­schei­det sie sich vom frü­he­ren Prä­si­den­ten Uri­be, der die FARC ledig­lich als Ter­ro­ris­ten ansah. Aber gleich­zei­tig hat die Regie­rung aner­kannt, dass im Namen des Krie­ges auf bei­den Sei­ten grau­sa­me Hand­lun­gen began­gen wur­den, wes­we­gen die Gue­ril­la nicht ein­fach als revo­lu­tio­när und die Streit­kräf­te nicht  ein­fach als legi­tim bezeich­net wer­den kön­nen. Für die FARC wur­de es unmög­lich zu sagen, die Ent­füh­run­gen von Poli­ti­kern und Sol­da­ten und ihre jah­re­lan­ge Gefan­gen­hal­tung im Urwald sei­en altru­is­ti­sche Taten gewe­sen. Eben­so wenig konn­ten die Streit­kräf­te leug­nen, dass vie­le ihrer Ein­hei­ten Alli­an­zen mit den Para­mi­li­tärs schlos­sen, damit letz­te­re Mas­sa­ker an bestimm­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung ver­üben konn­ten (vgl. Sema­na v. 18.7.2015: “?‘Timo­chen­ko’ ir¿a a la cár­cel?”).

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